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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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13. März 2017

Vor der Tumortherapie die Fruchtbarkeit schützen

Mädchen und Frauen, die eine Krebserkrankung erleiden und mit einer Chemotherapie oder Bestrahlungen behandelt werden müssen, können trotz dieser Maßnahmen später vielfach schwanger werden und Kinder bekommen. Dafür muss vor der Tumortherapie eine Behandlung durchgeführt werden, die die Fruchtbarkeit bewahrt. Bereits seit zehn Jahren haben sich über 100 Kinderwunsch-Zentren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in dem Netzwerk FertiPROTEKT* zusammengeschlossen, damit flächendeckend möglichst vielen Patientinnen mit bösartigen Erkrankungen eine solche Chance gegeben werden kann.
Die Einschränkung der Fruchtbarkeit hängt davon ab, wie schwer die Eierstöcke durch die notwendige Krebstherapie beeinträchtigt werden. Deshalb ist es notwendig, bereits vor dem Start der Tumorbehandlung mit geeigneten Mitteln die Fruchtbarkeit zu schützen. Für erwachsene Frauen handelt es sich mittlerweile um voll etablierte Verfahren; für sehr junge Mädchen befinden sich die Konzepte im Aufbau. „Die Methoden dafür stehen uns zur Verfügung. Eines der größten Probleme ist oft die Zeit, denn mit dem Beginn der Krebstherapie kann je nach Grunderkrankung meist nicht mehrere Wochen gewartet werden“, erläuterte PD Dr. med. Nicole Sänger vom Universitätsklinikum Frankfurt (Main) auf der Pressekonferenz des FOKO am 9. März 2017 in Düsseldorf. „Deshalb ist es wichtig, dass Frauen bzw. die Eltern der Kinder und auch die Ärzte, die die Krebserkrankung behandeln, von diesen Möglichkeiten wissen, um noch vor Beginn der Tumortherapie eine Beratung zur Bewahrung der Fruchtbarkeit und gegebenenfalls eine entsprechende Therapie in die Wege einleiten zu können.“ Die PD leitet zusammen mit der Kinderärztin Dr. med Andrea Jarisch das „Frankfurter Modell“, als strukturiert-interdisziplinäres Projekt, in dem gemeinsam mit Kinderärzten, Krebsspezialisten, Kinderwunschärzten, Humangenetikern, Andrologen und Hormonspezialisten sowie dem IVF- Labor des Universitätsklinikums Bonn ein strikter Ablaufplan entwickelt wurde, um vor allem allen krebserkrankten Kindern, die im Klinikum behandelt werden, innerhalb kürzester Zeit eine Beratung und Behandlung zur Bewahrung ihrer Fruchtbarkeit anbieten zu können. Auch junge Patientinnen mit gutartigen Erkrankungen, die eine Stammzelltransplantation benötigen, werden im Rahmen dieses Projekts betreut.

Mädchen vor der Pubertät Gewebe der Eierstöcke erhalten

Was für ein Mädchen getan werden kann, damit es später eigene Kinder bekommen kann, das hängt von seinem Alter und seiner Entwicklung ab: Wenn es noch nicht in der Pubertät ist, so können im Eierstock noch keine reifen Eizellen gefunden werden. „In diesem Fall ist es möglich, Gewebe aus den Eierstöcken zu entnehmen, tiefzufrieren und so lange aufzubewahren, bis das Mädchen erwachsen ist und Kinder bekommen möchte. Dieses Verfahren ist bei erwachsenen Frauen seit Jahren gut etabliert. Später kann  das Gewebe zurücktransplantiert werden und es besteht eine gute Chance, dass das Gewebe wieder angenommen wird und eine Reifung von Eizellen erfolgen kann“, erläutert die Kinderwunschexpertin. 24 Mädchen wurden innerhalb der vergangenen 15 Monate mit diesem Verfahren in Frankfurt behandelt, elf davon vor der Pubertät. Das jüngste war erst zwei Jahre alt. „Die Entnahme und das Wiedereinsetzen des Gewebes sind medizinisch anspruchsvoll. Außerdem müssen vor dem Eingriff mehrere rechtliche Dinge geregelt sein. Leider zahlen die Krankenkassen den Eingriff und die Lagerung des Gewebes für die Rettung der Fruchtbarkeit nicht. Daher erhalten unsere Patientinnen finanzielle Unterstützung von der Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V. Auch die Stelle einer eigens für das Projekt angestellten ärztlichen Koordinatorin wird über den Verein für die kommenden zwei Jahre finanziert, was eine wirklich große Hilfe darstellt.“

