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Medizin

12. Juni 2019 ALL: CAR-T-Zell-Therapie bei rezidivierten Patienten

Maßgeschneiderte Immuntherapien bieten Onkologen eine vielversprechende neue Waffe im Kampf gegen den Krebs. Seit Anfang 2019 bietet die Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Ulm die Behandlung mit CAR-T-Zellen an. Für junge Erwachsene mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) sowie Erwachsene mit aggressiven Lymphomen steht damit eine neue Therapie zur Verfügung, die sich die körpereigene Abwehr zunutze macht, um die Krebszellen zu zerstören. Kürzlich wurde die erste CAR-T Zelltherapie bei einem Patienten mit aggressivem Lymphom durchgeführt.
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Einsatzmöglichkeiten

Mit den CAR-T-Zellen steht ein vielversprechender neuer Ansatz – vorerst zur Behandlung einiger seltener Leukämien und Lymphomen – zur Verfügung. Denn die CAR-T-Zellen sind darauf programmiert worden, bösartige Zellen abzutöten. Seit kurzem können in der Klinik für Innere Medizin III  am Universitätsklinikums Ulm mit diesem neuen Therapieansatz junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren behandelt werden, die an Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL) leiden, sowie Erwachsene mit diffus-großzelligem B-Zell-Lymphom, bei denen der Krebs auf die Standardbehandlung nicht anspricht oder zurückgekehrt ist.

Individualisierte Therapie

Von den 2 kommerziellen CAR-T-Zellprodukten, die im August 2018 in Europa auf den Markt gekommen sind, ist die Klinik bereits für die Behandlung mit einem der Produkte qualifiziert, die Einführung des zweiten verfügbaren Präparats wird noch für Juni erwartet. Dies ist ein wichtiger Schritt für eine individuellere und dadurch noch effektivere Krebstherapie am Universitätsklinikum. „Das Gebiet der zellulären und Antikörper-basierten Immuntherapien ist eines der dynamischsten Entwicklungsfelder in der Hämatologie und Onkologie“, sagen die beiden Experten und Ansprechpartner für das CAR-T-Zellprogramm, Oberarzt Prof. Dr. Andreas Viardot und Fachärztin Dr. Elisa Sala von der Klinik für Innere Medizin III.

Jede CAR-T-Zelltherapie wird für den jeweiligen Patienten individuell hergestellt. Aktuell ist die Therapie noch mit hohen Kosten für die Krankenkassen verbunden, kann nach einmaliger Gabe des Medikaments im Idealfall jedoch zu einem vollständigen Rückgang der Erkrankung führen. Die hohen Kosten erklären sich unter anderem auch aus dem mehrere Wochen dauernden Ablauf der CAR-T-Zelltherapie:

Herstellungsverfahren 

Zunächst werden aus dem Blut des Patienten mittels der Leukapherese Leukozyten gewonnen. Diese werden eingefroren und dann in ein spezielles Labor zur Herstellung des Medikaments geschickt. Im nächsten Schritt wird in die T-Zellen ein unschädliches Virus eingeschleust, dessen Erbsubstanz um ein spezielles Gen erweitert worden ist. Mithilfe dieses Gens produzieren die T-Zellen nun ein Eiweiß auf ihrer Oberfläche: den chimären Antigenrezeptor (CAR). Dieser Antigenrezeptor kann Krebszellen anhand eines Eiweißes (CD19) der Krebszellen erkennen, sich an sie binden und dann zerstören. Schließlich werden die gentechnisch veränderten CAR-T-Zellen dem Patienten zurückgegeben.

Nebenwirkungen nach Anfangsphase selten

„Nachdem die Patientinnen und Patienten die CAR-T-Zellen bekommen haben, können vor allem in den ersten 2 Wochen auch ernstere Nebenwirkungen durch die Freisetzung von Entzündungsstoffen auftreten. Nach dieser Anfangsphase sind Nebenwirkungen selten“, erklärt Viardot. „Erfahrenes medizinisches und pflegerisches Personal, eine engmaschige Beobachtung und – falls nötig – eine sofortige intensivmedizinische Betreuung sind deshalb immens wichtig.“ Am Ulmer Universitätsklinikum erhalten die Patienten die CAR-T-Zelltherapie daher in der Einheit für Blutstammzell- und Knochenmark-Transplantationen (cEBKT). Hier werden seit über 40 Jahren sowohl allogene Knochenmark- als auch periphere Blutstammzell-Transplantationen durchgeführt.
 
Die Mediziner hoffen, schon bald weitere CAR-T-Zelltherapien für andere Krebserkrankungen anbieten zu können. Entsprechende Studien laufen.

Quelle: Universitätsklinikum Ulm


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