10. Oktober 2017

Wie hat sich die Therapie für Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom verändert?

Aktuelle Daten zu Langzeitüberleben, Verträglichkeit und Vortherapie zeigen, dass sich pegyliertes liposomales Irinotecan (Onivyde®) in Kombination mit 5-FU und LV als einzige zugelassene Therapieoption nach Gemcitabin-Versagen bewährt hat.
Onivyde® in Kombination mit 5-Fluorouracil (5-FU) und Leucovorin (LV) ist das bisher einzige zugelassene Medikament für die Behandlung von Patienten mit metastasiertem Adenokarzinom des Pankreas, deren Erkrankung unter einer Gemcitabin-basierten Therapie fortgeschritten ist (post-Gemcitabin) (1). Seit fast einem Jahr ist das Produkt in Deutschland verfügbar – Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Fazit der Experten: „Die praktischen Erfahrungen bestätigen die Studien-Daten: Onivyde® ist im Therapiealltag angekommen.“

„Liposomal verkapseltes Irinotecan (nal-IRI) ist gut einsetzbar, und der Behandlungsalltag spiegelt die Datenlage wider: Patienten profitieren sowohl nach Vorbehandlung mit einer Gemcitabin-Kombinationstherapie als auch mit Gemcitabin-Monotherapie von dem nal-IRI-haltigen Regime und können nun eine weitere Therapielinie angeboten bekommen“, erklärt Prof. Manfred P. Lutz, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Caritas Klinikum Saarbrücken St. Theresia, auf einer Fachpresseveranstaltung während der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie vom 29.09.-03.10.2017 in Stuttgart.

Für die Behandlung des metastasierten Pankreaskarzinoms ist eine Gemcitabin-haltige Therapie Standard. Noch bis vor einem Jahr stand keine zugelassene Behandlungsoption für den Fall, dass die Gemcitabin-haltige Therapie versagt hat, zur Verfügung. Dies hat sich mit der Zulassung von Onivyde® grundlegend geändert. „Für unsere Behandlungspraxis stehen zwei gleichwertige Therapieptionen in der Firstline zur Verfügung. Die Betrachtung einer neuen Therapiesequenz ist aufgrund der Zulassungen möglich: nach Gemcitabin + nab-Paclitaxel kann liposomal verkapseltes Irinotecan eingesetzt werden, gefolgt von OFF. Zusätzlich ermöglicht dieses Vorgehen ein gutes Toxizitäts-Management“, erklärte Prof. Michael Geißler, Chefarzt an der Klinik für Onkologie, Gastroenterologie und Innere Medizin an den Städtischen Kliniken Esslingen.

Das Pankreaskarzinom gehört zu den tödlichsten Krebsarten weltweit und macht etwa 3% aller Krebsfälle aus (2) – mit steigender Tendenz. Allein in Deutschland erkrankten 2016 schätzungsweise 18.600 Personen an einem Pankreaskarzinom, fast genauso viele verstarben daran (3). „Bei der Behandlung von Patientinnen mit metastasiertem Pankreaskarzinom stehen uns nur begrenzte Behandlungsoptionen zur Verfügung. Durch die Zulassung von Onivyde® haben wir endlich eine überzeugende Substanz mehr. Meine Erfahrungen aus Österreich haben gezeigt, dass liposomal verkapseltes Irinotecan gut einsetzbar ist und die Patienten deutlich davon profitieren“, erläuterte Prof. Armin Gerger, stellv. Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Medizinischen Universitätsklinik Graz/Österreich. „Liposomal verkapseltes Irinotecan erweitert das Behandlungsspektrum und ermöglicht eine sequentielle Therapie über mehrere Linien – und das bei beherrschbaren Nebenwirkungen“, ergänzt Prof. Gerger.
 

Die Datenlage unterstreicht die hervorragende Wirksamkeit und Lebensqualität

Die Daten der internationalen, multizentrischen, offenen Phase-III-Studie NAPOLI-1 führten zur Zulassung. Onivyde® in Kombination mit 5-Fluorouracil (5-FU) und Leucovorin (LV) konnte das Gesamtüberleben der Patienten gegenüber einer 5-FU/LV-Monotherapie signifikant von 4,2 auf 6,1 Monate verbessern (HR 0,67; p=0,012), ohne die Lebensqualität zu beeinträchtigen (4). Untersucht wurden randomisiert Pankreaskarzinom-Patienten mit metastasierter Erkrankung bei Progress unter einer Gemcitabin-basierten Therapie im neoadjuvanten, adjuvanten, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Setting (4).

