Montag, 10. August 2020
Navigation öffnen

Medizin

07. November 2018 Aktuelle Themen und Entwicklungen im Bereich der Onkologie

Zum Auftakt des diesjährigen DGHO hat Amgen im Rahmen eines Pressegesprächs über aktuelle Themen und Entwicklungen im Bereich der Biosimilars und der BiTE®-Technologie informiert. Außerdem wurde eine neue mobile Applikation vorgestellt, die das Therapiemanagement von Patienten mit Multiplem Myelom erleichtert.
Anzeige:
Biosimilars ermöglichen mehr Patienten einen Zugang zu qualitativ hochwertigen, innovativen Therapien mit nachgewiesener Verträglichkeit und Wirksamkeit und tragen zu einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung bei. Mit KANJINTI® ist bereits das erste Trastuzumab-Biosimilar von Amgen auf dem Markt, weitere Biosimilars sind zugelassen oder befinden sich in der Entwicklung.

Trastuzumab-Biosimilar KANJINTI: Nachgewiesene Similarität zum Referenzprodukt

KANJINTI wurde gemeinsam von Amgen und Allergan entwickelt und ist in den gleichen Indikationen wie das Referenzprodukt Herceptin® zugelassen. „Somit können Patienten mit HER2-positivem, metastasiertem Brustkrebs, HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium und HER2-positivem metastasierten Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs von diesem Biosimilar profitieren“, erläuterte Prof. Dr. Hans Tesch, Frankfurt am Main. Die strukturelle und funktionale Similarität zwischen KANJINTI und dem Referenzprodukt Herceptin wurde durch verschiedene Analysen bestätigt (1). Die klinische Äquivalenz im neoadjuvanten und adjuvanten Setting bezüglich Wirksamkeit, Verträglichkeit und Immunogenität wurde im Rahmen der randomisierten, multizentrischen, doppelblinden Phase-III-Äquivalenzstudie LILAC gezeigt (2). Einbezogen in diese Studie waren Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom im Frühstadium, bei denen eine chirurgische Resektion des Brusttumors mit Sentinel- oder axillärer Lymphknotendissektion und neoadjuvanter Chemotherapie geplant war.

LILAC-Studie: Äquivalenz im adjuvanten und neoadjuvanten Setting

In der neoadjuvanten Phase der LILAC-Studie erhielten nach vorausgegangener Run-in-Chemotherapie 725 Patientinnen randomisiert KANJINTI oder Herceptin in Kombination mit Paclitaxel über 4 Zyklen (2). Insgesamt 705 Patientinnen schlossen den operativen Eingriff ab und traten in die adjuvante Studienphase ein, wo sie KANJINTI oder Herceptin bis zu einem Jahr erhielten. Die Hälfte der für Herceptin randomisierten Patientinnen wurde in der adjuvanten Phase einmalig auf KANJINTI umgestellt (sog. „Switch“). 696 Patientinnen wurden in die lokale pCR-Bewertung (pathologisch komplette Remission; primärer Endpunkt) eingeschlossen. Definiert ist die pCR durch die Abwesenheit von invasiven Tumorzellen im Brustgewebe und den Axilla-Lymphknoten unabhängig von einem verbleibenden duktalen Karzinom in situ (DCIS). Im Rahmen der lokalen Bewertung erreichten 172 von 358 Patienten (48%) in der KANJINTI-Gruppe und 137 von 338 Patienten (41%) in der Vergleichsgruppe eine pCR. Eine pCR im zentralen unabhängigen Gutachten erreichten 162 von 339 Patienten (48%) der KANJINTI-Gruppe und 138 von 330 Patienten (42%) der Herceptin-Gruppe. „Die Auswertung der sekundären Endpunkte, Verträglichkeit und Immunogenität, zeigte, dass die Verträglichkeit sowohl in der neoadjuvanten als auch adjuvanten Phase in beiden Studienarmen vergleichbar war. Es wurden keine neutralisierenden Antikörper gefunden. Auch der Wechsel von Herceptin zu KANJINTI wirkte sich diesbezüglich nicht aus. Die Ergebnisse der LILAC-Studie ergänzen somit die Gesamtevidenz, die die Similarität von KANJINTI und Herceptin zeigt“, schlussfolgerte Tesch.

Blinatumomab: BiTE-Antikörperkonstrukt jetzt auch für Kinder ab einem Jahr zugelassen

Mit dem ersten bispezifischen, gegen CD19 und CD3 gerichteten T­-Zell­verstärkenden Antikörperkonstrukt (BiTE, Bi­specific T­cell Engager) BLINCYTO® (Blinatumomab) wurde ein wichtiger Fortschritt bei der Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom-negativer, rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer akuter lymphatischer Leukämie (ALL) erreicht. BiTE-Antikörperkonstrukte repräsentieren eine Art von Immuntherapie, die dem körpereigenen Immunsystem hilft, maligne Zellen zu detektieren und zielgerichtet anzugehen. Die modifizierten Antikörperkonstrukte wurden so entwickelt, dass sie an 2 unterschiedliche Zielstrukturen gleichzeitig binden und so T-Zellen und Krebszellen zusammenbringen. BiTE-Antikörperkonstrukte helfen dabei, die T-Zellen in Reichweite der Zielzellen zu bringen, damit sie Toxine injizieren und die Apoptose der Krebszellen auslösen. BiTE-Antikörperkonstrukte werden derzeit bei einer Vielzahl an Krebsarten untersucht (3,4). Dank einer aktuell von der Europäischen Kommission genehmigten Zulassungserweiterung können nun auch Kinder ab einem Jahr mit Philadelphia-Chromosom-negativer, CD19-positiver B-Zell-Vorläufer-ALL mit Blinatumomab behandelt werden, wenn die Erkrankung refraktär ist oder nach mind. 2 vorangegangenen Therapien rezidiviert ist oder sie nach einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation rezidiviert ist (5).

Die Zulassungserweiterung basiert auf den Ergebnissen einer einarmigen, multizentrischen, offenen Phase-I/II-Studie, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Blinatumomab bei pädiatrischen Patienten mit rezidivierter oder refraktärer B-Zell-Vorläufer ALL untersuchte. In dieser Studie erreichten 27 der 70 Patienten (39%) eine komplette Remission bzw. ein komplettes Ansprechen mit partieller hämatologischer Erholung innerhalb von 2 Behandlungszyklen. 14 der 27 Patienten (52%) erreichten eine komplette molekulare Remission (MRD-Negativität) (6).

TOWER-Studie: Unter Blinatumomab OS nahezu verdoppelt

Erst unlängst, am 18. Juni 2018, wurde die zuvor mit Auflagen verbundene Zulassung von Blinatumomab in eine uneingeschränkte Marktzulassung durch die Europäische Kommission konvertiert. Im Dezember 2017 wurde dem BiTE-Antikörperkonstrukt vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ein beträchtlicher Zusatznutzen zuerkannt (7). Zurückzuführen sind diese Entwicklungen laut Prof. Dr. Marion Subklewe, München, auf die Daten der TOWER-Studie. „Blinatumomab ist die erste Immuntherapie bei ALL, die im Vergleich zu einer Standard-of-care (SOC) Chemotherapie einen Vorteil beim Gesamtüberleben zeigen konnte. In der TOWER-Studie konnte das Überleben unter Blinatumomab nahezu verdoppelt werden“, hob Subklewe hervor. Das mediane Gesamtüberleben (OS) in dieser Studie betrug 7,7 Monate (95%-KI: 5,6-9,6) unter Blinatumomab gegenüber 4 Monaten (95%-KI: 2,9-5,3) unter SOC (HR=0,71; p=0,012). Bei Patienten, die in erster Salvage-Therapie behandelt wurden, betrug das mediane OS 11,1 Monate unter Blinatumomab vs. 5,3 Monate unter SOC (HR=0,6; 95%-KI: 0,39-0,91). In die Studie einbezogen waren 405 Patienten mit Philadelphia­-Chromosom-negativer, rezidivierter oder refraktärer B­-Vorläufer-ALL. Es handelte sich um eine schwierig zu therapierende Population mit Patienten in mehreren Rückfallstadien (8). Die TOWER-Studie ist die konfirmatorische Studie zu der Phase-II-Studie, auf der die beschleunigte Zulassung von Blinatumomab durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA im Jahr 2014 beruht.

