Donnerstag, 28. Mai 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

02. April 2020 Antikörpertest auf Coronavirus zeigt innerhalb von 10 Minuten Infektion oder Immunität

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Jenaer Leibniz-Instituts für Photonische Technologien hat einen Antikörper-Schnelltest auf das neue Coronavirus entwickelt. Er zeigt anhand einer Blutprobe innerhalb von 10 Minuten an, ob eine Person akut mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert oder bereits immun dagegen ist. Der Test wird von der Diagnostik-Firma Senova in Weimar hergestellt und ist bereits auf dem Markt. Antikörpertests helfen zu erfahren, wann sich eine Herdenimmunität einstellt und bieten einen Vorteil für medizinisches Personal und Berufsgruppen mit viel Kontakt zu Menschen: Wer immun gegen das Vrus ist, könnte arbeiten, ohne andere anzustecken oder sich zu gefährden.
Anzeige:
Mit dem Schnelltest lässt sich rasch und kostengünstig feststellen, ob eine Person die Krankheit bereits überstanden und Antikörper gegen das Virus Sars-CoV-2 gebildet hat. Der Test funktioniert so unkompliziert wie ein Schwangerschaftstest. Ein Tropfen Blut aus der Fingerspitze genügt und nach etwa zehn Minuten zeigen Striche auf dem Teststreifen an, ob einer von zwei Typen von Antikörpern gefunden wurde. Die IgM-Antikörper finden sich bereits wenige Tage nach der Infektion im Blut, die IgG-Antikörper bilden sich erst später im Infektionsverlauf. Sie bleiben meist viele Monate nachweisbar und zeigen eine bestehende Immunität an.

"Wenn wir wüssten, wie viele Menschen bereits immun sind, wüssten wir, an welchem Punkt dieser Krise wir stehen"

"Antikörpertests liefern wichtige Informationen zum Verständnis und zur Eindämmung der Corona-Pandemie", erläutert der Biochemiker Prof. Ralf Ehricht vom Jenaer Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dessen Team an der Entwicklung, Beurteilung und Qualitätskontrolle des Schnelltests arbeitet. Wie viele Menschen bereits mit dem Coronavirus infiziert waren, ohne es zu bemerken, ist nicht bekannt. "Wir wissen nicht, wie viele jetzt schon immun sind. Deshalb wissen wir streng genommen nicht, wo in dieser Krise wir stehen", betont Ehricht, der am Leibniz-IPHT und der Friedrich-Schiller-Universität Jena neue Multiparameterverfahren für die Diagnose und Epidemiologie von Infektionskrankheiten erforscht. "Das Virus ist hochansteckend, es gibt aktuell keine verfügbare Impfung dagegen und wenig therapeutische Ansätze. Das bedeutet, dass die Ausbreitung erst dann zum Stillstand kommt, wenn sich, nach derzeitigem Kenntnisstand, etwa 70 % der Bevölkerung infiziert haben."

Entlastung für Pflegekräfte und medizinisches Personal

Anders als die PCR-Tests (Polymerase-Kettenreaktion), die die RNA des Virus aus einem Rachenabstrich und damit die akute Infektion direkt nachweisen, zielen Antikörpertests darauf ab, die Immunantwort des Wirts zu bestimmen. Umfangreich eingesetzt, können sie die Dunkelziffer bereits erfolgter Infektionen aufdecken. "Wir müssen flächendeckend Antikörpertests einführen, um zu lernen, wer tatsächlich immun ist", bestätigt Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena und Vorstandsmitglied im Forschungscampus InfectoGnostics, in dessen Rahmen der Schnelltest entwickelt wurde. "Um die Herdenimmunität zu nutzen, müssen wir diese auch messen. Dazu brauchen wir die Schnelltests." Mit den serologischen Untersuchungen auf Antikörper ließe sich präziser abschätzen, welcher Prozentsatz infizierter Menschen keine oder nur leichte Symptome entwickelt hat — und somit erfahren, an welchem Punkt der Infektionswelle wir stehen und wann sich die sogenannte Herdenimmunität einstellen könnte. Eine Herdenimmunität könnten theoretisch auch kleiner gefasste Gemeinschaften erreichen, erläutert Ralf Ehricht, etwa Kliniken oder Altenheime.

