Freitag, 18. August 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
Fachinformation
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
05. Dezember 2012

Übelkeit und Erbrechen bei Patienten mit Hirntumorerkrankungen - aktuelle Prophylaxestrategien

Übelkeit und Erbrechen sind nach wie vor eine der von Krebspatienten besonders gefürchteten Begleiterscheinungen einer Chemotherapie, obwohl es heutzutage wirksame Antiemetika zur Prophylaxe und Leitlinien zu deren Anwendung gibt. Wenn die Prophylaxe leitliniengerecht erfolgt, sind mehr als drei Viertel der Patienten vor Übelkeit und Erbrechen geschützt. Patienten mit Hirntumoren nehmen allerdings eine Sonderstellung ein, denn sie können durch einen erhöhten Hirndruck und durch Ganzhirnbestrahlung verstärkt unter Übelkeit leiden. Außerdem ist das Umsetzen der Leitlinien, die Dexamethason-Gaben über mehrere Tage empfehlen, bei Patienten mit malignen Hirnerkrankungen schwierig.  Bewährt haben sich in der Neuroonkologie die sogenannten Serotonin-Antagonisten. Ein modernes Medikament, das auch über mehrere Tage hinweg Schutz vor Übelkeit und Erbrechen bietet, ist Palonosetron (Aloxi®). Patient und Arzt können zwischen intravenöser und oraler Applikation wählen, da beide galenischen Darreichungsformen äquieffektiv sind. Prof. Dr. Herwig Strik, Neuroonkologe und Oberarzt an der Neurologischen Universitätsklinik in Marburg, gibt Auskunft über seine Erfahrungen beim Management von Übelkeit und Erbrechen bei Patienten mit Hirntumoren oder Hirnmetastasen.

Prof. Dr. Herwig Strik,
Marburg


 

 Weshalb stellen Übelkeit und Erbrechen bei Patienten mit Hirntumoren ein besonderes Problem dar?

Übelkeit und Erbrechen werden vom Brechzentrum in der Area Postrema im Gehirn gesteuert. Patienten mit Hirntumoren haben per se ein erhöhtes Potential für Übelkeit und Erbrechen. Wir sehen dies insbesondere bei Patienten, die eine Ganzhirnbestrahlung erhalten, aber auch bei Patienten, bei denen durch die Schwellung um den Tumor herum Druck auf das Brechzentrum ausgeübt wird. Wenn dann noch eine Chemotherapie hinzukommt, kann es durchaus sein, dass die Patienten verstärkt Übelkeit und Erbrechen erleben. Dies vermindert natürlich die Akzeptanz der Chemotherapie.

Berichten die Patienten von sich aus, dass ihnen übel ist? 

Wir hinterfragen das aktiv. Die Patienten denken nämlich häufig, dass die Übelkeit bei ihrer Erkrankung „normal“ ist, denn sie „bekämen ja schließlich eine Chemotherapie“. Wenn wir nicht nach Übelkeit fragen, erzählen sie uns meist nur von Symptomen, die sie in Bezug auf ihre Krankheit als ganz wesentlich empfinden. Übelkeit oder sogar andauernde Übelkeit gehören nicht dazu. Außerdem setzen viele Patienten Übelkeit mit Erbrechen gleich und verneinen die Frage nach Übelkeit, weil sie nicht erbrochen haben. Wenn ich einen Verdacht habe, dass eine latente Übelkeit vorliegen könnte, frage ich nach dem Appetit: z.B. in der Weise: „Hatten Sie in der letzten Zeit mal Appetit auf ein Schnitzel?“

Bei welchen Chemotherapien kommt es bei ihren Patienten verstärkt zu Übelkeit und Erbrechen?

Besonders die eintägige Chemotherapie mit hoher Einzeldosis von hoch emetogenen Medikamenten, die bei fast allen Patienten zu Übelkeit und Erbrechen (Emesis-Risiko über 90%) führen, birgt ein großes Risiko. In der Neuroonkologie unterscheiden wir heute Chemotherapie-Schemata mit kurzfristigen Chemotherapien in Zyklen, z.B.  die Gabe an einem Tag mit einer Wiederholung alle 28 Tage. Hier dosieren wir das Zytostatikum auch entsprechend hoch und da haben wir dann auch ein höheres Risiko für Übelkeit und Erbrechen. Aber wir geben auch Medikamente über mehrere Tage, besonders bei Patienten im Rezidiv. Hier werden die Zytostatika dann über mehrere Tage mit einer geringeren Tagesdosis verabreicht und sie sind dadurch erheblich weniger emetogen. An diese Konzepte passen wir unsere antiemetischen Strategien an.

Es gibt internationale Leitlinien zur antiemetischen Therapie bei Tumorpatienten. Können Sie diese auch bei Ihren Patienten anwenden?

Wir orientieren uns schon an den Leitlininien, aber leider sind sie in unserem Fachgebiet nicht ohne weiteres umzusetzen. Vor allem der in diesen Leitlinien immer empfohlenen Kombination von Serotonin-Antagonisten und/oder Neurokinin-Antagonisten mit Kortikoiden können wir nicht folgen, da wir Steroide im Rahmen der Antitumorbehandlung schon relativ ausgiebig gegeben haben. Wir müssen sehr sparsam mit Steroiden umgehen, um Langzeitwirkungen im Tumor nicht anzuheizen.

Wann setzen Sie den modernen Serotonin-Antagonisten Palonosetron gegen Übelkeit und Erbrechen ein? 

Diese Substanz hat eine längere Halbwertszeit als ältere Vertreter. Sie hat den Vorteil, dass sie nur einmal vor der Chemotherapie gegeben werden muss und dann für mehrere Tage wirksam ist, bei einer insgesamt guten Verträglichkeit. Ich setzte dieses Medikament in letzter Zeit immer häufiger ein, weil ich gelernt habe, gezielt nach Übelkeit zu fragen. Wenn man nicht nur nach der akuten Übelkeit fragt, sondern auch nach der verzögerten, die über mehrere Tage anhält und teilweise auch noch nach dem Ende der Chemotherapie vorhanden ist, dann berichten uns die Patienten darüber wesentlich häufiger, das haben wir früher unterschätzt. Diese lang anhaltende Symptomatik lässt sich mit Palonosetron sehr gut verhindern.

Quelle: Riemser
 
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!



Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
CUP
CML
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs
 
ASCO 2017