Den Überblick behalten: Neue Experten-App zum Multiplen Myelom

Digitale Konzepte erleichtern den ärztlichen Arbeitsalltag und ermöglichen eine bessere Orientierung in einem sich stetig verändernden therapeutischen Umfeld. Im Bereich der Biosimilars unterstützt Amgen bereits eine medizinische App zur Wissensvermittlung auf onkowissen.de. Zum Kongress der DGHO wurde nun die neue, von Amgen unterstützte mobile Applikation „Onkowissen Multiples Myelom“ von Dr. Friedrich Overkamp, Hamburg, präsentiert. „Die App steht in den App Stores zum Download bereit und ist auch als Webversion auf www.onkowissen.de für Ärzte zugänglich und einfach zu bedienen. Komplexe Sachverhalte werden innovativ dargestellt, aktuelle Fortschritte der Therapie können mit mobilen Tools schneller verfügbar gemacht werden und so den Patienten frühzeitig zugutekommen“, erklärte Overkamp. Inhaltlich von einem unabhängigen, akademischen Expertengremium entwickelt und als langfristiges Projekt mit ständiger Aktualisierung konzipiert, vermittelt die App als Teil von onkowissen.de ein umfassendes und aktuelles Bild von Diagnostik, Klassifikation und Therapie des Multiplen Myeloms mit allen derzeit verfügbaren Substanzen, einschließlich deren Fachinformationen, sowie den Therapieoptionen der nahen Zukunft. Hämatologen sowie alle interessierten Ärzte können sich über alle Aspekte des Therapiemanagements wie z.B. Neben- und Wechselwirkungen, Einleitung einer Supportivtherapie, Adhärenz und Nachsorge informieren. Leitlinien und Empfehlungen der nationalen und internationalen Fachgesellschaften sind berücksichtigt und verlinkt.

Quelle: Amgen

Literatur:

(1) Fachinformation KANJINTI®, Stand Juli 2018, https://fachkreise.amgen.de/x_download.php?t=f&n=1&id=1120
(2) von Minckwitz G et al. Lancet 2018;19(7):987-998.
(3) Nagorsen D et al. Exp Cell Res 2011;317:1255-1260.
(4) Baeuerle PA et al. Curr Opin Mol Ther 2009;11:22-30.
(5) Fachinformation BLINCYTO®, Stand August 2018, https://fachkreise.amgen.de/x_download.php?t=f&n=1&id=527
(6) von Stackelberg et al. J Clin Oncol 2016;34:4381-4389.
(7) https://www.g-ba.de/downloads/39-261-3159/2017-12-07_AM-RL-XII_Blinatumomab_D-289.pdf, Zugriff am 27.06.2018, https://www.g-ba.de/downloads/40-268-4699/2017-12-07_AM-RL-XII_Blinatumomab_D-289_TrG.pdf, Zugriff am 27.06.2018
(8) Kantarjian H et al. N Engl J Med 2017;376(9):836-847. doi: 10.1056/NEJMoa1609783


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Wir sehnen uns nach Sonne – unsere Haut nach Schutz

Wir sehnen uns nach Sonne – unsere Haut nach Schutz
magdal3na / Fotolia.com

Endlich Frühling! Ob auf dem Balkon, beim Spaziergang oder Joggen „mit Abstand" – die Sehnsucht nach Sonne und frischer Luft war selten so groß wie in diesen Tagen. „Genießen Sie Ihre mit Bedacht gewählten Aufenthalte im Freien und tanken Sie Energie", sagt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Achten Sie jedoch auch auf Ihre Haut. Sie ist nach den Wintermonaten noch nicht an die UV-Strahlung der Sonne...

