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Medizin

20. November 2017 80 Jahre Engagement für Erforschung und Therapie von Blut- und Krebserkrankungen

Kaum eine medizinische Fachdisziplin wurde in den letzten Jahrzehnten von derart großen Fortschritten geprägt wie die Hämatologie und Medizinische Onkologie. Die Diagnostik und Therapie von Bluterkrankungen und bösartigen Tumoren hat sich erheblich verbessert. Durch die aktuellen Fortschritte im Bereich der medikamentösen Tumortherapie hat sich die Überlebenszeit von Patientinnen und Patienten mit Krebs deutlich verlängert, bei einigen Krebsarten entspricht die Lebenserwartung heute nahezu der der Normalbevölkerung. Mit dieser enormen Entwicklung im Rücken feierte die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. auf ihrer Jahrestagung in Stuttgart ihr 80-jähriges Bestehen.
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Gegründet wurde die DGHO am 16. Januar 1937 als "Deutsche Hämatologische Gesellschaft". Im Jahr 1977 wurde sie um die "Medizinische Onkologie" und damit um die medikamentöse Tumortherapie erweitert. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von medizinischen Therapiemöglichkeiten seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hat die DGHO die wissenschaftliche und klinische Erforschung und Therapie von bösartigen Bluterkrankungen und soliden Tumoren als zentrales Handlungsfeld ihres Fachgebietes definiert und von Anfang an bis heute wichtige Studien zu zahlreichen neuen Medikamenten für die Behandlung von Blutkrebserkrankungen und soliden Tumoren begleitet.

In kaum einem anderen medizinischen Fachgebiet ist die Anzahl der Zulassungen neuer Arzneimittel heute so hoch wie in der Hämatologie und Medizinischen Onkologie. "Aktuell ist es eine der Kernaufgaben unserer Fachgesellschaft, den Transfer der Innovationen aus der Grundlagenforschung in den Behandlungsalltag und damit die Qualität der Behandlung von hämatologischen und onkologischen Erkrankungen auf höchster Ebene sicherzustellen", so Prof. Dr. med. Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik für den Bereich Onkologie, Hämatologie und Knochenmarktransplantation mit Sektion Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Dazu wurde u.a. vor 10 Jahren das Leitlinien-Internetportal "Onkopedia" eingerichtet, das bis heute 125 Leitlinien umfasst und kontinuierlich aktualisiert wird. "So können sich unsere Mitglieder über die beste Therapie für ihre Patientinnen und Patienten informieren. Die Zugriffszahlen zeigen uns, dass Onkopedia im klinischen Alltag intensiv genutzt wird", so der Geschäftsführende Vorsitzende der DGHO weiter.

In der jüngsten Zeit hat sich die DGHO intensiv für die Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten – u.a. im Sinne einer optimalen medikamentösen Tumortherapie – eingesetzt. "Mit dem von der DGHO initiierten und aus den Mitteln des Innovationsfonds finanzierten "Registers für Versorgungsforschung in der Onkologie" wollen wir eine "späte Nutzenbewertung" etablieren, so dass wir genauere Aussagen beispielsweise zur Wirksamkeit bei verschiedenen Subgruppen, zu Nebenwirkungen und zur Sicherheit der jeweiligen medikamentösen Tumortherapie treffen können", erläutert Bokemeyer.

Darüber hinaus wird sich die DGHO als Expertengesellschaft für Medikamentöse Tumortherapie auch weiterhin ganz besonders für die Förderung von unabhängigen akademischen klinischen Studien einsetzen und sich gesundheitspolitisch engagieren – so zum Beispiel für die Implementierung von Maßnahmen zur Vermeidung von Liefer- und Versorgungsengpässen und damit für die Sicherstellung der Arzneimittelversorgung in Deutschland. Außerdem besteht angesichts der demografischen Entwicklung und der damit zu erwartenden Zunahme von Krebserkrankten die Notwendigkeit, mehr wissenschaftlichen und ärztlichen Nachwuchs für die Hämatologie und Medizinische Onkologie zu gewinnen, um auch in Zukunft die hohe Behandlungsqualität zu sichern.

Dass medizinische Erfolge immer auch zu neuen Herausforderungen führen, macht Bokemeyer am Beispiel von jungen Erwachsenen mit Krebs deutlich: "Die Heilungsraten in der Altersgruppe von 18 bis 39 Jahren liegen bei 80%. Gemeinsam mit den jungen Patientinnen und Patienten müssen wir uns ganz verschiedenen Herausforderungen stellen. Neben medizinischen Problemen wie beispielsweise möglichen Langzeitnebenwirkungen von Chemo- oder Strahlentherapie bedeutet die Krebsdiagnose häufig auch einen gravierenden Einschnitt in die gesamte Lebens- und Zukunftsplanung. Plötzlich sehen sie sich mit besonderen Problemlagen und Entscheidungen auch außerhalb der Krankheit konfrontiert: Kinderwunsch und Familienplanung, die mögliche Unterbrechung des Ausbildungsweges oder wirtschaftliche und soziale Notlagen." Mit der Gründung der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs im Jahr 2014 hat die DGHO einen wichtigen Schritt getan, um die jungen Patientinnen und Patienten besser zu unterstützen.

Zum 80-jährigen Bestehen der Fachgesellschaft hebt der Geschäftsführende Vorsitzende der DGHO aber auch hervor, dass alles Erreichte immer im historischen Kontext gesehen werden muss. So hat die DGHO im Jahr 2012 eine historische Forschungsstelle geschaffen und beschäftigt einen hauptamtlichen Historiker, um die eigene Vergangenheit und historische Verantwortung aufzuarbeiten. Dabei steht nicht die Fortschrittsgeschichte der klinischen Erkenntnis im Vordergrund, sondern die Geschichte der Fachgesellschaft selbst: Ihre Gründung während des Nationalsozialismus war mit der Hypothek belastet, dass jüdische Koryphäen von vornherein ausgeschlossen waren. Deren Schicksal wurde nach dem Krieg meist totgeschwiegen. Hinzu kam, dass durch die Teilung Deutschlands zwei getrennte Fachgesellschaften in Ost und West entstanden, die mit jeweils unterschiedlichen Strukturen und inhaltlichen Schwerpunkten erst seit 1990 wieder zusammenwuchsen. Diese wechselvolle Geschichte ist in bisher vier Publikationen der historischen Forschungsstelle der DGHO nachgezeichnet worden. Der erste Band dokumentiert eine Ausstellung über den jüdischen Hämatologen Hans Hirschfeld († 1944 in Theresienstadt). Der jüngste Band "Fundstücke aus dem DGHO-Archiv 1937-2017" enthält in Faksimile manch Kurioses aus der Zeit des Kalten Krieges.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie


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