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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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20. November 2013

Risiko Überbehandlung

Krebsfrüherkennung sucht nach Krebs in symptomfreien Menschen. Sie kann Nutzen stiften: Ein tatsächlich bösartiger Krebs wird in einem frühen Stadium entdeckt und aufgrund des Vorhandenseins einer adäquaten Behandlung die Wahrscheinlichkeit eines Krebstodes gesenkt. Sie kann aber auch Schaden verursachen: durch Überdiagnose und Überbehandlung, sagte Dr. Odette Wegwarth, deren Studie in der medizinischen Fachzeitschrift "JAMA Internal Medicine" veröffentlicht wurde.

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Überdiagnose ist das Detektieren von Pseudokrebs - Gewebsveränderungen, welche der pathologischen Definition von Krebs genügen, jedoch nie zu einem Tumor voranschreiten, der Symptome oder gar Tod verursacht. Die Konsequenz der Überdiagnose ist Überbehandlung - Operationen, Chemotherapien und Strahlenbehandlungen, welche dem überdiagnostizierten Menschen keinen Überlebensnutzen, sondern lediglich körperlichen und seelischen Schaden bringen. Im Falle der Brustkrebsfrüherkennung mittels Mammografie stehen zum Beispiel jeder vor dem Brustkrebstod bewahrten Frau 10 überdiagnostizierte und überbehandelte Frauen gegenüber. Vergegenwärtigt man sich, dass rund 90% aller amerikanischen Frauen über 40 Jahre angeben, am Mammographie-Screening teilzunehmen, dann vermag man das Ausmaß der realen Überbehandlung in der Bevölkerung zu erahnen.

Werden Menschen, die an der Krebsfrüherkennung teilnehmen, von ihren Ärzten über die Möglichkeit der Überdiagnose und Überbehandlung informiert? Und welches Ausmaß an Überbehandlung sind Menschen bereit zu tolerieren?

Um das zu erfahren, befragten wir 317 amerikanische Männern und Frauen in genau jenen Altersgruppen, welche die Krebsfrüherkennung am häufigsten nutzen: die 50 bis 69-Jährigen. 19,9% der Befragten gaben an, regelmäßig an einer Krebsfrüherkennung teilzunehmen, 36% an zwei Früherkennungen, 27,1% an dreien und 17% berichteten, derzeit an keinerlei Früherkennung teilzunehmen. Die am häufigsten genutzte Früherkennung bei Frauen war die Mammografie und bei Männern das PSA-Screeening und die Darmkrebsfrüherkennung. Obwohl somit 83% aller Befragten routinemäßig an einem oder mehreren Früherkennungsverfahren teilnahmen, hatten dennoch nur 9% (n = 30) aller Befragten jemals etwas von der Möglichkeit der Überdiagnose und Überbehandlung im Zusammenhang mit der Krebsfrüherkennung von ihrem Arzt gehört. Lediglich 9 dieser 30 Informierten sagten ferner, dass ihr Arzt das Überbehandlungsrisiko auch quantifiziert habe. Nach dem vermittelten Wert befragt, lieferten jedoch alle Teilnehmer entweder eine Über- oder Unterschätzung des derzeitig für die jeweilige Früherkennung bekannten Ausmaßes an Überbehandlung.

In starkem Kontrast zu dem Mangel an Information stand der Wunsch nach Information: 80% alle Befragten gaben an, dass sie von ihrem Arzt über das Ausmaß der möglichen Überbehandlung informiert werden wollen, und das, bevor sie sich einer Krebsfrüherkennung unterziehen.

Unsere Befragten machten ferner unterschiedliche Kompromisse zwischen dem Nutzen und dem Schaden der Früherkennung in Abhängigkeit davon, ob es um Entscheidungen zu einer derzeit noch nicht genutzten oder einer bereits genutzten Krebsfrüherkennung ging: Ging es um eine derzeit noch nicht genutzte Früherkennung, würde die Mehrheit die Früherkennung nur beginnen, wenn sie in maximal einer überbehandelten Person pro einer vor dem Krebstod geretteten Person resultiere. Ging es jedoch um eine bereits genutzte Früherkennung, war die Mehrheit bereit, auch dann weiter an dieser Früherkennung teilzunehmen, wenn sie in 10 überbehandelte Personen pro einer vor dem Krebstod geretteten Person resultiere.

Der Mangel an Wissen auf Seiten der Patienten mag sich im Mangel an Wissen auf Seiten der Ärzte begründen: In einer Studie mit über 400 US Ärzten waren 60 bis 70% aller Ärzte nicht in der Lage, uns korrekte Angaben zur Überbehandlung bei PSA- und Mammographie-Screening zu machen.

Literaturhinweis:
Wegwarth, O. & Gigerenzer, G. (2013).
Overdiagnosis and Overtreatment: Evaluation of what physicians tell their patients about screening harms.
JAMA Intern Med. doi:10.1001/jamainternmed.2013.10363.

Quelle: Max Planck Institute for Human Development
 
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