Was verstehen Ärzte unter „Therapielinien“?

Die Behandlung von Krebs richtet sich nach Art und Stadium der Erkrankung sowie dem individuellen Befinden des Patienten. Neben der Operation und der Strahlentherapie ist die medikamentöse Therapie eine wichtige Option. Wann welche Maßnahmen zum Einsatz kommen sollten, wird in ärztlichen Leitlinien festgehalten. Welche Medikamente zu welchem Zeitpunkt am wirksamsten und verträglichsten sind, wird zuvor in klinischen Studien untersucht. Basierend auf den Ergebnissen...

Sonnensünden kommen erst nach Jahrzehnten ans Tageslicht

Sonnensünden kommen erst nach Jahrzehnten ans Tageslicht
© NCT/UCC/Philip Benjamin

Die moderne Krebsmedizin hat bei der Behandlung von Tumorerkrankungen in den letzten Jahren beachtliche Erfolge erzielt. Das gilt insbesondere auch für Hautkrebs, der durch ein Übermaß an UV-Strahlung ausgelöst wird. Die Hautkrebszahlen steigen. Auch das Dresdner Hauttumorzentrum am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) verzeichnet kontinuierlich mehr Hautkrebspatienten – darunter viele Patienten mit fortgeschrittenen Hauttumoren. Bereits...

Neue Website für Patienten: Schöne Momente trotz Krebs

Neue Website für Patienten: Schöne Momente trotz Krebs
© Die-Schönen-Momente.de

Accuray Inc. präsentiert Die-Schoenen-Momente.de, eine neue Patientenwebsite zum Thema Krebs. Die-Schoenen-Momente.de ist eine umfassende Online-Anlaufstelle zu zahlreichen Themen, die Patienten und ihren Angehörigen wichtig sind: von den unterschiedlichen Krebstherapien über die richtige Ernährung bis hin zu Tipps für die Pflege persönlicher Beziehungen. So unterstützt die Website Patienten dabei, trotz Krebserkrankung eine hohe Lebensqualität zu...

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum


Etwa zwei Drittel aller Berufstätigen, die an Krebs erkrankt sind, kehren zurück in das Arbeitsleben. Für viele ist die Motivation hoch, denn wer arbeitet, erobert sich ein Stück Normalität zurück. Doch der Wiedereinstieg sollte behutsam erfolgen und an die individuelle Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten angepasst werden. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit bieten die Leistungen der beruflichen Rehabilitation ein breites Spektrum, um die...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Aktuelle Themen und Entwicklungen im Bereich der Onkologie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO20 Virtual
  • Immuntherapie mit Pembrolizumab setzt sich bei verschiedenen onkologischen Indikationen weiter durch
  • mSCLC: Patienten profitieren bereits in der Erstlinie von der Ergänzung der Chemotherapie mit Pembrolizumab
  • mRCC-Erstlinientherapie: Kombination Pembrolizumab + Axitinib toppt Sunitinib auch im Langzeitverlauf
  • mRCC: Pembrolizumab + Lenvatinib zeigen vielversprechende Anti-Tumoraktivität nach Versagen einer Checkpoint-Inhibition
  • KEYNOTE-054-Studie: Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verbessert beim Melanom auch im verlängerten Follow-up das RFS
  • MSI-H CRC: Pembrolizumab verdoppelt PFS im Vergleich zur Chemotherapie
  • Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Trend zu besserem Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei höherer PD-L1-Expression
  • r/r cHL: Pembrolizumab auf dem Weg zum Therapiestandard nach autoSCT sowie für Patienten, die keine autoSCT erhalten können
  • mCRPC: Pembrolizumab in Kombination mit Enzalutamid nach Enzalutamid-Resistenz wirksam und sicher
  • r/m HNSCC: Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab mono und in Kombination mit Platin-basierter Chemotherapie verlängert PFS2

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden