Donnerstag, 22. August 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

02. Dezember 2018 Schwere aplastische Anämie: Ansprechen auf Eltrombopag mit längerem Überleben korreliert – Ergebnisse einer retrospektiven Analyse

Der Thrombopoetinrezeptor-Agonist Eltrombopag (Revolade®) ist seit 2015 zugelassen zu Behandlung erwachsener Patienten mit erworbener schwerer aplastischer Anämie (SAA), die gegenüber einer vorangegangenen Therapie mit Immunsuppressiva (IS) refraktär oder stark vorbehandelt und für eine hämatopoetische Stammzelltransplantation nicht geeignet sind. In den USA ist Eltrombopag seit Kurzem auch in Kombination mit einer Standard-Immunsuppressionstherapie in der Erstlinienbehandlung der SAA zugelassen, in der EU ist die Zulassung für die Erstlinie beantragt. Aktuelle retrospektive Daten von europäischen Zentren, die beim ASH-Meeting als Poster vorgestellt wurden, bestätigen das längere Überleben von SAA-Patienten, die auf Eltrombopag ansprechen.
 
Die schwere aplastische (SAA) Anämie ist eine seltene, lebensbedrohliche, erworbene Blutkrankheit, bei der das Knochenmark eines Patienten nicht genügend Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten produziert (1). Menschen, die mit dieser schweren Krankheit leben, leiden unter Symptomen und Komplikationen wie Müdigkeit, Atembeschwerden, wiederkehrenden Infektionen und abnormalen Blutergüssen oder Blutungen, die die Lebensqualität und ihre täglichen Aktivitäten deutlich einschränken können.
 
Dr. Beatrice Drexler, Basel, Schweiz, und Kollegen stellten beim ASH-Meeting die retrospektiven Daten von 137 Patienten mit SAA vor, die zwischen November 2011 und Oktober 2017 in 31 Zentren der European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) behandelt wurden waren. Der Datensatz wurde durch Daten des französischen Referenzzentrums für aplastische Anämie ergänzt, sodass die Daten von insgesamt 183 Patienten ausgewertet werden konnten, die mind. 30 Tage lang Eltrombopag erhalten hatten und bei denen die Follow-up-Zeit mind. 2 Monate betrug (2). Es wurde analysiert, wie viele der Patienten eine komplette Remission (CR; Hämoglobin > 100 g/l, Neutrophilenzahl >1,5 x106/ml und Thrombozytenzahl >100 x106/ml), eine partielle Remission bzw. Transfusionsfreiheit (PR) oder ein minimales Ansprechen erreichten, welches nicht die Kriterien der PR erfüllte. 16,7% der Patienten hatten das Medikament in der Erstlinie, 68,9% als Rescue-Medikation nach unzureichendem Ansprechen auf vorhergehende Therapie und 14,4% nach einem Progress erhalten, wobei Eltrombopag entweder als Monotherapie (32,8%) oder in Kombination mit Immunsuppressiva verabreicht wurde.

Die Gesamtansprechrate (ORR) nach einer medianen Follow-up-Zeit von 15,3 Monaten betrug 62% mit 17,9% CR; 26,8% PR und 17,3% minimalem Ansprechen. Das beste Ansprechen unter den Respondern wurde im Median nach 224 Tagen erreicht. Die Ansprechrate unterschied sich nicht, ganz gleich welche Kombinationsbehandlungen (p=0,774) oder Behandlungslinien (p=0,33) gewählt wurden.
 
86,5% der Patienten waren beim letzten Follow-up noch am Leben, von denen 50% die Behandlung mit Eltrombopag fortführten, meist in einer maximalen Dosierung von 150 mg/Tag. Das mediane Gesamtüberleben (OS) war noch nicht erreicht. 26 Patienten waren während der Follow-up-Zeit verstorben, wobei berücksichtigt werden muss, dass 7 Patienten in der Zwischenzeit eine allogene Stammzelltransplantation erhalten hatten, die mit 6 Todesfällen in Verbindung gebracht wurde.
 
In univariaten statistischen Modellen konnte eine Assoziation zwischen dem Alter der Patienten sowie der Schwere der Erkrankung vor Therapiebeginn und dem Ansprechen gefunden werden. Zudem zeigte sich eine Korrelation zwischen dem Ansprechen auf Eltrombopag und einem verminderten Sterberisiko.
 
Die Autoren schließen aus den aktuellen Daten, dass der Einsatz von Eltrombopag zur Behandlung der SAA in europäischen Zentren weit verbreitet ist, wobei der Thrombopoetinrezeptor-Agonist meist in der rezidivierten/refraktären Situation und – anders als in klinischen Studien – meist in Kombination mit Immunsuppressiva eingesetzt wird. Zudem weisen die Daten der retrospektiven Analyse darauf hin, dass bei Patienten, die auf Eltrombopag ansprechen, meist ein gutes Überleben zu beobachten ist.

cs

Quelle: ASH 2018

Literatur:

1. National Heart, Lung and Blood Institute (2018). Aplastic Anemia. Online abrufbar unter unter: https://www.nhlbi.nih.gov/node/80148. Letzter Aufruf: 26.11.2018)
2. Drexler B et al. Eltrombopag for the Treatment of Aplastic Anemia in Europe. Poster im Rahmen der 60. Jahrestagung der American Society of Clinical Hematology (ASH) 2018, 1. Dezember 2018; Abstract 1304


Das könnte Sie auch interessieren

Kinderwunsch und Krebs

Kinderwunsch und Krebs
© Photographee.eu / fotolia.com

Möchte ich eine Familie gründen oder noch weitere Kinder haben? Mit dieser Frage müssen sich junge Krebspatientinnen und -patienten vor einer Krebstherapie – also unmittelbar nach der Diagnose – auseinandersetzen. Denn die Behandlung, die ihnen hilft, den Krebs zu besiegen, beeinträchtigt häufig gleichzeitig die Fruchtbarkeit. Auch wenn die Zeit drängt, ist es wichtig, sich vor Behandlungsbeginn mit diesem wichtigen Thema zu befassen.

Experte klärt in Videos laienverständlich über AML auf

Experte klärt in Videos laienverständlich über AML auf
© littlebelli / Fotolia.com

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist eine sehr komplexe und aggressive Erkrankung, häufig mit einer ungünstigen Prognose. Oft bleiben nach dem ersten Schock für die Patienten viele Fragen im Arzt-Patientengespräch ungestellt oder die Betroffenen können nicht alle Informationen aufnehmen und verarbeiten. Auf der Patientenwebsite www.krebsratgeber.de von Janssen können Betroffene gezielt Antworten rund um das Thema AML in expertengeprüften...

Gebärmutterhalskrebs verhindern

Gebärmutterhalskrebs verhindern
© farland9 / Fotolia.com

Gebärmutterhalskrebs kann durch eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) ausgelöst werden. Papillomviren sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren, mit denen sich rund 80 Prozent der Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens infizieren. In der Regel erkennt das Immunsystem die Infektion, so dass diese meistens innerhalb von zirka 24 Monaten unbemerkt ausheilt. Ein Interview mit Prof. Dr. med. Gerd-Henrik Griesser, Facharzt für Pathologie in Köln,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Schwere aplastische Anämie: Ansprechen auf Eltrombopag mit längerem Überleben korreliert – Ergebnisse einer retrospektiven Analyse"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren