Montag, 17. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

13. Dezember 2017 CML: Nach Erstlinien-Nilotinib und Therapiestopp tendenziell länger in Remission als nach Imatinib

Unter einer Behandlung mit dem Zweitgenerations-Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Nilotinib erreichen mehr Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (CML-CP) schneller eine tiefe molekulare Remission und qualifizieren sich dadurch für den Versuch eines Therapieabbruchs. Ob dabei nach Nilotinib auch die Chancen auf eine therapiefreie Remission höher sind, ist mangels direkter Vergleichsstudien unklar. Hinweis auf eine mögliche Überlegenheit von Nilotinib gibt eine statistisch ausgeklügelte vergleichende Analyse der beiden Studien EURO-SKI und ENESTfreedom, die bei der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Atlanta präsentiert wurde (1).
Um den statistisch problematischen Vergleich zweier verschiedener Studien so präzise wie möglich zu gestalten, wurden geeignete Patienten in einem zweistufigen Verfahren ausgewählt: Aus der EURO-SKI-Studie wurden nur Patienten akzeptiert, die nichts außer Imatinib erhalten und damit zum Zeitpunkt des Therapiestopps eine MR4,5 (d.h. BCR-ABL-Titer von ≤ 0,0032%) erreicht hatten. Anschließend wurden in einem Propensity-Score Matching-Modell Paare von Patienten aus beiden Studien ausgewählt, die hinsichtlich Dauer der TKI-Behandlung, Alter und Geschlecht vergleichbar waren. Außerdem musste von diesen Patienten der Status bezüglich des Überlebens ohne ein molekulares Rezidiv (d.h. mit wenigstens einer guten molekularen Remission – MMR, d.h. BCR-ABL ≤ 0,1%) nach etwa 12 Monaten bekannt sein.

Auf diese Weise konnten 75 Paare von Patienten ermittelt werden, die sich lediglich hinsichtlich des TKI unterschieden, mit dem die tiefe molekulare Remission erreicht worden war: Imatinib in EURO-SKI und Nilotinib in ENESTfreedom. Für sie ergaben sich molekular rezidivfreie Überlebensraten nach 12 Monaten von 51% für die Patienten aus der ENESTfreeedom- und von 41% aus der EURO-SKI-Studie. Diese numerisch höhere Rate war mit einer Hazard Ratio von 1,50 (95%-Konfidenzintervall 0,76-2,95) allerdings statistisch nicht signifikant (p=0,24).

Das Propensity Score Matching reduziert ein mögliches Ungleichgewicht zwischen den zu vergleichenden Patientenkohorten, kann dieses aber nicht vollständig eliminieren. Die Ergebnisse sind daher mit Vorsicht zu interpretieren, und man kann lediglich von einer numerisch höheren Rate an therapiefreien Remissionen nach einer Erstlinientherapie mit Nilotinib sprechen. Zusammen mit den Resultaten der ENESTnd-Studie legen die Daten aber nahe, dass zum einen eine Erstlinientherapie mit Nilotinib bei mehr Patienten die Voraussetzungen für einen Therapiestopp schafft und dass zum anderen möglicherweise mehr Patienten nach Nilotinib erfolgreich darin sind, eine therapiefreie Remission langfristig zu halten.

Josef Gulden

Quelle: 59. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH 2017)

Literatur:

(1) Molecular Recurrence-Free Survival (MRecFS) Following Imatinib vs Nilotinib in Patients with Chronic Myeloid Leukemia in Chronic Phase (CML-CP): Matched Analysis of Patients in EURO-SKI and ENESTfreedom. Presented at ASH 2017, #1601.


Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Männer sind Vorsorgemuffel bei Krebsfrüherkennung

Männer sind Vorsorgemuffel bei Krebsfrüherkennung
© deagreez / Fotolia.com

In Deutschland geht nur gut jeder neunte Mann zur Prostatakrebsvorsorge. 4,65 Millionen und zwar 11,7 Prozent aller anspruchsberechtigten Bürger nahmen im Jahr 2014 die kostenlose Früherkennungsuntersuchung wahr, wie die BARMER GEK zum Weltmännertag am 3. November mitteilt. Damit bleiben Männer Präventionsmuffel. Denn im Jahr 2010 absolvierten 11,41 Prozent den Check. „Eine Krebsvorsorgeuntersuchung kann Leben retten. Je früher Krebs erkannt wird, desto...

Zielgerichtete Brustkrebstherapie ist erfolgreich

Brustkrebs kann jede Frau treffen. Eine von acht Frauen wird im Laufe ihres Lebens mit der Diagnose konfrontiert - allein in Deutschland sind das 72.000 Frauen im Jahr. Doch dank innovativer Forschung und Entwicklung wurden gerade in der Behandlung von Brustkrebs in den vergangenen Jahren große Fortschritte erreicht. Heute sind zielgerichtete Medikamente verfügbar, die die Überlebensaussichten von Frauen mit Brustkrebs entscheidend verbessern.

Heller Hautkrebs: Signalweg entschlüsselt

Beim Hautkrebs gibt es verschiedene Krankheitsformen: Mit Abstand am häufigsten ist dabei das so genannte Basalzellkarzinom, eine Form von hellem Hautkrebs, bei der sich der Tumor von seinem Entstehungsort in der Haut langsam aber stetig ausbreitet. Zwar bildet das Basalzellkarzinom im Allgemeinen keine Tochtergeschwülste (Metastasen), der Tumor sollte jedoch so früh wie möglich behandelt werden, da er ansonsten das umgebende Gewebe zerstören und sogar Muskeln...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"CML: Nach Erstlinien-Nilotinib und Therapiestopp tendenziell länger in Remission als nach Imatinib"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren