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Medizin

19. November 2018 Phase-III-Daten zu Kombinationstherapien mit Atezolizumab beim SCLC, NSCLC und TNBC

Beim fortgeschrittenen Lungen- und triple-negativen Mammakarzinom (TNBC) geben kürzlich vorgestellte Phase-III-Daten zu Kombinationstherapien mit Atezolizumab (Tecentriq®▼) Anlass zur Hoffnung: Patienten mit fortgeschrittenem kleinzelligen (SCLC) und nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) profitieren durch ein signifikant verlängertes Gesamtüberleben (OS) und progressionsfreies Überleben (PFS), wenn sie firstline den PD-L1-Inhibitor Atezolizumab in Kombination mit Chemotherapie bzw. Bevacizumab (Avastin®) und Chemotherapie erhalten (1-3). Auch für das TNBC sind die Daten vielversprechend: Das PFS verlängerte sich in der Phase-III-Studie IMpassion130 in der Intention-To-Treat-(ITT-)Population sowie bei PD-L1 positiven Patienten signifikant. Eine erste Interimsanalyse zeigte darüber hinaus bei PD-L1 positiven Patienten einen starken Trend hinsichtlich eines OS-Vorteils von rund 10 Monaten (4). Die Ergebnisse sind die ersten positiven Daten für eine Krebsimmuntherapie beim TNBC und ein vielversprechender Ausblick auf die zukünftige Therapie der aggressiven Tumorvariante. Die Studienergebnisse wurden im Rahmen eines Symposiums von Roche auf dem diesjährigen Herbstkongress der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) vorgestellt. Vor diesem Hintergrund erläuterten renommierte Experten die Bedeutung von Kombinationsansätzen mit Krebsimmuntherapien für den Klinikalltag.
SCLC: Therapeutischer Fortschritt nach Jahrzehnten des Stillstands

Unbehandelte Patienten mit fortgeschrittenem SCLC überleben unter der Kombination Atezolizumab und Chemotherapie (Carboplatin und Etoposid) median 2 Monate länger im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie – dies ergaben Studiendaten der Phase-III-Studie IMpower1331 (mOS: 12,3 vs. 10,3 Monate unter Chemotherapie). Das Mortalitätsrisiko reduzierte sich unter der Kombinationstherapie signifikant um 30% (HR=0,70; 95%-KI: 0,54-0,91; p=0,0069). Mehr als die Hälfte der Patienten unter der Kombinationstherapie war nach einem Jahr noch am Leben (51,7% vs. 38,2% unter Chemotherapie). Gegenüber der alleinigen Chemotherapie wurde durch die Hinzunahme von Atezolizumab der Anteil an Patienten, die nach einem Jahr noch progressionsfrei waren, mehr als verdoppelt (12,6% vs. 5,4%). „Lange konnten wir für diese Tumorvariante trotz vielfältiger Forschung keine Behandlungsfortschritte erreichen“, erläuterte PD Dr. Florian Fuchs, Erlangen. „Die Studienergebnisse zeigen zum ersten Mal einen Therapiefortschritt. Das macht uns Ärzten und vor allem auch unseren Patienten Hoffnung.“

NSCLC: 4,5 Monate längeres mOS unter Kombinationstherapie

Derzeit ist Atezolizumab zugelassen für die Behandlung von bereits vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC (5). Ob auch unbehandelte NSCLC-Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom von Atezolizumab profitieren können, untersuchte die Phase-III-Studie IMpower150. Die Ergebnisse zeigen: Unter der Kombination aus Atezolizumab mit Bevacizumab und Chemotherapie (Carboplatin und Paclitaxel) lebten Patienten der ITT-Wildtyp-(WT-)Population im Median 4,5 Monate länger (mOS: 19,2 vs. 14,7 Monate unter Bevacizumab/Chemotherapie; HR=0,78; 95%-KI: 0,64-0,96; p=0,02) (2). „Es zeigte sich, dass Patienten mit Lebermetastasen und vorbehandelte Patienten mit einer EGFR- oder ALK-Mutation besonders von der Behandlung profitierten“, so Fuchs. „Das ist umso erfreulicher, da genau diese Patienten mit Lebermetastasen bzw. EGFR- oder ALK-Mutation und nach Versagen einer Vorbehandlung mit Tyrosinkinase-Inhibitoren meist eine besonders schlechte Prognose aufweisen." Patienten mit Lebermetastasen, auf die in der Studie prospektiv stratifiziert wurde, erreichten unter Atezolizumab/Bevacizumab/Chemotherapie einen medianen OS-Vorteil von 4,1 Monaten (13,2 vs. 9,1 Monate; HR=0,54; 95%-KI: 0,33-0,88) (3).

