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Medizin

10. Oktober 2018 mCRPC: Gabe von Abirateron vor Enzalutamid vorteilhafter

Die neueren Antiandrogene wie Abirateron (Zytiga®) und Enzalutamid stehen nach Versagen der Androgendeprivationstherapie (ADT) in der nächsten Behandlungslinie, weil die Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf oftmals eine Chemotherapie zu diesem Zeitpunkt ablehnen. Auf einer Fachpressekonferenz von Janssen auf dem DGU-Kongress in Dresden stellte Prof. Dr. Kurt Miller, Charité Berlin, die Frage, mit welchen der beiden Substanzen begonnen werden sollte. Entsprechende Analysen und Studien geben Hinweise auf einen Ersteinsatz von Abirateron, meint der Urologe.
Neue Erkenntnisse zu der Fragestellung lieferte eine prospektive, offene Phase-II-Studie, vorgestellt beim ASCO 2018. Verglichen wurde die Sequenz Abi/P*, gefolgt von Enzalutamid (Enza) (n=101) mit der umgekehrten Reihenfolge (n=101). Unter anderem wurde dabei der PSA-Abfall gemessen. Wurde zunächst Abi/P und dann Enza appliziert, konnte bei 43% der Patienten eine PSA-Abfall von mindestens 30% dokumentiert werden und bei 31% ein PSA-Abfall von mindestens 50%. Kam Abi/P erst in der Zweitlinie zum Einsatz lauteten die entsprechenden Zahlen: PSA-Abfall ≥ 30% bei 6 % der Patienten und ≥ 50% bei 4% der Probanden, die Differenz war signifikant (1).

Auch retrospektive Daten sehen Abirateron vorne

Auf die Favorisierung dieser Therapieabfolge deutete bereits die retrospektive Analyse der Daten von 108 Chemotherapie-naiven mCRPC-Patienten hin, führte Miller weiter aus. Darin verglich man die Erstlinien-Applikation von Abi/P (n=49) gefolgt von Enza mit der umgekehrten Sequenz (n=59). Die Analyse wurde hinsichtlich des kombinierten Endpunktes vorgenommen, und zwar eines progressionsfreien Überlebens (PFS) zusammen mit einer PSA-Progression. Die Zeit bis eine dieser Progressionen oder der Tod eintrat betrug unter Erstgabe von Abi/P 18,4 Monate; bei Erstgabe von Enza 12,8 Monate (p<0,0091). Das mediane Gesamtüberleben wurde bei Abi/P nicht erreicht, bei First-line Enza waren nach 22,1 Monaten die Hälfte der Patienten verstorben (2).

Neben der Effektivität muss die Verträglichkeit der jeweiligen Therapien zur Entscheidungsfindung herangezogen werden, betont Miller. Diesbezüglich trug er die neuen 6-Monatsdaten aus der noch laufenden, prospektiven, nicht randomisierten zweiarmigen Phase-IV-Beobachtungsstudie AQUARiUS vor. 211 mCRPC-Patienten erhielten nach einer ADT entweder Abi/P (n=105) oder Enza (n=106). Dabei berichteten im Vergleich zu Abi/P doppelt so viele Patienten unter der Therapie mit Enza über mindestens eine Episode, in der sich die Kognition in den ersten sechs Monaten klinisch relevant verschlechterte (27% vs. 56%; p=0,0004) (3).

Miller resümiert: „Sowohl in Hinsicht auf Wirksamkeit als auch Verträglichkeit weisen die bisher vorliegenden Daten darauf hin, dass Abi/P in der Erstlinientherapie des nicht oder mild symptomatischen mCRPC gefolgt von Enza  Vorteile gegenüber der Erstgabe von Enza hat.“

Reimund Freye

*Abi/P – Abirateron plus Prednison oder Prednisolon
 

Quelle: Fachpressekonferenz "Aktuelle Entwicklungen in der mCRPC-Therapie mit Zytiga®", DGU, Dresden, 27.09.2018; Veranstalter: Janssen

Literatur:

(1) mod. nach Khalaf D et al., J Clin Oncol 2018; suppl abstr 5015) & Poster ASCO 2017
(2) mod. nach Miyake H et al., Clin Genitourin Cancer 2017; 15(4): e591-e597
(3) Vuillemin AT et al., J Clin Oncol 36 2018 (suppl; abstr 5058) & Poster ASCO 2018


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