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Medizin

13. Januar 2020 Prostatakarzinom: Anstieg der PSMA-Dichte auf Tumorzellen durch Enzalutamid-Gabe über Medikamentenwirkung hinaus

Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs haben oft kaum noch Behandlungsoptionen. Eine besteht darin, radioaktive Moleküle über eine Andockstelle der Tumoroberfläche, PSMA, in die Zelle einzuschleusen, um diese zu zerstören. Nuklearmediziner haben herausgefunden, dass viel mehr PSMA-Moleküle auf der Tumoroberfläche entstehen, wenn sie das schon wirkungslos gewordene Enzalutamid verabreichen. Auf diese Weise gelangt deutlich mehr Radioaktivität in die Tumorzellen als bisher.
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Das haben auch der Nuklearmediziner Prof. Dr. Samer Ezziddin und seine Mitarbeiter erfahren, als sie Hinweisen nachgingen, die sie aufgrund ihrer Spezialisierung in der Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakrebs gemacht haben. Im Mittelpunkt stehen dabei 2 Rezeptoren auf der Tumoroberfläche: Zum ersten das Prostataspezifische Membranantigen (PSMA). Über dieses Einfallstor gelingt es Nuklearmedizinern, radioaktiv strahlende Substanzen in die Tumorzelle einzuschmuggeln und so maligne Zellen von innen zu zerstören. Je mehr es davon gibt, desto mehr Radioaktivität können die Ärzte prinzipiell in die Zellen einbringen, ohne die Gesamtdosis zu erhöhen.

Zum zweiten spielt eine Sorte Rezeptoren auf dem Tumor eine Rolle, an die männliche Geschlechtshormone wie Testosteron andocken. „Prostatatumoren benötigen Testosteron wie ein Auto Benzin“, erklärt Ezziddin. Daher zielt eine bestimmte Therapie darauf ab, diese Rezeptoren zu blockieren und dem Krebs gleichsam den Treibstoff zu entziehen. „Das funktioniert mit Medikamenten wie zum Beispiel Enzalutamid eine Zeitlang sehr gut, der Tumor schrumpft dann in der Folge”, weiß Samer Ezziddin. „Nach einer gewissen Zeit – einige Monate, vielleicht 2 Jahre, wenn es gut läuft – wirkt das Medikament aber nicht mehr, der Tumor wächst dann wieder.“ Das teure Medikament wird dann meist abgesetzt. Wozu sollte man es auch weiter einsetzen, wenn es nicht mehr wirkt?

Hier kommt nun die Intuition der Homburger Mediziner ins Spiel. Denn was für die eine Therapie schlecht ist (ein wirkungsloses Medikament), kann für die andere Form der Therapie vielleicht gut sein: „Wir hatten den Verdacht und später eindeutige Hinweise, dass die PSMA-Dichte zunimmt, wenn der Androgenrezeptor auf der Tumoroberfläche, an den das Testosteron andockt, blockiert ist“, erläutert er die Ausgangslage. Ihr Bauchgefühl ließ die Nuklearmediziner aber anhand ihrer klinischen Beobachtungen noch stark vermuten, dass das auch funktioniert, wenn das Medikament, das den Rezeptor blockiert, den Tumor eigentlich nicht mehr erfolgreich bekämpfen konnte und abgesetzt wurde.

Die Intuition der Ärzte erwies sich als goldrichtig: „Wir konnten nachweisen, dass mit der Gabe von Enzalutamid die PSMA-Dichte auf der Tumoroberfläche deutlich zugenommen hat, selbst wenn es eigentlich gar keine Wirkung mehr in seinem ursprünglichen Sinn gezeigt hat und schon abgesetzt wurde“, erläutert Ezziddin. Zwar umfasste ihre Studie nur 10 Patienten. „Aber wir konnten nach der Gabe von Enzalutamid bei allen einen deutlichen Anstieg der PSMA-Moleküle auf den Tumorzellen feststellen“, sagt der Nuklearmediziner. „Auf diese Weise ist es uns möglich, viel mehr radioaktive Substanz in die Tumorzellen einzuschleusen und diese gezielt bis auf Mikrometerebene hinab zu von innen zu bestrahlen“, erklärt Ezziddin. Damit lassen sich Prostatatumoren künftig viel effizienter und schonender mit der PSMA-gerichteten Radioligandentherapie behandeln als dies bisher der Fall war.

„Diese Studienergebnisse müssen nun in größeren Studien weiter erforscht und untermauert werden“, erklärt Ezziddin das weitere Vorgehen in der Forschung. „Wir wollten unser Wissen jedoch so schnell wie möglich verbreiten, da es vielen Patienten helfen kann. Daher haben wir uns für diese short communication entschieden. Denn ich gehe davon aus, dass selbst diese kleine Studie zu einem drastischen Management change in der Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakrebses führen wird“, ist sich der Spezialist Ezziddin sicher.

Quelle: Universität des Saarlandes

Literatur:

Samer Ezziddin et al. New insights in the paradigm of upregulation of tumoral PSMA expression by androgen receptor blockade: Enzalutamide induces PSMA upregulation in castration-resistant prostate cancer even in patients having previously progressed on enzalutamide. European Journal of Nuclear Medicine and Molecular Imaging, https://doi.org/10.1007/s00259-019-04674-0


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