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Medizin

12. September 2019
Seite 1/7
Aktuelle Aspekte in der onkologischen Supportivtherapie und der adjuvanten Behandlung des Pankreaskarzinoms

Die Prophylaxe von febrilen Neutropenien (FN) mittels Granulozyten-koloniestimulierenden Faktoren (G-CSF) kann Leben retten und sollte selbstverständlicher Bestandteil myelosuppressiver Chemotherapien sein, forderte Prof. Hartmut Link, Kaiserslautern. Er stellte die Ergebnisse der zweiten deutschlandweiten Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie (AGSMO) und der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) der Deutschen Krebsgesellschaft zur G-CSF-Leitlinienadhärenz vor und bemängelte, dass die Leitlinien zur G-CSF-Prophylaxe noch nicht befriedigend angewendet würden.
Kontroverse Diskussion um komplementäre Misteltherapie

Große Hoffnungen für die adjuvante Therapie des Pankreaskarzinoms ruhten auf der auf dem Jahreskongress der ASCO (American Society of Clinical Oncology) 2019 präsentierten APACT-Studie, die nab-Paclitaxel + Gemcitabin mit einer Gemcitabin-Monotherapie verglich. Der Wahl des Studienendpunktes „durch einen unabhängigen radiologischen Review beurteiltes krankheitsfreies Überleben (DFS)“ sei es geschuldet, dass die Studie keine signifikante Verlängerung des DFS durch die Kombinationschemotherapie zeigen konnte, sagte Prof. Helmut Oettle, Friedrichshafen. Da jedoch die noch unreifen Interimsergebnisse zum Gesamtüberleben unter nab-Paclitaxel + Gemcitabin deutlich besser waren als unter Gemcitabin alleine, sollten für eine abschließende Beurteilung der Studie die finalen Ergebnisse zum Gesamtüberleben abgewartet werden. Ein aktuell wieder kontrovers diskutiertes Thema ist die komplementäre Misteltherapie. Eine begleitend zur konventionellen systemischen Tumortherapie durchgeführte Therapie mit einem Mistelextrakt kann jedoch Nebenwirkungen der Tumortherapie reduzieren und die Lebensqualität der Patienten steigern, erklärte Dr. Daniela Paepke, München. Insbesondere für die Verbesserung der Lebensqualität bestehe eine gute Evidenz. Für 2020 wird eine neue Cochrane Analyse zur Misteltherapie erwartet.

G-CSF-Prophylaxe bei Chemotherapie sichert Einhaltung der Dosisintensität

Die korrekte und evidenzbasierte Dosisintensität einer Chemotherapie ist Voraussetzung für das Erreichen des Therapieziels. Dosisreduktionen oder Intervallverlängerungen zwischen den einzelnen Chemotherapiezyklen reduzieren die erforderliche Dosisintensität und gefährden so das Therapieziel. „Bei verminderter Dosisintensität der adjuvanten CMF-Chemotherapie beim Mammakarzinom um mehr als 15% war in einer Studie das Überleben der Patientinnen signifikant schlechter und vergleichbar mit den mit Placebo behandelten Patientinnen“, berichtete Link. Vergleichbare Ergebnisse wurden auch für andere maligne Erkrankungen wie z.B. aggressive Non-Hodgkin-Lymphome publiziert, so Link weiter.
Eine Neutropenie kann aber nicht nur zu einer verminderten relativen Dosisintensität der Chemotherapie führen, sondern auch zu febrilen Neutropenien und damit verbundenen lebensbedrohlichen Infektionen. „Neutropenien können damit nicht nur zu einer reduzierten Lebensqualität und – aufgrund medikamentöser Interventionen und Hospitalisierungen – zu steigenden Kosten führen, sondern auch zu reduzierten Überlebensraten“, fasste Link zusammen.
 
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