Das größte Problem aber, so Sänger, sei die Zeit. Denn meist sind die Kinder bereits schwerkrank, wenn bei ihnen die Krebsdiagnose gestellt wird, so dass sehr zügig mit der Bestrahlung oder Chemotherapie begonnen werden muss. Es ist oft nicht möglich, die Entnahme des Eierstock-Gewebes in Ruhe zu planen, sondern die Entscheidungswege sollten, wenn möglich bereits in der Klinik weitgehend vorbereitet sein.

„Im Grunde genommen sind wir in einem ständigen Bereitschafts-Modus. Optimalerweise sollten Ärzte und Eltern nach der Diagnose sofort daran denken mit einem Kinderwunschzentrum Kontakt aufzunehmen. Auch andere Kliniken haben bereits Mädchen behandelt, so zum Beispiel die Universitätskliniken Lübeck, Düsseldorf oder Erlangen, doch bis zu einer bundesweit flächendeckenden Versorgung ist es noch ein weiter Weg“, so Sänger. Kernproblem der Organisation ist eine reibungslos durchstrukturierte Koordination mehrerer Fachdisziplinen, wie es sie in Frankfurt gibt. Die Motivation, ein solches Konzept umzusetzen, ist allerdings in vielen Zentren sehr hoch. Denn ein Großteil aller Krebserkrankungen können bei Kindern vollständig geheilt werden; und es macht den Eltern oft auch viel Mut, schon weit in die Zukunft zu denken und sich das kranke Mädchen, das sie jetzt im Arm haben, in zwanzig Jahren als gesunde, glückliche Mutter vorzustellen.“

Ab der Pubertät wenn möglich Eizellen entnehmen

Wenn das Mädchen bereits in der Pubertät ist und die Menstruation ein Hinweis darauf ist, dass im Eierstock regelmäßig Eizellen reifen, gibt es ein Verfahren, das schon länger und in sehr viel mehr Kliniken und Zentren eingesetzt wird als die Entnahme des Eierstock-Gewebes: „Wenn wir zwei Wochen Zeit haben, gibt es die Möglichkeit, mit Hormonen die Reifung von mehreren Eizellen anzuregen und diese Eizellen zu entnehmen und einzufrieren“, so Sänger. „Diese Eizellen können später im Rahmen einer künstlichen Befruchtung mit dem Samen des künftigen Vaters befruchtet und der Frau eingesetzt werden.“ Wichtig hierbei ist zu beachten, wie alt das Kind ist und ob schon Geschlechtsverkehr stattgefunden hat, da bei diesem Verfahren die Eizellen über die Scheide entnommen werden. Wenn vor dem Beginn der Krebsbehandlung aber nicht mehr ausreichend Zeit bleibt, dann kann auch bei älteren Mädchen und Frauen Gewebe der Eierstöcke entnommen und tiefgefroren aufbewahrt werden.

All diese Maßnahmen bieten keine 100%ige Sicherheit dafür, dass die junge Krebspatientin später einmal Mutter werden kann. Aber es gibt viele Krebsbehandlungen, die den Körper so belasten, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit in eine dauerhafte Unfruchtbarkeit führen. Wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Krankheit geheilt und ein ausreichend langes Leben als erwachsene Frau erreicht werden kann, ist es deshalb heute immer sinnvoll, die Chancen für eine spätere Elternschaft zu retten. Eine Beratung sollte in jedem Fall erfolgen.

*www.fertiprotekt.com. Viele Kliniken bieten Behandlungszentren an, um die Fruchtbarkeit von Krebspatientinnen und -patienten zu retten. Auf der Fertiprotekt-Homepage stehen weitere Informationen zur Verfügung und zusätzlich ein Suchsystem, um das nächstgelegene Zentrum zu finden.
Berufsverband der Frauenärzte
 
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