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Medizin
17. Dezember 2020

15. Interdisziplinäres NEN-Symposium: Nuklearmedizinische Theragnostik im fachübergreifenden Diskurs

19 renommierte Referenten aus den Fachbereichen Onkologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, Nuklearmedizin, Chirurgie und Radiologie kamen Anfang Dezember zum 15. Interdisziplinären NEN-Symposium zusammen. Dabei wurden aktuelle Entwicklungen in der Behandlung neuroendokriner Neoplasien (NEN) vorgestellt und diskutiert. Im Fokus stand neben den aktuellen Leitlinienempfehlungen und einem interaktiven Tumorboard unter anderem auch die Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie bei gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren.
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Die 15. Ausgabe des jährlichen interdisziplinären NEN-Symposiums am 4. Dezember fand Corona-bedingt virtuell statt. Unter dem Motto „besser kenNEN und lerNEN“ waren zahlreiche hochkarätige Referenten eingeladen, die ihre Erfahrungen und Forschungsergebnisse rund um das Thema neuroendokrine Neoplasien (NEN) bzw. neuroendokrine Tumore (NET) vorstellten und aktuelle Entwicklungen diskutierten.

Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie in den NEN-Leitlinien

Im Rahmen des Symposiums gab Privatdozentin Dr. Anja Rinke, Marburg, eine Einführung zum Leitlinien-Update NEN. Je nach Tumor-Molekularbiologie kommen chirurgische Eingriffe, Chemotherapien, die Behandlung mit Somatostatin-Analoga (SSA) oder zielgerichtete molekulare Therapien infrage. In den vergangenen Jahren hat zudem vor allem die Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie (PRRT) an Bedeutung gewonnen. Vor diesem Hintergrund stellte die Diskussion um den Stellenwert der PRRT in der NET-Behandlung zwischen der endokrinologischen Expertin Professor Dr. Marianne Pavel, Erlangen, und dem Nuklearmediziner Prof. Dr. Samer Ezzidin, Homburg, ein besonderes Highlight der Veranstaltung dar. Während sich beide Referenten einig waren, dass die PRRT bei Dünndarm-NET (G1 und G2) den hohen Stellenwert der etablierten Zweitlinienbehandlung einnimmt, herrschte zu den pankreatischen NEN (pNET) eine geteilte Meinung. Hier empfahl Prof.Pavel die PRRT sehr differenziert einzusetzen, während Prof. Ezzidin die Chancen durch die PRRT hervorhob. Klarheit hierzu erhoffen sich beide durch tiefgehende prospektive Studien in den kommenden Jahren.

Interdisziplinarität bei NEN im Fokus

Aufgrund der unterschiedlichen Charakteristiken von NEN arbeiten Mediziner verschiedenster Fachgebiete in den entsprechenden Tumorboards besonders eng zusammen. Diese Vielfalt spiegelte sich auch beim Symposium wider. So referierten bei der Veranstaltung Spezialisten für Onkologie, Gastroenterologie, Chirurgie, Pathologie und Radiologie. Aus der Endokrinologie traten neben Prof.Dr. Pavel und PD Dr. Rinke auch Prof. Dr. Christoph Auernhammer, München, PD Dr. Christian Fottner, Mainz, und Prof. Dr. Jörg Bojunga, Frankfurt, auf. Letzterer hatte außerdem den Vorsitz der Veranstaltung inne. Neben Prof. Dr. Ezzidin vertraten Prof. Dr. Richard Baum, Wiesbaden-Frankfurt, und PD Dr. Vikas Prasad, Ulm, die Nuklearmedizin. Mit der Vorstandsvorsitzenden des Netzwerk NeT e. V. Irmgard Baßler war auch die Patientenseite vertreten.

Über 200 Zuschauer erleben interaktives Tumorboard

Key Lectures zu den Themen „Pankreatogene Hypoglykämie“, „Radiomolekulare Präzisionsmedizin“ sowie ein Vortrag zur onkologischen Rehabilitation und der Rolle der Selbsthilfe wurden durch eine Fallpräsentation und Expertendiskussion des Frankfurter Tumorboards abgerundet. Dieses lud die über 200 eingeloggten Zuschauer mittels Echtzeit-Umfragen ein, sich interaktiv an den Falldiskussionen zu beteiligen. Einen weiteren Themenblock bildete die PRRT und deren Kombinationsmöglichkeiten. Unter Moderation von Dr. Ulrich-Frank Pape, Hamburg, wurden mögliche zukünftige Behandlungsansätze angesprochen. So sei eine intraarterielle PRRT bei leberdominanten metastasierten NET, eine Dosiseskalation des Radiopharmazeutikums oder eine Modifikation mit anderen Peptiden oder Alphastrahlern wie 225Actinium in der Zukunft vorstellbar. Kleinere, meist prospektive Studien wiesen außerdem darauf hin, dass eine Kombination der PRRT mit epigenetischen Modulatoren, molekular-zielgerichteten Therapien oder chemotherapeutischen Behandlungen für bestimmte Patientengruppen Vorteile bieten könne.

Die Nuklearmedizin im Wandel

Durch die PRRT als Treiber hat sich das Fachgebiet der Nuklearmedizin in den vergangenen Jahren stark verändert. Der Fokus hat sich von der Diagnostik hin zu therapeutischen Ansätzen verschoben. „Die Diagnose steht vor jeder Therapie“, erklärt Prof. Dr. Peter Goretzki, Berlin, den nach wie vor hohen Stellenwert der präzisen Bildgebung. Prof. Dr. Baum fordert seine nuklearmedizinischen Fachkollegen jedoch auf, in Zukunft als „radiomolekulare Präzisionsonkologen“ zu denken.

NEN: Eine herausfordernde Indikation

NEN stellen eine heterogene, potenziell maligne Gruppierung von Tumoren dar, die von neuroendokrinen Zellen ausgehen und in allen Organen vorkommen können. Sie sind besonders häufig im Dünndarm oder der Bauchspeicheldrüse lokalisiert (gastroenteropankreatische NET, GEP-NET), können aber auch die Lunge betreffen oder Metastasen in anderen Organen, beispielsweise der Leber, ausbilden. Etwa die Hälfte der NEN bildet Hormone und wird daher als „funktionell“ bezeichnet. Dadurch können charakteristische Krankheitsbilder wie beispielsweise das Karzinoidsyndrom entstehen, das sich unter anderem durch Durchfallerkrankungen und anfallartige Hautrötungen (Flushes) äußert. Bei nicht funktionellen NEN treten erst spät Symptome des Tumorwachstums auf, weshalb sich die Diagnosestellung schwierig gestaltet.

Quelle: Advanced Accelerator Applications


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