Montag, 17. Juni 2019
Navigation öffnen

Medizin

12. Februar 2018 Motivation zur Krebsvorsorge durch Angst beeinflusst

Forscher des Leibniz-Instituts für Wissensmedien haben herausgefunden: Die Angst vor Krebs beeinflusst, ob Menschen nach der Internet-Suche von medizinischer Information eher zur Vorsorgeuntersuchung gehen oder nicht. Menschen, die online Informationen zur Krebsvorsorge suchen, planen danach häufiger zu dieser zu gehen – aber nur dann, wenn sie auch Angst vor Krebs haben.
Anzeige:
Fachinformation
Auch wenn die moderne Medizin viele Fortschritte in der Krebsbekämpfung gemacht hat, ist die Angst vor Krebserkrankungen weit verbreitet. Dennoch ist die Teilnahme an der Krebsvorsorgeuntersuchung noch keine Selbstverständlichkeit. Nur knapp jede/r Fünfte über 55 Jahren hat beispielsweise bereits eine Darmspiegelung vornehmen lassen, obwohl sie für diese Altersgruppe zur Krebsvorsorge empfohlen wird. Was beeinflusst, ob Menschen diese Vorsorge durchführen lassen?

Bei der Entscheidung für oder gegen die Vorsorge wird häufig das Internet zu Rate gezogen. Psychologen des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen um Prof. Dr. Kai Sassenberg haben herausgefunden, dass diese Internetnutzung die Entscheidung für oder gegen die Vorsorge beeinflusst. Dabei ist überraschend: Je mehr jemand Angst vor Krebs hat, desto motivierter ist er/sie nach der Internetrecherche zum Thema Darmkrebs auch die Vorsorge (d.h. Darmspiegelung) durchführen zu lassen.

Der Psychologe Prof. Dr. Kai Sassenberg erklärt: „Unsere Forschung zeigt, dass Patienten bei der Informationssuche im Internet mehr positive Links auswählen und sich häufiger an positive Informationen aus den gelesenen Texten erinnern, um Gefühle wie Angst oder Bedrohung zu reduzieren.“ Den Grund vermuten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darin, dass Angst zu einer einseitigen Auswahl und Verarbeitung von Informationen führt. Das bedeutet, viele Menschen konzentrieren sich bei der Internetrecherche zu einem angstbesetzen Thema unbewusst auf die positiven Informationen (z.B. Chancen) und blenden die negativen Informationen (z.B. Risiken) aus.

Menschen mit höherer Angst kompensieren also womöglich: Sie suchen im Internet positivere Informationen und formen sich somit auch einen besseren Eindruck von Krebsvorsorgemaßnahmen. Entsprechend sind sie motivierter, die Vorsorge durchführen zu lassen. Die Internetnutzung kann also helfen, die Angst vor Krebs und vor der Vorsorge zu reduzieren. Diese Effekte traten unabhängig von tatsächlichen medizinischen Risikofaktoren auf, sie sind also psychologischer Natur – das heißt sie betreffen die persönliche Wahrnehmung der Patienten. Gleichzeitig zeigte sich aber auch: Menschen mit wenig Angst vor Krebs entscheiden sich nach intensiver Internetrecherche eher gegen eine Darmspiegelung. Diese Personen geben vermutlich unangenehmen Aspekten der Darmspiegelung (z.B. Risiken, über die sie im Internet Informationen finden) größeres Gewicht.

Diese Befunde wurden in einer Studie mit zwei Befragungen im Abstand von 6 Monaten gewonnen. Die Teilnehmenden waren zwischen 45 und 55 Jahre alt und gehörten somit einer Altersgruppe an, die sich laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Krebsvorsorge auseinandersetzen sollte. Bei Personen mit viel Angst und starker Internetnutzung zum ersten Erhebungszeitpunkt war die Intention zur Krebsvorsorge 6 Monate später besonders stark ausgeprägt; bei Personen mit wenig Angst und starker Internetnutzung war die Vorsorgeintention besonders schwach ausgeprägt.

Fazit: Die Internetnutzung kann also dabei helfen, Menschen zur Vorsorge zu motivieren und auch in anderen Fällen einen Arzt aufzusuchen. Dies gilt aber vor allem für Menschen, die Angst vor einer Krankheit haben. Bei Menschen, die ohnehin wenig Angst vor Krebs (oder einer anderen Krankheit) haben, hält die Internetnutzung eher von der Vorsorge und dem Arztbesuch ab.

Quelle: Leibniz-Institut für Wissensmedien

Literatur:

Daniela Becker, Johannes Grapendorf,  Hannah Greving et al.
Perceived Threat and Internet Use Predict Intentions to Get Bowel Cancer Screening (Colonoscopy): Longitudinal Questionnaire Study
J Med Internet Res 2018;20(2):e46
http://dx.doi.org/10.2196/jmir.9144


Das könnte Sie auch interessieren

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt
© Darren Baker / Fotolia.com

Naturheilmittel oder neuer Trend der Bio-Welle? 94 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Biopharmazeutika nichts anfangen (1). Oftmals werden hinter dem Begriff Naturheilmittel vermutet. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die biotechnisch hergestellt oder aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen werden und mit dem Ziel der Bekämpfung einer Krankheit in die Vorgänge des Körpers eingreifen. Insulin ist ein bekanntes Beispiel. Wem das erklärt...

Bis zu 40 Prozent mehr Leberkarzinome entdecken – dank Ultraschallverfahren mit kombinierten Bluttests

Bis zu 40 Prozent mehr Leberkarzinome entdecken – dank Ultraschallverfahren mit kombinierten Bluttests
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

In Deutschland erkranken jährlich circa 9000 Menschen an Leberkrebs – und die Häufigkeit der Erkrankung nimmt deutlich zu. In den vergangenen 35 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen verdoppelt. Ein gängiges Verfahren zur Diagnose dieser Erkrankung ist die Ultraschalluntersuchung: Mithilfe der modernen Sonografie lässt sich gutartiges Gewebe sehr exakt von bösartigem unterscheiden. Wenn die Ultraschalldiagnostik mit speziellen Bluttests kombiniert wird,...

Armutsfalle Krebs: Sozialberatung muss verbessert werden

Armutsfalle Krebs: Sozialberatung muss verbessert werden
© WavebreakmediaMicro / Fotolia.com

Am 8. März ist Weltfrauentag. Seit mehr als 100 Jahren prangern Frauen in aller Welt an diesem Tag Missstände an und streiten für ihre Rechte. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs, kurz FSH, und die Stiftung Deutsche Krebshilfe verleihen an diesem Tag den Frauen, die an Krebs erkrankt sind, eine Stimme. Denn immer noch gibt es in der Versorgung der Betroffenen Defizite. So wird eine Tumorerkrankung nach wie vor häufig zur Armutsfalle.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Motivation zur Krebsvorsorge durch Angst beeinflusst"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren