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Medizin

04. Juni 2018 Bei MSI-H/MMR-D-Tumoren Keimbahntestung auf Lynch-Syndrom vornehmen

Der Erfolg der Immuntherapie bei Mikrosatelliten-instabilen (MSI-H) und/oder DNA-Mismatch-Reparatur-defizienten (MMR-D)-Tumoren führte zu einer mittlerweile routinemäßigen MSI-H/MMR-D-Testung bei fortgeschrittenen soliden Tumoren. Anders als beim Kolorektal- und Endometriumkarzinom, wo dies schon lange gemacht wird, wird eine Charakterisierung des Lynch-Syndroms (LS) bei heterogenen MSI-H/MMR-D-Tumoren jedoch bislang nicht vorgenommen.
Der MSI-Status wurde über den MSI-Sensor im Next Generation Sequencing-Panel ermittelt. Werte von < 3 werden als Mikrosatelliten-stabil (MSS), ≥ 3 bis < 10 als MSI-unbestimmt (MSI-I) und ≥ 10 als MSI-H bezeichnet. Keimbahnmutationen wurden in den DNA-Mismatch-Reparaturgenen MLH1, MSH2, MSH6, PMS2, EPCAM untersucht. Immunhistochemische Färbungen für MMR-D und Tumorsignaturen wurden bei LS-Patienten bewertet.
 
Von 15.045 Tumoren, die mehr als 50 unterschiedliche Entitäten umfassten, waren 93,2% MSS, 4,6% MSI-I und 2,2% MSI-H.
Keimbahnmutationen wurden in 0,3% (37/14,020), 1,9% (13/699) und 16,3% (53/326) in den Gruppen MSS, MSI-I bzw. MSI-H identifiziert (p<0,001). 25% von 1.025 MSI-H/MSI-I-Tumoren waren Kolorektal- oder Endometriumkarzinome (CRC/ECs), aber 50% (33/66) der LS-Patienten hatten MSI-H/MSI-I-Tumoren.

Weniger häufig oder zuvor nicht assoziiert mit LS waren Mesotheliom, Sarkom, Nebennierenrinde, Melanom, Ovarial-Keimzellentumor. LS-Patienten mit MSI-H/MSI-I beziehungsweise nicht-CRC/EC-Tumoren erfüllten nur in 63,6% der Fälle die Testkriterien, sie hatten niedrigere MSI-Sensor-Werte und waren eher MSI-I (MSI-I: nicht-CRC/EC 30,3% (10/33) gegenüber CRC/EC 9,1% (3/33); p=0,03). Immunhistochemische Färbungen wurde in 86,4% (57/66) von LS MSI-H/MSI-I-Tumoren mit 98,3% MMR-D-Übereinstimmung abgeschlossen. Von LS-Patienten mit MSS-Tumoren hatten 78% MSH6/PMS2-Mutationen, aber 71% der LS-Patienten mit MSI-H/MSI-I-Tumoren hatten MLH1/MSH2/EPCAM-Mutationen (p=<0,001). 89% (33/37) der LS-Patienten mit MSS-Tumoren hatten Nicht-MMR-D-Signaturen.
 
Der MSI-H/MMR-D-Status ist prädiktiv für LS über alle Tumortypen hinweg und legt ein heterogeneres Spektrum LS-assoziierter Krebserkrankungen nahe als bisher angenommen. Fast 40% der LS-Patienten mit MSI-H/MMR-D, ausgenommen Kolorektal-und Endometriumkarzinom, erfüllten nicht die klinischen Kriterien für Gentests. Deshalb sollten MSI-H/MMR-D-Tumoren zur Evaluation eines LS immer eine Keimbahntestung nach sich ziehen, unabhängig von Krebsart oder Familienanamnese.
 
übers. v. JP


 

Quelle: ASCO 2018, Schwark AL et al. Abstract 1509


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