Mittwoch, 24. April 2019
Navigation öffnen

Medizin

11. Oktober 2018 mCRPC: Chemotherapie als Option in Betracht ziehen

Beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) sollte nach Versagen einer Androgendeprivationstherapie (ADT) eine weitere antihormonelle Behandlung mit neueren Antiandrogenen kein Dogma sein, meinte Prof. Dr. Peter Albers, Düsseldorf. „Wir müssen uns als Urologen von dem Gedanken lösen, dass wir mit diesem Therapieregime schon ein paar weitere Jahre Ruhe haben werden.“ Vielmehr sind durch engmaschiges Monitoring die Patienten zu identifizieren, die von einer Chemotherapie eventuell mehr profitieren könnten.
Anzeige:
Prof. Dr. David Pfister, Köln, machte für die Erwägung einer Chemotherapie nach ADT geltend, dass zirka 25 bis 30% der Patienten bereits in den Zulassungsstudien der Androgenrezeptor-gerichteten Therapien (ARTA) mit Abirateron (Abi) und Enzalutamid resistent gegenüber diesem Therapieregime waren. Gerade wenn der Patient auf die primäre ADT schlecht angesprochen hat, ist der weitere Einsatz von ARTA-Substanzen problematisch.

ADT-Response ein wichtiger Hinweis

Eine entsprechende Untersuchung hatte einen Cut-off von mehr als 15 Monaten angesetzt, um eine gute Response zu definieren (1). Ist die Zeit ohne Progression oder deutlichem PSA-Anstieg unter einer ADT kürzer, so Pfister, wird der Patient von einer Gabe eines neueren antiandrogenen Medikaments wie Abirateron oder Enzalutamid auch nicht so stark profitieren.

Eine erwägenswerte Alternative, um die Resistenz gegen antihormonelle Substanzen zu umschiffen, sei eine zytostatische Therapie mit Taxanen. Aber auch Docetaxel kann durch einen Resistenzmechanismus unwirksam gemacht werden. Die Pgp*-Effluxpumpe in der Zellmembran befördert den Wirkstoff aus der Zelle in den extrazellulären Raum, erklärt der Urologe. Cabazitaxel (Jevtana®) hat eine deutlich geringere Affinität zu dieser Pumpe, so dass dieser Resistenz-Mechanismus bei diesem Zytostatikum nicht greift.

In der Zulassungsstudie von Cabazitaxel TROPIC konnte die Gabe von Cabazitaxel plus Prednison gegenüber einem Regime von Mitoxantron plus Prednison das Mortalitätsrisiko relativ um 30% senken (2). Ebenfalls konnte nachgewiesen werden, „dass Cabazitaxel auch bei schnellem Progress unter oder kurz nach Docetaxel effektiv ist. Es wirkt also auch bei einer primären Resistenz auf Docetaxel.“ Ferner ist die Wirksamkeit von Cabazitaxel unbeeinflusst von einer vorherigen ARTA (3).

Kriterien für eine Chemotherapie

Dr. Stefan Machtens, Bergisch Gladbach, machte darauf aufmerksam, dass in einem indirekten Vergleich (2 Studien) zwischen ADT plus ABI und ADT plus Docetaxel eine „vergleichbare Risikoreduktion für das OS und das radiologische PFS dokumentiert wurde“ (4,5).

Allerdings unterscheiden sich diese beiden Regime hinsichtlich des Nebenwirkungsprofils. Verursachte Docetaxel mehr hämatologische Toxizität in Form von – oft auch febrilen – Neutropenien, so sahen die Untersucher unter ADT plus ABI mehr kardiovaskuläre und hepatische Nebenwirkungen (6). „In die Therapieentscheidung sollte also eine diesbezügliche Vorbelastung des Patienten mit einfließen.“

Eine Chemotherapie ist, laut Machtens, dann bereits in der ersten Linie indiziert, wenn ein entdifferenziertes Karzinom mit initial hohem Gleason-Score vorliegt. Weitere Kriterien sind ein schneller PSA-Progress sowie eine kurze Responszeit unter ADT. Für einen Zweitlinieneinsatz von Cabazitaxel, spricht neben diesen Kriterien: ein schneller Progress unter oder nach Docetaxel-Gabe. Die unerwünschte Wirkung (febriler) Neutropenien unter Chemotherapie kann durch die prophylaktische Gabe von G-CSF** deutlich reduziert werden, fügt der Urologe hinzu.