Einen großen Vorteil würden Antikörpertests für Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte bedeuten, denn sie könnten ihr Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus besser einschätzen. Wer COVID-19 erfolgreich überstanden und Antikörper ausgebildet hat, könnte Erkrankte pflegen, ohne selbst ansteckend oder gefährdet zu sein. Auch für Angehörige anderer Berufsgruppen mit viel Kontakt zu Menschen — etwa an der Kasse, im öffentlichen Nahverkehr oder bei der Polizei — wäre das Wissen um eine Immunität sehr hilfreich. Ob die Antikörper eine dauerhafte Immunität anzeigen oder diese nur vorübergehend ist, wissen Forschende derzeit noch nicht.

Schnelle Lösung dank enger Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft

Zehntausende der Antikörper-Schnelltests hat die Weimarer Diagnostik-Firma Senova bereits für die Auslieferung an den nordrhein-westfälischen Vertriebspartner produziert. Innerhalb von drei Monaten hat das Thüringer Team aus Forschern und Entwicklern mit einer chinesischen Firma sowie dem Medizinproduktehändler Servoprax aus Wesel nun unter Hochdruck die Tests fertiggestellt und ihre Wirksamkeit bestätigt. "So schnell zu einem verfügbaren Produkt zu kommen, ist nur möglich, wenn Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medizin Hand in Hand zusammenarbeiten, wie wir es am Standort Jena tun", unterstreicht Ralf Ehricht.

Quelle: Leibniz-Institut für Photonische Technologien e. V.


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

HPV-Impfung schützt vor Krebs

HPV-Impfung schützt vor Krebs
© pixelaway - stock.adobe.com

Krebsprävention ist eine zentrale Strategie im Kampf gegen Krebs. Zur Prävention zählen auch Impfungen, mit denen vielen Krebserkrankungen gezielt vorgebeugt werden kann. Beispiel: Humane Papillomviren (HPV), deren Hochrisiko-Typen für Gebärmutterhalskrebs und andere Krebserkrankungen verantwortlich sind. Doch es gibt eine wirksame und gut verträgliche Impfung, die vor der Infektion mit HPV schützt und der Entwicklung von Krebs vorbeugt. Wer sollte sich...

Bewegungstherapie bei Krebs

Bewegungstherapie bei Krebs
© Fotolia / Kzenon

Körperliche Aktivität kann helfen, das Risiko an Krebs zu erkranken, zu minimieren. Ein regelmäßiges Bewegungstraining trägt aber auch dazu bei, die Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung sowie der Therapie besser zu überstehen. Neue Studien zeigen, wie bedeutsam regelmäßige Bewegung für das körperliche und seelische Wohlbefinden, nicht nur von Krebspatienten, ist. Was passiert jedoch in unserem Körper, wenn wir Sport treiben, und warum...

Eine Welt ohne Krebs schaffen

Eine Welt ohne Krebs schaffen
© transurfer - stock.adobe.com

Am 4. Februar fand zum 20. Mal der Welt-Krebstag statt. Das Motto der Union for International Cancer Control /UICC) ist “Create a future without cancer. The time to act is now.”: Eine Welt ohne Krebs schaffen – jetzt handeln. An diesem Tag stehen Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen im Mittelpunkt. Der Berufsverband der Frauenärzte greift das Motto auf und informiert über hochwirksame Strategien, die jede Frau persönlich im Rahmen von...

Personalisierte Medizin in der Onkologie: Behandlung bestmöglich auf den Patienten zuschneiden

Medikamente möglichst maßgeschneidert auf die spezifischen Merkmale einer Krankheit zuzuschneiden und diese gezielt bei jenen Patienten einzusetzen, denen sie am besten helfen, lautet das Credo der Personalisierten Medizin. Dank vertiefter Kenntnisse über die molekularbiologischen Ursachen von Krankheiten gibt es heute bereits eine Reihe von innovativen diagnostischen Tests, durch die Patienten identifiziert werden können, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine...

Neue Perspektiven für Frauen mit Eierstockkrebs

In der medikamentösen Behandlung von Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs wurde erstmals nach fast 15 Jahren ein Fortschritt erzielt: Das neue Medikament, ein sogenannter Angiogenesehemmer, greift den Tumor gezielt an und verzögert damit das Fortschreiten der Krebserkrankung. Für die betroffenen Frauen ist dies ein großer Vorteil: Die Therapie ermöglicht ihnen mehr Zeit, die sie – trotz der schweren Erkrankung – weitestgehend beschwerdefrei...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Antikörpertest auf Coronavirus zeigt innerhalb von 10 Minuten Infektion oder Immunität"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden