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Medizin

11. Juli 2017 10% der Kinder mit einer Krebserkrankung haben ein Krebsprädispositionssyndrom

Die amerikanische Vereinigung für Krebsforschung (AACR) hat mit führenden internationalen Experten auf dem Gebiet erblicher Krebserkrankungen Empfehlungen zur Krebsfrüherkennung bei Kindern mit Krebsprädispositionssyndromen entwickelt. Prof. Dr. Christian Kratz von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Direktor der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, war einer der weltweit wenigen Mediziner, den die AACR zu dem Workshop eingeladen hatte. Bei dem Expertentreffen wurden Früherkennungs-Empfehlungen für Kinder, die ein genetisch bedingt hohes Krebsrisiko in sich tragen, entwickelt. Aus dem Workshop sind 18 hochrangige wissenschaftliche Veröffentlichungen entstanden, die jetzt sukzessive veröffentlicht werden. Prof. Kratz ist an mehreren beteiligt und bei zwei Artikeln Erst- bzw. Letztautor.
Während bei älteren Menschen vorwiegend Umwelteinflüsse zu einer Krebserkrankung führen können, sind bei Kindern genetische Faktoren bei der Krebsentstehung besonders relevant. Etwa 10% der Kinder mit einer Krebserkrankung haben ein bekanntes Krebsprädispositionssyndrom, wie aktuelle Studien gezeigt haben. „Wir kennen mehr als 100 Gene, die im Falle von Veränderungen das Krebsrisiko deutlich erhöhen können“, sagt Prof. Kratz. „Das Erkennen der durch diese Veränderungen verursachten Krebsprädispositionssyndrome ist klinisch hoch relevant, da die Prognose der Betroffenen von Maßnahmen wie Früherkennungsuntersuchungen verbessert werden kann – wie in Einzelfällen bereits belegt.“

Bei dem AACR-Workshop trugen die 65 Fachleute aus elf Ländern im Oktober 2016 aktuelle Daten zu Krebsprädispositionssyndromen zusammen und erarbeiteten internationale Empfehlungen für die Früherkennung bei den häufigsten Krebsprädispositionssyndromen. „Wir haben diese Syndrome in neun Hauptgruppen zusammengefasst, die auf den Hauptkrebsarten basieren und mit denen sie assoziiert sind“, erklärt Prof. Kratz.

Beim Workshop entstanden 18 Publikationen. Sie geben Empfehlungen für spezifische Früherkennungsmaßnahmen bei Kindern mit genetischen Veränderungen. „Bei einigen dieser Krankheiten gab es zuvor keinerlei Empfehlungen“, betont Prof. Kratz. Die Publikationen sind frei online verfügbar. Die ersten fünf Positionspapiere wurden am 1. Juni 2017 in der renommierten Zeitschrift Clinical Cancer Research veröffentlicht, heute sind weitere fünf Arbeiten gefolgt. Eine Auflistung aller Veröffentlichungen finden Sie im Internet unter http://clincancerres.aacrjournals.org/pediatricseries.

Deutsche Kinderkrebsstiftung unterstützt Forscher

Die Deutsche Kinderkrebsstiftung unterstützt Prof. Kratz und sein Team sowie Prof. Dr. Stefan Pfisters Arbeitsgruppe aus Heidelberg beim Aufbau eines Registers für seltene Krebsprädispositionssyndrome. „Wir sind überaus dankbar, denn nur wenn wir die Fälle in einem Register zusammenführen, können wir den Nutzen der Früherkennung auch nachweisen“, sagt Prof. Kratz. „Zu Beginn werden wir uns auf Patienten mit Li-Fraumeni-Syndrom konzentrieren. Hier erkranken vier von zehn Betroffenen bereits im Kindesalter an multiplen Tumoren. Normalerweise ist das Risiko einer Krebserkrankung 1 zu 420 in der Bevölkerung.“ Prof. Kratz, der in seiner Zeit in den USA mit dem Erstbeschreiber des Li-Fraumeni-Syndroms, Joseph F. Fraumeni, zusammengearbeitet hat, ist über diese Förderung sehr erleichtert, denn bisher „wird zu wenig für Menschen mit dieser gravierenden Erkrankung getan“.

Quelle: Medizinische Hochschule Hannover (beipress)


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