Reimund Freye


*Pgp – P-Glykoprotein
**G-CSF – Granulocyte-Colony Stimulating Factor

 

Quelle: Satellitensymposium: What’s hot in mCRPC?, im Rahmen des 70. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), Dresden, 26.09.2018; Veranstalter: Sanofi Genzyme

Literatur:

(1) Sonpavde G et al.,BJU Int 2018; 121(6): 871-9
(2) de Bono JS et al., Lancet 2010;376: 1147-54
(3) van Soest RJ et al., Eur J Cancer 2015; 51(17):2562-9
(4) Fizazi K et al., N Engl J Med 2017; 377(4): 352-60
(5) Sweeney CJ et al., N Engl J Med 2015;373: 737-46
(6) Sydes M et al., Ann Oncol 2018; 29(5): 1235-48


Das könnte Sie auch interessieren

Weltkindertag: Deutsche Krebshilfe ruft zu aktivem Lebensstil auf

Weltkindertag: Deutsche Krebshilfe ruft zu aktivem Lebensstil auf
© Sabphoto / Fotolia.com

In der Schule, vor dem Smartphone oder am Computer: Die Liste sitzender Aktivitäten von Jugendlichen ist lang. Fast die Hälfte ihrer Wachzeit – knapp sieben Stunden pro Tag – verbringen Schüler heutzutage sitzend oder liegend. Je mehr die jungen Menschen sitzen, desto riskanter ist auch ihr Gesundheitsverhalten: Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) im Rahmen des von der Deutschen Krebshilfe geförderten...

Armutsfalle Krebs: Sozialberatung muss verbessert werden

Armutsfalle Krebs: Sozialberatung muss verbessert werden
© WavebreakmediaMicro / Fotolia.com

Am 8. März ist Weltfrauentag. Seit mehr als 100 Jahren prangern Frauen in aller Welt an diesem Tag Missstände an und streiten für ihre Rechte. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs, kurz FSH, und die Stiftung Deutsche Krebshilfe verleihen an diesem Tag den Frauen, die an Krebs erkrankt sind, eine Stimme. Denn immer noch gibt es in der Versorgung der Betroffenen Defizite. So wird eine Tumorerkrankung nach wie vor häufig zur Armutsfalle.

Heller Hautkrebs: Signalweg entschlüsselt

Beim Hautkrebs gibt es verschiedene Krankheitsformen: Mit Abstand am häufigsten ist dabei das so genannte Basalzellkarzinom, eine Form von hellem Hautkrebs, bei der sich der Tumor von seinem Entstehungsort in der Haut langsam aber stetig ausbreitet. Zwar bildet das Basalzellkarzinom im Allgemeinen keine Tochtergeschwülste (Metastasen), der Tumor sollte jedoch so früh wie möglich behandelt werden, da er ansonsten das umgebende Gewebe zerstören und sogar Muskeln...

Selbsthilfe bei Lungenkrebs: Betroffene helfen Betroffenen

Krebspatienten fühlen sich oft überfordert – auch Patienten mit Lungenkrebs. Kaum ist die Diagnose gestellt, beginnen die ersten Therapien: Operationen oder viele Zyklen Chemotherapie fordern und verändern nicht nur den Körper, sondern auch das gesamte Leben mit einem Schlag. Die Psyche kommt so schnell kaum hinterher: Die meisten Betroffenen begreifen erst nach und nach, dass sich das Leben ab jetzt drastisch ändert und nie mehr so sein wird wie zuvor.

1. Patiententag für Kehlkopfoperierte am Universitätsklinikum Leipzig

1. Patiententag für Kehlkopfoperierte am Universitätsklinikum Leipzig
© Stefan Straube / UKL

Zum 1. Patiententag für Kehlkopfoperierte lädt am 22. März die Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig ein. "Ein großer Patientenstamm kommt regelmäßig zu uns, denn beispielsweise findet jeden Mittwochnachmittag bei uns die Tumornachsorge statt. Wir haben auch schon Patientenveranstaltungen organisiert, wollen diese jetzt aber institutionalisieren", so Klinikdirektor Prof. Dr. Andreas...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"mCRPC: Chemotherapie als Option in Betracht ziehen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.