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Medizin

13. Mai 2016 Bewegung und Sport: Ein wichtiger Therapiebaustein bei Patienten mit neuroendokrinen Tumoren und Akromegalie

Körperliche Aktivität tut gut – auch bei chronischen Erkrankungen, so dass Patienten mit neuroendokrinen Tumoren (NET) und Akromegalie ebenfalls davon profitieren können. So lautete das Fazit eines Workshops für Pflegekräfte des SanService-Teams, der unter der Leitung von PD Dr. Freerk Baumann stattfand. Die Bedeutung von körperlicher Aktivität bei chronischen Erkrankungen wird nach Ansicht des Referenten vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln allerdings noch immer unterschätzt.
·    Körperliche Aktivität beeinflusst den Krankheitsverlauf von chronisch erkrankten Patienten positiv. Dies gilt auch für Patienten mit NET und Akromegalie.
·    Eine individuell maßgeschneiderte Bewegungstherapie sollte Patienten mit NET und Akromegalie in allen Behandlungsphasen begleiten.
·    Die Pflegekräfte des SanService tragen maßgeblich dazu bei, Patienten zum Start und zum Beibehalten einer regelmäßigen Bewegungstherapie zu motivieren.
 
Nach wie vor sind viele Patienten, aber auch Ärzte und Pflegekräfte der Ansicht, dass Schonung die beste Therapie bei chronischen Erkrankungen sei. Inaktivität führt jedoch im Gegenteil zu Folgeerkrankungen: Sie schwächt beispielsweise den Bewegungsapparat, das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem und schadet damit letztendlich dem Patienten (1). Bewegungsprogramme zielen darauf ab, den Gesundheitszustand des Patienten vor dem Beginn der Therapie zu stabilisieren oder zu verbessern, während der Akuttherapie zu erhalten und in der Rehabilitationsphase wiederherzustellen. Insgesamt leisten Bewegungsprogramme damit einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Behandlungsergebnisses und der Lebensqualität der Patienten, so Baumann.
 
Bewegungstherapie wird in allen Behandlungsphasen benötigt

Bei der Planung der Bewegungstherapie müssen nach Angaben des Sportwissenschaftlers die individuelle Symptomatik und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten sowie eventuelle Nebenwirkungen der medizinischen Therapie berücksichtigt werden. Angeboten werden sollte die Bewegungstherapie so früh wie möglich, und sie sollte den Patienten über alle Behandlungsphasen hinweg begleiten. Jede Erkrankung benötigt zudem ihre eigene Trainingsintervention, erläuterte Baumann. Somit muss für jeden Patienten ein individuelles Trainingsprogramm maßgeschneidert werden.
 
Die Wirkungen von körperlicher Aktivität sind vielfältig und erstrecken sich auf die physische, psychische und soziale Ebene. So verbessert die Bewegungstherapie die allgemeine Ausdauer, die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität (2, 3), die Knochendichte (4), die Beweglichkeit und Koordination (5), aber auch die Merk- und Gedächtnisfähigkeit und die Schlafqualität (5). Das Fatigue-Syndrom bessert sich (6) und das Herz-Kreislauf-System sowie die Muskelkraft werden gestärkt (5). Darüber hinaus wirkt sich körperliche Bewegung Baumann zufolge positiv auf die seelische Verfassung der Patienten aus: Phasen mit gedrückter Stimmung werden verringert, Ängste abgebaut, Selbstvertrauen hinzugewonnen und eine möglicherweise bestehende soziale Isolation aufgehoben. Körperliche Aktivität kann bei Patienten dazu beitragen, Schmerzen zu mindern, den Appetit zu steigern und die Verdauung zu fördern. Sie kann sich zudem günstig auf Übelkeit, Erbrechen, den Glukosestoffwechsel, die Blutbildung und das Immunsystem auswirken (5).
 
SanService - Vertrauensbeziehung aufbauen und motivieren

Laut Dr. Baumann ist eine solide Vertrauensbeziehung zum Patienten noch mehr als in anderen Disziplinen die Basis für den Therapieerfolg. Schon der erste Kontakt zum Patienten muss nach Angaben des Sportwissenschaftlers dazu dienen, diese Vertrauensbeziehung aufzubauen. Die Patienten sollten lernen, Bewegung als Teil des Therapieplans zu verstehen. Auf Basis der stabilen Beziehung kann es Ärzten, Pflegekräften des SanService, Physio- und Sporttherapeuten gelingen, die Patienten bei der Wahl einer geeigneten Sportart, die ihnen wirklich Freude macht, zu unterstützen und sie immer wieder neu vom Nutzen der Bewegungstherapie zu überzeugen und zu Aktivitäten zu motivieren.
 
Die examinierten Pflegefachkräfte des SanService können alle 28 Tage die Injektion des bei Patienten mit neuroendokrinen Tumoren und Akromegalie indizierten Somatostatin-Analogons durchführen. Das Team von zwölf Pflegefachkräften verabreicht die Injektion nach Terminvereinbarung mit den Patienten bundesweit, auch am Urlaubsort des Patienten in Deutschland. Dieser Service steht dem Arzt und Patienten kostenfrei zur Verfügung und ist individuell, persönlich und flexibel auf den Patienten zugeschnitten. Mit den Workshop-Inhalten, vermittelt durch Dr. Baumann, ist die SanService-Pflegefachkraft nun auch unterrichtet, die von ihr betreuten Patienten über indikationsgerechte Übungen zu informieren und zu motivieren. Körperliche Aktivität ist ein wichtiger Baustein zum Erhalt von Selbstbestimmung und Lebensfreude des Patienten.
 
Welche Bewegungsform für einen Patienten geeignet ist, variiert in Abhängigkeit von der Art der Erkrankung und dem individuellen Befinden des Patienten. Prinzipiell bieten sich sehr viele Bewegungsformen an: Ausdauersport – also Spazierengehen, Walken, Joggen, Rad fahren, Rudern oder Golfen –, Koordinations- und Entspannungstraining wie Gymnastik, Tai Chi, Yoga und Pilates, aber auch Krafttraining im Fitnessstudio oder Schwimmen. Letztendlich sind auch Alltagsaktivitäten, wie Hausarbeit oder kleinere Strecken zu Fuß gehen, gut geeignet. Informationen über Sportgruppen für Patienten bieten die Geschäftsstellen des für das jeweilige Bundesland zuständigen Landessportbundes.
 
Weiterführende Informationen finden Sie unter www.leben-mit-net.de und www.leben-mit-hypophysentumoren.de.

Quelle: Novartis

Literatur:

(1) Hollmann W, Strüder H (Hrsg): Sportmedizin – Grundlagen für körperliche Aktivität, Training und Präventivmedizin. Schattauer Verlag, Stuttgart, 5. Auflage 2009
(2) Baumann FT et al.: A controlled randomized study examining the effects of exercise therapy on patients undergoing haematopoietic stem cell transplantation. Bone Marrow Transplant 2010; 45:355-362
(3) Baumann FT et al.: Physical activity for patients undergoing an allogeneic hematopoietic stem cell transplantation: benefits of a moderate exercise intervention. Eur J Haematol 2011; 87:148-156
(4) Newton RU et al.: A phase III clinical trial of exercise modalities on treatment side-effects in men receiving therapy for prostate cancer. BMC Cancer 2009; 9:210
(5) www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/048_0104.pdf. Letzter Aufruf: 22. April 2016
(6) McNeely ML, Coumeya KS: Exercise programs for cancer-related fatigue: evidence and clinical guidelines. J Natl Compr Cancer Netw 2010; 8:945-953


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