TNBC: Wegweisende Bedeutung für die zukünftige Therapie

„Triple negative Tumoren sind vor allem im fortgeschrittenen Stadium sehr aggressiv und nur schwer zu kontrollieren. Wir haben hier einen großen Bedarf an neuen Therapien“, erklärte Prof. Dr. Andreas Schneeweiss, Heidelberg. „Die aktuellen Ergebnisse sind die ersten positiven Phase-III-Daten für eine Immuntherapie beim triple-negativen Brustkrebs und die Ergebnisse sehr vielversprechend.“ Die Phase-III-Studie IMpassion130 untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit der Kombination aus Atezolizumab und nab-Paclitaxel in der Firstline-Therapie des metastasierten TNBC im Vergleich zu Placebo/nab-Paclitaxel. In der ITT-Population verlängerte die Kombination mit Atezolizumab das mediane PFS signifikant (7,2 vs. 5,5 Monate; HR=0,80; 95%-KI: 0,69-0,92; p=0,0025). Bei Patienten mit einer PD-L1-Expression von ≥ 1% auf tumorinfiltrierenden Immunzellen reduzierte sich das Progressionsrisiko signifikant um 38% (PFS: 7,46 vs. 4,96 Monate im Placebo-Arm; HR=0,62; 95%-KI: 0,49-0,78; p<0,0001). In dieser ersten Interimsanalyse zeigte sich bei diesen Patienten zudem ein starker Trend für ein verlängertes OS um rund 10 Monate (25,03 vs. 15,47 Monate; HR=0,62; 95%-KI: 0,45-0,86). Die Daten sind klinisch hoch relevant, erreichten aufgrund des statistischen Designs der Studie in der ersten Interimsanalyse allerdings noch kein Signifikanzniveau.

In allen Studien erwies sich Atezolizumab in der jeweiligen Kombination als sicher und verträglich. Das beobachtete Sicherheitsprofil entsprach jeweils dem der Einzelsubstanzen (1-4).

Atezolizumab als Teil zukünftiger Behandlungskonzepte in der Onkologie

Im Rahmen eines umfassenden Studienprogramms erforscht Roche Atezolizumab aktuell in verschiedenen Indikationen und Therapiesituationen – als Monotherapie und in Kombination mit Chemotherapien und anderen zielgerichteten Therapien. So liegen beispielsweise beim fortgeschrittenen Lungenkarzinom mittlerweile Resultate aus 5 positiven Phase-III-Studien vor. Weitere prospektive Phase-III-Studien untersuchen aktuell die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Therapie mit Atezolizumab bei weiteren Tumorentitäten im fortgeschrittenen Stadium. Zugelassen ist Atezolizumab seit Ende September 2017 als erster PD-L1-Inhibitor zur Monotherapie von bereits vorbehandelten Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC sowie Cisplatin-ungeeigneten Patienten mit einer PD-L1-Expression von ≥ 5% auf Immunzellen im Tumor oder Platin-vorbehandelten Patienten unabhängig vom PD-L1-Status beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinom (mUC) (5).

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Bitte melden Sie Nebenwirkungen an die Roche Pharma AG (grenzach.drug_safety@roche.com oder Fax +49 (0)7624 / 14-3183) oder an das Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de oder Fax: +49 (0)6103 / 77-1234).

Quelle: Roche

Literatur:

(1) Liu S et al. WCLC 2018; Abstract PL02.07.
(2) Socinski MA et al. N Engl J Med 2018;378(24):2288-301.
(3) Socinski MA et al. J Clin Oncol 2018;36(Suppl): Abstract 9002.
(4) Schmidt P et al. ESMO 2018; Presentation number LBA1_PR.
(5) Fachinformation Tecentriq®, Stand: Juli 2018.


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