Sonntag, 21. April 2019
Navigation öffnen

Medizin

15. Mai 2014 Arzneimittel gegen rheumatisch entzündliche Erkrankungen und Hautkrebs beeinflussen die Knochengesundheit

Entzündungshemmende Medikamente, die zur Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt werden, sowie Präparate, die die Immunreaktion steigern und zur Therapie von Melanomen verabreicht werden, schützen beziehungsweise schädigen das Knochengerüst. Die Aktivierung oder Hemmung eines körpereigenen Enzyms beeinflusst nicht nur Entzündungsreaktionen, sondern auch die Anzahl der knochenfressenden Zellen. Dies haben Wissenschaftler der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sowie des Universitätsklinikums Erlangen beobachtet. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachjournal Science Translational Medicine veröffentlicht.

Anzeige:
Fachinformation

Die meisten Vorgänge im menschlichen Körper werden von Enzymen kontrolliert. In experimentellen Untersuchungen und anhand der Datenauswertung von Patienten, die an rheumatoider Arthritis oder einem Melanom erkrankt waren, fanden die Forscher heraus, dass die Aktivierung oder Hemmung des körpereigenen Enzyms IDO (Indolamin-2,3-Dioxygenase) nicht nur Entzündungsreaktionen stoppt bzw. steigert, sondern auch die Anzahl der knochenfressenden Zellen beeinflusst. "IDO ist für das Immunsystem und den Knochen von entscheidender Bedeutung", betont Prof. Dr. Aline Bozec, Medizinische Klinik 3 - Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen und Leiterin der internationalen Arbeitsgruppe.

Im menschlichen Körper stellt IDO das wichtigste Enzym für den Abbau der Aminosäure Tryptophan in die Hormone Serotonin und Melatonin dar. Die Aminosäure kann nicht vom Körper selbst gebildet werden, sondern muss durch Nahrungsmittel, wie z.B. Schokolade, aufgenommen werden. "Wir konnten zeigen, dass Medikamente, die das Enzym IDO anregen, knochenfressende Zellen im Körper hemmen und somit den Knochen schützen", erklärt Prof. Dr. Bozec. Solche Arzneimittel werden aktuell gegen überschießende Immunreaktionen, wie bei Arthritis oder gegen Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen, eingesetzt.

Die Präparate ahmen dabei das körpereigene Eiweiß CTLA-4 nach, regen das Enzym IDO an, wodurch die Anzahl der Osteoklasten reduziert wird, und schützen so den Knochen. Dass durch die Aktivierung von IDO der Knochenabbau gemindert wird, war bisher unbekannt. Im gesunden Körper halten sich knochenbildende Osteoblasten die Waage mit knochenabbauenden Osteoklasten. "Diese medikamentöse Regulierung des Immunsystems erweitert unser Wissen über die Wirkungsweisen von immununterdrückenden Medikamenten gegen entzündliche Knochen- und Gelenkerkrankungen und Osteoporose", erklärt Prof. Dr. Georg Schett, Direktor der Medizinische Klinik 3 - Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen.

Ins Visier der Forscher gelangte damit auch ein Krebsmedikament, welches zur Behandlung des schwarzen Hautkrebses eingesetzt wird. "Wir können beim metastasierten Melanom zum Teil verblüffende Behandlungserfolge mit Hemmern von CTLA-4 erreichen", erklärt Prof. Dr. Lucie Heinzerling von der Hautklinik, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. Ziel dieser Medikamente ist es, die Immunantwort zu steigern. "Wir haben vermutet, dass IDO eine Rolle bei der Wirkung gegen Tumore in der Behandlung mit CTLA-4-Hemmern spielt. Sie reduzieren die Aktivität des Enzyms. Gleichzeitig wird die Anzahl der knochenabbauenden Zellen erhöht. Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis und langfristig für die Behandlung unserer Patienten von großem Interesse", hebt Prof. Dr. Heinzerling hervor.

Mit dieser Arbeit ist es Prof. Dr. Aline Bozec, die ihre Karriere an führenden Krebsforschungszentren in Wien und Madrid begann, gelungen, einen wesentlichen Kommunikationsweg zwischen Immunsystem, Tumor und Knochen im menschlichen Körper aufzudecken. Gleichzeitig sind die Ergebnisse ein Erfolg der stark translationalen Forschungsausrichtung der Medizinischen Fakultät der FAU.

Literaturhinweis:
T Cell Costimulation Molecules CD80/86 Inhibit Osteoclast Differentiation by Inducing the IDO/Tryptophan Pathway
Aline Bozec, Mario M. Zaiss, Rosebeth Kagwiria
Sci Transl Med 7 May 2014:
Vol. 6, Issue 235, p. 235ra60
Sci. Transl. Med. DOI: 10.1126/scitranslmed.3007764
http://stm.sciencemag.org/content/6/235/235ra60

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg


Das könnte Sie auch interessieren

Fortschritte durch hoch spezialisierte Medikamente

Analysenroboter, Hochleistungs-Computer, modernste Labore, Kreativität und enorme Forschungsgelder - es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein neues Medikament auf den Markt kommen kann. Die Suche nach neuen Wirkstoffen setzt bei der Krankheit an: Gibt es bestimmte Botenstoffe, Enzyme oder Hormone, die zum Beispiel bei einem bestimmten Tumor das Krebswachstum antreiben? Oder spielen bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche eine Rolle, sogenannte Rezeptoren,...

Starke Hilfe: 7,65 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

Starke Hilfe: 7,65 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie
© RTimages / Fotolia.com

Die Mitgliederversammlung des José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. beschließt eine Mittelauskehr für zahlreiche Forschungs- und Projekt-Förderungen. Der Geschäftsführende Vorstand Dr. Gabriele Kröner sagt dazu: „Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem. Dieses große Ziel unseres Initiator José Carreras streben wir mit der Förderung der medizinischen Forschung und Finanzierung von Infrastrukturprojekten an.“

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Aktuelle Studien belegen: Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs profitieren von  guter Gesundheitsinformation und Aufklärung. Ängste und Sorgen nehmen ab, die Lebensqualität steigt. Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) informiert Betroffene und Angehörige seit 30 Jahren rund um das Thema Krebs. Bei 50 Prozent aller Anfragen zu Tumorlokalisationen steht das Thema Brustkrebs im Vordergrund.

Neues Infoportal rund um Ernährung und Krebs ist online

Neues Infoportal rund um Ernährung und Krebs ist online
© ernaehrung-krebs-tzm.de

Das neue Infoportal der Arbeitsgruppe „Ernährung und Krebs“ am Tumorzentrum München (TZM) ist ab sofort unter www.ernaehrung-krebs-tzm.de online. Es bündelt wissenschaftlich fundierte Informationen, gibt praktische Hilfestellung und vermittelt Kontakte zu anerkannten Therapeuten und Beratungsstellen rund um das Thema Ernährung und Krebs. Die Arbeitsgruppe besteht aus qualifizierten Ärzten und Ernährungsfachkräften unter der Leitung von Professor...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Arzneimittel gegen rheumatisch entzündliche Erkrankungen und Hautkrebs beeinflussen die Knochengesundheit"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.