Donnerstag, 23. Mai 2019
Navigation öffnen

Medizin

01. Oktober 2018 BRAF-mutiertes Melanom: Rezidive verhindern, adjuvant behandeln

Anhand einer Kasuistik veranschaulichte Dr. Peter Mohr, Buxtehude, auf dem ADO in Stuttgart seinem Publikum, dass in der Therapie des malignen Melanoms eine stetige Weiterentwicklung erfolgt; so wird demnächst die neue Leitlinie der AWMF publiziert, die nun bereits ab Stadium IIIA die BRAF-Testung vorsieht statt erst ab Stadium IIIB/C. Hintergrund ist, dass nach den Ergebnissen der COMBI-AD-Studie (1) bzw. der Studie Keynote-054 (2) den resezierten Melanom-Patienten in allen Stadien A bis D eine adjuvante Therapie entweder mit Dabrafenib/Trametinib (bei BRAF-mutierten, Zulassung erfolgte im August 2018) oder einem Anti-PD-1-Antikörper angeboten werden soll, um das Rezidivrisiko zu verringern. "Die BRAF-Testung kann dabei sowohl mit Material aus dem Lymphknoten als auch des Primärtumors durchgeführt werden."
Mohr stellte den Fall einer 1981 geborenen Patientin mit BRAF-mutiertem Melanom (Unterschenkel) mit einer Mikrometastase in Form eines 1,3 mm großen Lymphknotens (LK) vor. Nach der klassischen UCC 2010 Einordnung wäre dies Stadium IIIB, nach der neuen Klassifikation jedoch IIIA (pT1b N1a M0).  

Es stellte sich die Frage, ob eine komplette Lymphadenektomie (CLND) erfolgen sollte. Hier hatte sich in den bisher publizierten Studien kein Benefit einer CLND auf das Gesamtüberleben (OS) gezeigt. Die Ergebnisse der Phase-III-Studie DECOG-SLT (3) mit  einem 3-Jahres-Follow-up bei Melanom-Patienten mit positiven Sentinel-LK zeigten: es gab keine Unterschiede hinsichtlich des OS, des redizidivfreien (RFS) oder fernmetastasenfreien Überlebens.

Soll bei dieser Patientin in Stadium IIIA nun eine adjuvante Therapie erfolgen?

"Bisher lagen der alten Klassifikation (AJCC Version 8) für Stadium IIIA 10-Jahres-Überlebensraten von 90% zugrunde, ebenso bei einem Sentinel-LK mit einer Tumorlast von 1-2 mm", so Mohr. „Aktuelle Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: hier ist bei Stadium IIIA mit Tumorlast < 1 mm nurmehr von einem 5-Jahres-Überleben von 72% auszugehen (4), d.h. man muss hier gegensteuern."
Die Studien COMBI-AD und Keynote-054 haben gezeigt, dass das RFS mit einer adjuvanten Therapie signifikant verbessert werden kann. In Keynote-54 waren 93% nach 1 Jahr noch ohne Rezidiv; in COMBI-AD waren es 88%. „Hier muss man noch hinzufügen, dass von den 12%, die Rezidive erlitten hatten, nur 5% unter Therapie waren, 7% hatten abgebrochen“, erläuterte Mohr.

"Das Rezidiv ist der größte negative Einflussfaktor auf die Lebensqualität", schloss er. "Wir sind jetzt beim Melanom imstande, Rezidive immer weiter nach hinten zu verschieben und die Lebensqualität dadurch länger zu erhalten.“

ab
 

Quelle: Symposium "BRAF-mutiertes Melanom: Die Melanomtherapie perspektivisch gestalten – adjuvant und metastasiert", ADO, 13.09.2018, Stuttgart; Veranstalter: Novartis

Literatur:

(1) Long GV et al. NEJM 2017;377:1813-23
(2) Eggermont AM et al. AACR, #CT001
(3) Leiter U et al. ASCO 2015, # LBA9002
(4) Gershenwald JE et al. 2017


Das könnte Sie auch interessieren

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen Partnern die nach Angaben der Stiftung Aktion...

Bayern gegen Darmkrebs: Das Modellprojekt „Sprich drüber!“ will junge Menschen im Freistaat vor einer Erkrankung bewahren.

Bayern gegen Darmkrebs: Das Modellprojekt „Sprich drüber!“ will junge Menschen im Freistaat vor einer Erkrankung bewahren.
FARKOR: Werbe-Anzeige Frau / © Felix Burda Stiftung

Auf Initiative der Felix Burda Stiftung haben sich die bayerischen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) zum Modellprojekt „Sprich drüber!“ zusammengeschlossen. Ziel des Projekts ist es, ein vorhandenes familiäres Darmkrebsrisiko bei Versicherten im Alter von 25 bis 49 Jahren möglichst so früh zu identifizieren, dass diese vor einer Darmkrebserkrankung bewahrt werden können. Jede Bayerin und jeder Bayer in dieser...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"BRAF-mutiertes Melanom: Rezidive verhindern, adjuvant behandeln"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.