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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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23. Oktober 2018

mCRPC-Therapie: Kein Automatismus, sondern individuelle Therapie anhand der Tumorbiologie

Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom müssen auch unter Berücksichtigung der Tumorbiologie behandelt werden, betonte Prof. Peter Albers, Klinik für Urologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, anlässlich der 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Dresden. Die Zeiten, als Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom automatisch eine endokrine Behandlung erhalten haben, seien vorbei. Die Chemotherapie sei fester Bestandteil des Therapiealgorithmus und müsse zum individuell richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden. Die Chemotherapie-Fähigkeit des Patienten sei dabei zu beachten, weshalb diese Therapie nicht zu spät im Krankheitsverlauf eingesetzt werden sollte.
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„Wir müssen uns die Mühe machen, den Tumor biologisch zu charakterisieren, denn das Prostatakarzinom ist eine heterogene Erkrankung“, erläuterte Albers. Bis zu 30% der Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom weisen eine primäre Resistenz gegenüber einer Androgenrezeptor (AR)-gerichteten Therapie auf (1,2), ergänzte Prof. David Pfister, Klinik für Urologie, Universitätsklinik Köln. Diese Patienten profitieren nicht von einer endokrinen AR-gerichteten Therapie. Das gelte auch für das entdifferenzierte Prostatakarzinom. In diesen Fällen bestehe eine klare Indikation für eine Taxan-basierte Chemotherapie mit Docetaxel beziehungsweise Cabazitaxel. Ein klinischer Hinweis auf eine primäre Resistenz gegenüber einer AR-gerichteten Therapie sei ein nur kurzes beziehungsweise ungenügendes Ansprechen (< 12 Monate) auf eine vorangegangene Androgendeprivationstherapie (ADT) (3).

Engmaschige Bildgebung, um Resistenzen frühzeitig zu erkennen

Resistenzen werden auch im Therapieverlauf erworben. Pfister verwies auf die bestehende Kreuzresistenz zwischen den AR-gerichteten Substanzen (4), weshalb nach Versagen einer ersten AR-gerichteten Therapie nicht mit einer zweiten AR-gerichteten Substanz weiter behandelt werden sollte, sondern ein Wechsel auf die Chemotherapie notwendig ist. Um eine Resistenz frühzeitig zu erkennen, empfiehlt Pfister eine regelmäßige Bildgebung, die initial alle 4-6 Wochen und danach vierteljährlich erfolgen sollte. Die alleinige PSA-Wert-Kontrolle reiche gerade unter AR-gerichteter Therapie nicht aus, da es trotz PSA-Ansprechens beziehungsweise stabilen PSA-Werts zu einem stillen radiologischen Progress kommen könne (5).

Laut Pfister werde gerade die frühzeitig eingesetzte Taxan-basierte Chemotherapie meist gut vertragen, da der Allgemeinzustand der Patienten i.d.R. gut ist und sie weniger durch Vortherapien belastet sind. Ein großer Vorteil der Chemotherapie sei, dass sie zeitlich begrenzt ist und auftretende Nebenwirkungen reversibel sind, während die AR-gerichtete Therapie eine kontinuierliche Behandlung erfordert.

Chemotherapie ist fester Bestandteil des Therapiealgorithmus

Die Chemotherapie habe die Überlebenszeit der Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom deutlich verlängert, betonte Dr. Stefan Machtens, Urologe am Marien-Krankenhaus, Bergisch Gladbach. Keinesfalls dürfe daher riskiert werden, dass die Chemotherapie nicht mehr eingesetzt werden kann, weil sich der Allgemeinzustand des Patienten zwischenzeitlich deutlich verschlechtert hat. Klassische Kriterien für den Einsatz der Chemotherapie sind laut Machtens – unabhängig von Resistenzmechanismen – ein kurzes Ansprechen auf die primäre ADT (< 12 Monate), tumorbedingte Beschwerden und/oder viszerale Metastasen sowie generell eine aggressive Tumorbiologie (6). Ausdruck dessen könne eine kurze PSA-Verdopplungszeit (< 55 Tage), ein hoher Gleason-Score oder ein hoher LDH- bzw. ALP-Wert sein (6).

Cabazitaxel – effektiv ohne Einbußen bei der Lebensqualität

Da Cabazitaxel (Jevtana®) für die Situation nach Docetaxel-Versagen entwickelt wurde, habe die Substanz auch bei nur kurzem Ansprechen oder Nicht-Ansprechen auf Docetaxel eine gute Wirksamkeit (7). Retrospektive Analysen zeigten zudem für die Therapiesequenz Docetaxel gefolgt von Cabazitaxel einen kumulativen Überlebensvorteil gegenüber dem zwischenzeitlichen Wechsel auf eine AR-gerichtete Substanz (8,9). Cabazitaxel werde oft besser vertragen als Docetaxel. In der CAPRISTANA-Studie (10) zeigte sich unter Cabazitaxel bei 32% der Patienten eine Verbesserung der Lebensqualität. Auch tumorbedingte Schmerzen bildeten sich deutlich zurück. In der randomisierten Phase-III-Studie CABADOC induzierte Cabazitaxel insbesondere weniger Fatigue, Alopezie, Schmerzen, Diarrhoe und Nagelveränderungen als Docetaxel (11). Dies erkläre, warum die Studienpatienten Cabazitaxel gegenüber Docetaxel deutlich präferierten (43% vs. 27%).
Quelle: Sanofi Genzyme
Literatur:
(1) de Bono JS et al. NEJM 2011;364:1995-2005.
(2) Scher HI et al. NEJM 2012;367:1187-97.
(3) Sonapavde G et al. BJU int 2018 Febr 1. DOI:10.1111/bju.14152.
(4) Attard G et al. JCO 2018;Jul20:JCO2018779827.
(5) Pezaro CJ et al. Eur Urol 2014;65:270-3.
(6) Maroto P et al. Crit Rev Oncol Hematol 2016;100:127-36.
(7) de Bono JS et al. Lancet 2010;376:1147-54.
(8) Maines F et al. Crit Rev Oncol Hematol 2015;96:498-506.
(9) Angelergues A et al. Clin Genitourin Cancer 2018; Febr 23. Pii:S1558-7673(18)30132-0.
(10) Pichler A et al. ESMO 2017, Poster 812P.
(11) Fizazi K et al. Ann Oncol 2017;28(suppl 5). DOI: 10.1093/annonc/mdx370.
 
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