21. September 2015

ADO 2015: Nebenwirkungen Immunonkologischer Therapien

Eine immunonkologische Therapie ist extrem wirksam, nicht nur beim Melanom sondern auch bei vielen anderen Tumorentitäten. Deshalb ist es sehr wichtig, die Nebenwirkungen zu kennen, betonte Prof. Selma Ugurel, Essen.

Immunrelated Adverse events (irAEs) der Immun-Checkpoint-Modifyer können jedes Organ betreffen, u.a. den Gastrointestinaltrakt (Colitis, Hepatitis), die Haut (Exanthem), das Nervensystem (Neuropathie), das endokrine System (Hypophysitis, Thyreoiditis) das Urogenitalsystem (Nephritis), die Augen (Uveitis), das Atmungssystem (Pneumonitis) sowie Herz, Gefäße, Gelenke, Muskeln und Blutbildung (Barbee MS et al. Ann Pharmacother 2015).

Der zeitliche Verlauf des Auftretens von AE´s unterliegt gewissen Regeln. Exanthem, Pruritus treten nach 3-4 Wochen auf. Es folgen Diarrhoe, Colitis, Hypophysitis und hepatische Nebenwirkungen. Die meisten AE´s mit Ausnahme der Hypophysitis sind potentiell reversibel und klingen im Therapieverlauf wieder ab. Man müsse allerdings bedenken, dass PD-1 Dauertherapien sind und Nebenwirkungen auch sehr spät noch auftreten können, sagte Ugurel. Deshalb sei es sehr wichtig zu monitorieren, damit diese nicht übersehen werden. Die Verläufe können lebensbedrohlich sein. Eine Dosisreduktion der Immun-Checkpoint-Modifyer zur Kontrolle der AE´s würde keinen Sinn machen, so Ugurel. Statt dessen müsse ab Grad 2 AE´s die Therapie pausiert, ab Grad 3 auch abgesetzt werden.
Für die immunsuppressive Therapie sind Kortikosteroide die 1. Wahl. Bei nicht ausreichendem Ansprechen auf Steroide sollte nicht lange abgewartet und auf andere Immunsuppressiva umgestellt werden (z.B. Infliximab (außer bei Hepatitis, da lebertoxisch), Mycophenolatmofetil und andere Immunsuppressiva).

Zwischen irAE`s und dem Therapieerfolg gibt es keinen positiven Zusammenhang und eine Therapiepause bzw. Abbruch sollte bei schweren Nebenwirkungen nicht hinausgezögert werden aus Sorge den Therapieerfolg zu gefährden. Möglicherweise sind schon wenige Gaben der Immun-Checkpoint-Modifyer ausreichend für ein Ansprechen.
Ugurel: „Wichtig ist das interdisziplinäre Management, die Expertise mehrerer Fachdisziplinen ist gefragt“.

Vorgehen in Abhängigkeit von Nebenwirkungen:
Grad 1: symptomatische Maßnahmen, keine Therapiepause
Grad 2-3: Therapiepause bis zur Besserung der Symptome auf Grad 1
Grad 3-4: Absetzen der Therapie notwendig, insbesondere bei verzögertem Ansprechen auf immunsuppressive Gegenmaßnahmen (vor allem bei Colitis, Hepatitis, Pneumonitis, Nephritis).

 
as
Quelle: ADO 2015