Donnerstag, 21. März 2019
Navigation öffnen

Medizin

01. Oktober 2018 BRAF-mutiertes Melanom: Rezidive verhindern, adjuvant behandeln

Anhand einer Kasuistik veranschaulichte Dr. Peter Mohr, Buxtehude, auf dem ADO in Stuttgart seinem Publikum, dass in der Therapie des malignen Melanoms eine stetige Weiterentwicklung erfolgt; so wird demnächst die neue Leitlinie der AWMF publiziert, die nun bereits ab Stadium IIIA die BRAF-Testung vorsieht statt erst ab Stadium IIIB/C. Hintergrund ist, dass nach den Ergebnissen der COMBI-AD-Studie (1) bzw. der Studie Keynote-054 (2) den resezierten Melanom-Patienten in allen Stadien A bis D eine adjuvante Therapie entweder mit Dabrafenib/Trametinib (bei BRAF-mutierten, Zulassung erfolgte im August 2018) oder einem Anti-PD-1-Antikörper angeboten werden soll, um das Rezidivrisiko zu verringern. "Die BRAF-Testung kann dabei sowohl mit Material aus dem Lymphknoten als auch des Primärtumors durchgeführt werden."
Mohr stellte den Fall einer 1981 geborenen Patientin mit BRAF-mutiertem Melanom (Unterschenkel) mit einer Mikrometastase in Form eines 1,3 mm großen Lymphknotens (LK) vor. Nach der klassischen UCC 2010 Einordnung wäre dies Stadium IIIB, nach der neuen Klassifikation jedoch IIIA (pT1b N1a M0).  

Es stellte sich die Frage, ob eine komplette Lymphadenektomie (CLND) erfolgen sollte. Hier hatte sich in den bisher publizierten Studien kein Benefit einer CLND auf das Gesamtüberleben (OS) gezeigt. Die Ergebnisse der Phase-III-Studie DECOG-SLT (3) mit  einem 3-Jahres-Follow-up bei Melanom-Patienten mit positiven Sentinel-LK zeigten: es gab keine Unterschiede hinsichtlich des OS, des redizidivfreien (RFS) oder fernmetastasenfreien Überlebens.

Soll bei dieser Patientin in Stadium IIIA nun eine adjuvante Therapie erfolgen?

"Bisher lagen der alten Klassifikation (AJCC Version 8) für Stadium IIIA 10-Jahres-Überlebensraten von 90% zugrunde, ebenso bei einem Sentinel-LK mit einer Tumorlast von 1-2 mm", so Mohr. „Aktuelle Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: hier ist bei Stadium IIIA mit Tumorlast < 1 mm nurmehr von einem 5-Jahres-Überleben von 72% auszugehen (4), d.h. man muss hier gegensteuern."
Die Studien COMBI-AD und Keynote-054 haben gezeigt, dass das RFS mit einer adjuvanten Therapie signifikant verbessert werden kann. In Keynote-54 waren 93% nach 1 Jahr noch ohne Rezidiv; in COMBI-AD waren es 88%. „Hier muss man noch hinzufügen, dass von den 12%, die Rezidive erlitten hatten, nur 5% unter Therapie waren, 7% hatten abgebrochen“, erläuterte Mohr.

"Das Rezidiv ist der größte negative Einflussfaktor auf die Lebensqualität", schloss er. "Wir sind jetzt beim Melanom imstande, Rezidive immer weiter nach hinten zu verschieben und die Lebensqualität dadurch länger zu erhalten.“

ab
 

Quelle: Symposium "BRAF-mutiertes Melanom: Die Melanomtherapie perspektivisch gestalten – adjuvant und metastasiert", ADO, 13.09.2018, Stuttgart; Veranstalter: Novartis

Literatur:

(1) Long GV et al. NEJM 2017;377:1813-23
(2) Eggermont AM et al. AACR, #CT001
(3) Leiter U et al. ASCO 2015, # LBA9002
(4) Gershenwald JE et al. 2017


Das könnte Sie auch interessieren

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung
© Fotolia / cryonoid_media

Mit einem Pressegespräch am 19. April in Berlin nimmt EuropaColon Deutschland e. V. seine Tätigkeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung von Darmkrebspatienten auf. Der neu gegründete Verein ist die deutsche Tochter der seit zwölf Jahren europaweit aktiven Patientenorganisation EuropaColon, die in 24 Ländern Europas Menschen mit Darmkrebs unterstützt und gegenüber der Gesundheitspolitik für deren Interessen eintritt. Der Verein soll Anlaufstelle...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"BRAF-mutiertes Melanom: Rezidive verhindern, adjuvant behandeln"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.