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Medizin

10. Dezember 2018 CAR-T-Zell-Therapie: „Eine Chance, gesund zu werden"

Vom 25.-26. Juni 2019 findet in Berlin das 5. Interdisziplinäre Symposium "Innovations in Oncology #VisionZero" statt. Veranstalter sind neben dem Netzwerk gegen Darmkrebs auch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg sowie die Charité Berlin. Im Vorfeld des diesjährigen Symposiums, das unter dem Motto "Die Neuvermessung der Onkologie" steht, hat kongresswissen.de ein Interview mit dem Haupt-Prüfarzt der ELIANA-Studie (1), Prof. Dr. Peter Bader, Frankfurt, zum Stand der CAR-T-Zell-Therapie mit Tisagenlecleucel geführt. Das Immuntherapeutikum Kymriah® ist sowohl zur Behandlung der B-ALL als auch des r/r DLBCL zugelassen.
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Herr Prof. Bader, was ist das besondere an einer CAR-T-Zell-Therapie?

BADER: Das Besondere an diesem immuntherapeutischen Ansatz besteht zum einen darin, dass es sich um eine individualisierte, patientenspezifische Behandlung handelt, da diese Therapie für jeden einzelnen Patienten eigens hergestellt wird. Zum anderen ist bemerkenswert, dass diese Therapie ganz spezifisch nur gegen Leukämiezellen gerichtet ist und sich als Nebenwirkung nicht, wie es beispielsweise bei der Chemotherapie der Fall ist, auch gegen andere Körperzellen richtet.
 
Interviews_Bader_CAR-T-Zellen


Was sind die Ergebnisse der Zulassungsstudie ELIANA und worauf ist bei der Behandlung besonders zu achten?

BADER: Erfreulich war, dass sich die initialen Therapieergebnisse bewahrheiteten, denn 80% aller Patienten, die mit konventionellen Chemotherapeutika nicht heilbar gewesen wären, haben auf die Therapie angesprochen. Beeindruckend war außerdem, dass die weltweite Durchführung der Studie trotz des unglaublichen logistischen Aufwands bestens umgesetzt werden konnte. Diese hoch effektive Behandlung ist allerdings kompliziert. Die Herstellung der CAR-T-Zellen ist komplex und nimmt einige Zeit in Anspruch, in der die Patienten zur Überbrückung weiterbehandelt werden müssen. Die anschließende Applikation ist sehr einfach und dauert nur wenige Minuten. Dann allerdings gilt es darauf vorbereitet zu sein, die zu erwartenden Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und sie entsprechend zu behandeln. Vor allem das Cytokine-release-Syndrom oder auch Enzephalopathien waren in der Zulassungsstudie leider nicht selten. Eine gute Schulung des gesamten Teams war notwendig, sodass auf Frühzeichen dieser Störungen kompetent reagiert werden konnte. So gelang es dann i.d.R. auch, diese schwerwiegenden Nebenwirkungen zu kontrollieren.

www.med4u.org/14287
www.med4u.org/14288

Kann man bereits von einer neuen Ära in der Hämatoonkologie sprechen?

BADER: Mit der CAR-T-Zell-Therapie ist zum ersten Mal eine ganz neue und eigene Qualität in die Behandlung von Leukämie-Patienten eingeführt worden. Es handelt sich um ein noch nie dagewesenes, äußerst effektives Therapieprinzip. Ich glaube, diese Therapieform wird ein Meilenstein in der Behandlung von ALL-Patienten sein und für viele Patienten, die derzeit nicht erfolgreich behandelt werden können, eine große Chance darstellen, gesund zu werden. Man könnte also von der beginnenden Ära der CAR-T-Zell-Therapie sprechen – den Stellenwert der Therapie wird aber die Zukunft zeigen.

www.med4u.org/14289

Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle: JOURNAL ONKOLOGIE

Literatur:

(1) Maude SL et al. N Eng J Med 2018;378:439-448.


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