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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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01. März 2017

Selbsthilfeprojekt hat Tipps gegen Appetitlosigkeit bei Krebs

Viele Krebspatienten möchten essen, können aber nicht und nehmen immer mehr ab. Ihre Angehörigen sind hilflos. Ein in Deutschland noch einzigartiges Selbsthilfeprojekt will Tipps und Tricks für mehr Genuss im Alltag zeigen. Initiator des in Deutschland noch einzigartigen Selbsthilfepilotprojekts in Reehs Kochschule "Genussvoll essen – gestärkt gegen Krebs" ist die Hessische Krebsgesellschaft.
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Mehr als 200.000 Menschen in Deutschland erkranken nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft jedes Jahr an Krebs. Ganz viele von ihnen fragten in der Beratung danach, wie sie sich jetzt ernähren könnten, berichtet Christina Berg von der Hessischen Krebsgesellschaft. Die veränderten Geschmackssinne führten häufig auch zu Konflikten mit dem Partner oder der Familie. Sie wollten dem Erkrankten etwas Gutes tun und bereiteten die alten Lieblingsgerichte zu. Wenn dem Erkrankten selbst diese plötzlich nicht mehr schmeckten, reagierten die Angehörigen oft enttäuscht oder hilflos.

"Etwa die Hälfte der an Krebs erkrankten Menschen ist mangelernährt", fasst die Techniker Krankenkasse, die das Projekt unterstützt, wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen. "Die Mangelernährung ist für die Prognose der Erkrankten relevant", sagt Ernährungstherapeutin Ingeborg Rötzer vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg und dem Frankfurter Krankenhaus Nordwest. Viele hätten einen so hohen Eiweißbedarf wie Sportler. "Die Patienten sollten unter der Therapie und während der Erkrankung nicht an Gewicht verlieren."

Von den elf Kräutern in Mirko Reehs Küche kommen Estragon und Zitronenmelisse am besten an. Diese Vorliebe berücksichtigt der prominente Koch bei seinen Rezepten. Denn über die Kräuter will er den Teilnehmern seines Workshops wieder den Genuss am Essen näher bringen. Die meisten der zwölf Frauen und Männer sind an Krebs erkrankt, die anderen sind ihre Lebenspartner oder Mütter. Viele der Patienten haben ihren Appetit verloren, finden ihre alten Lieblingsgerichte plötzlich ekelhaft oder haben wegen der Medikamente beim Essen einen metallischen Geschmack im Mund.

So wie eine 51 Jahre alte Frankfurterin, die zusammen mit ihrer 78 Jahre alten Mutter in die Kochschule von Mirko Reeh gekommen ist. Sie habe oft ohne jeden Appetit gegessen, nur um zu essen, weil sie kein Gewicht mehr verlieren durfte und zwischenzeitlich künstlich ernährt werden musste, erzählt die an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte Frau. "Wenn man das Essen dann wieder rausgeben muss, war die Stunde, in der man es sich vorher reingequält hat, umsonst", beschreibt sie den Kampf mit dem Essen. Inzwischen durchlebe sie unterschiedliche Phasen. "Jetzt kann ich alles essen. Allerdings habe ich manchmal gar keinen Geschmack."

Der Kochkurs setze nicht am Mangel an, sondern solle helfen, "Genussmöglichkeiten in den Alltag einzubauen", betont Rötzer. Zimt oder Vanille etwa könnten den metallischen Geschmack überlagern. Auch Minze und Rosmarin, weiche Speisen, Suppen und Soßen machten das Essen oft genussvoller. Und Fisch werde oft besser vertragen als Fleisch. Zwischen Kräutertöpfen, Schneidebrettern, Herd und Ofen tauschen sich die Teilnehmer aus und suchen die richtigen Tipps und Rezepte für sich.

Einer beruflich sehr engagierten Sozialwissenschaftlerin half der auf drei Termine angelegte Workshop dabei, "ein Kochfan zu werden" und "aus meiner Küche meinen neuen Arbeitsplatz zu machen". "Ich habe immer gerne gegessen, aber nie gerne gekocht", beschreibt die 52-Jährige ihr Leben vor dem Krebs. "Jetzt habe ich keinen Magen mehr und muss dessen Funktion durch gründliches Kauen über den Mund kompensieren und mich intensiv mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen", sagt die 1,68 Meter große Frau, die nur noch 44 Kilo wiegt.

"Normale Portionen gehen gar nicht mehr." Besser sei es, kontinuierlich zu essen – kleine Mengen und ganz langsam. Das erfordere einen hohen Organisationsaufwand, sagt die lebensfrohe und optimistische Frau. So hat sie inzwischen ständig eine Tasche mit Essen und etwas zu Trinken dabei und weiß: "Das ist eine neue Lebensaufgabe."

"Ich musste erst lernen, zu sagen, ich kann nicht schneller, wenn die anderen schon beim zweiten Gang waren und ich noch bei der Vorspeise", erzählt die fröhliche Frau. "Ich vertrage wieder, was ich früher gerne gegessen habe." Allerdings hat sie immer noch häufig Bauchschmerzen und muss gelegentlich über einen sogenannten Port unterhalb des Schlüsselbeins künstlich ernährt werden.

Der Kurs, zu dem sie ihr älterer Bruder begleitete, habe ihren Appetit wieder angeregt. "Zusammen kochen tut unheimlich gut. Das macht Freude und gibt positive Energie." Von Reeh habe sie viele Tricks und Rezeptideen für die Zubereitung gelernt.
dpa
 
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