Die Auswertung zum Langzeitüberleben (1-Jahres-OS-Daten) der NAPOLI-1-Studie zeigt einen deutlichen Überlebensvorteil der 117 Patienten der nal-IRI+5-FU/LV-Gruppe (n=29; 26%) gegenüber den 119 Patienten aus der 5-FU/LV-Gruppe (n=17; 16%) (5). Aus einer aktuellen Analyse geht hervor, dass die Patienten mit Langzeitüberleben eher jünger (≤ 65 Jahre) waren, einen besseren Allgemeinzustand (Karnofsky PS ≥ 90), ein Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis ≤ 5, einen CA 19-9-Spiegel < 59 x ULN hatten und weniger Lebermetastasen aufwiesen. Die häufigsten Nebenwirkungen (Grad ≥ 3 TEAEs) waren Neutropenie, verringerte Leukozytenzahl, Diarrhoe, Fatigue, Erbrechen und Anämie (6). Dass der Überlebensvorteil nach Einsatz von nal-IRI + 5-FU/LV unabhängig von der Vortherapie (Gemcitabin-Mono vs. Gemcitabin-Kombi) ist, zeigt eine weitere Auswertung der NAPOLI-1-Daten. Auch Patienten nach Gemcitabin-Monotherapie profitierten von dem nal-IRI-haltigen Regime und sollten eine weitere Therapielinie angeboten bekommen (7).

Eine weitere Auswertung der NAPOLI-1-Daten zeigt eine gleichbleibende Lebensqualität unter der nal-IRI-Therapie. Die gesamte gesundheitsbezogene Lebensqualität wie auch alle funktionalen Parameter blieben in beiden Studienarmen von Beginn bis Woche 6 und 12 unverändert (ausgenommen körperliche Funktion). Die körperliche Funktion nahm in beiden Studienarmen geringfügig zwischen Beginn und Woche 6 ab (6,7 Punkte). Lediglich Fatigue nahm um 11 Punkte moderat im nal-IRI + 5-FU/LV-Arm zu. Ansonsten waren die Symptom-scores unter beiden Therapien bis Woche 12 gleichbleibend (8).

„Jeder Tag, an dem Onivyde® in der Praxis angewendet wird, ist wertvoll für die Patienten und schenkt den Ärzten eine weitere zugelassene Therapieoption, die es zuvor nicht gab“, erklärt Dr. Gabriele Kothny, Business Head Oncology, Shire. „Es ist uns als Unternehmen ein besonderes Anliegen, innovative Wirkstoffe herzustellen, die Arzt und Patient Sicherheit und Wirksamkeit in der Anwendung bieten und auf die sie vertrauen können.“
 
Shire
Literatur:
(1) Fachinformation ONIVYDE, Stand: Oktober 2016.
(2) Worldwide data. World Cancer Research Fund Website. Verfügbar unter: http://www.wcrf.org/int/cancer-facts-figures/data-specific-cancers/pancreatic-cancer-statistics. (Zugriff am 14.09.2017).
(3) Krebs in Deutschland 2011/2012. 10. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg.) und die Gesellschaft
der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Hrsg.). Berlin, 2015. Verfügbar unter:
http://www.gekid.de/Doc/krebs_in_deutschland_2015.pdf. (Zugriff am 14.09.2017).
(4) Wang-Gillam A et al. Nanoliposomal irinotecan with fluorouracil and folinic acid in metastatic pancreatic cancer after previous gemcitabine-based therapy (NAPOLI-1): a global, randomised, open-label, phase 3 trial. The Lancet. 2016; 387(10018):545-557.
(5) Chen LT et al. ESMO 2016, Poster #622PD
(6) Wang-Gillam A et al. ASCO GI 2017, Poster #293
(7) Chen LT et al. ASCO GI 2017, Poster #303
(8) Hubner R et al. ESMO WCGC 2016, Vortrag und Poster #O-004