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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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20. April 2016

Polycythaemia vera: Für erfolgreiche Therapie ist Hautmonitoring entscheidend

Die zytoreduktive Standardtherapie der Polycythaemia vera (PV) mit Hydroxyurea/ Hydroxycarbamid (HU) führt bei längerer Gabe häufiger zu Nebenwirkungen an der Haut als bisher angenommen (1). Schwere hauttoxische Nebenwirkungen von HU (HU-Intoleranz) machen ein Absetzen dieser Therapie notwendig (2). Der JAK1/2-Inhibitor Jakavi® (Ruxolitinib) ist bei HU-Intoleranz wirksam (3). Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Hämatoonkologen und Dermatologen kann die Therapiesicherheit für Patienten mit PV erhöhen (4).  
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Hydroxyurea (HU) stellt nach den aktuellen Leitlinien eine der zytoreduktiven Standardtherapien bei Polycythaemia vera (PV) dar (5). Mit dieser Behandlung kann in bis zu 70% der Fälle eine Kontrolle von Erythrozytose und Thrombozytose erreicht werden (6). In einer retrospektiven Studie bei 110 Patienten führte HU allerdings bei 54% der Patienten zu Nebenwirkungen an der Haut (1). 12,3% der Patienten entwickelten Ulzera an den unteren Extremitäten (1). „Wir sehen eine deutlich höhere Rate an Ulzera. Es sind nicht nur 5% (7), wie in der Literatur berichtet, sondern mehr als das Doppelte, wenn wir nur hinschauen“, erläuterte Prof. Dr. Martin Griesshammer, Chefarzt für Hämatologie und Onkologie am Johannes Wesling Klinikum in Minden, anlässlich eines Expertentreffens (4) und ergänzte: „Was uns besonders besorgt, sind maligne und semimaligne Läsionen bei HU-Therapie, die wir bei Patienten ohne HU-Behandlung überhaupt nicht gesehen haben.“ Prof. Dr. Rudolf Stadler, Chefarzt für Dermatologie, Venerologie, Allergologie am Johannes Wesling Klinikum in Minden, erklärte: „Es gibt weltweit eine immer bessere Evidenz für Plattenepithelkarzinome und ihre Vorstufen unter HU" (8).

HU-Intoleranz erfordert Behandlungsabbruch

In der in Minden und Ulm durchgeführten retrospektiven Studie waren Hauttoxizitäten bei etwa 15% der 110 Patienten für einen Behandlungsstopp verantwortlich (1). „Das Auftreten von Ulzera an den Beinen muss ein sofortiges Absetzen von Hydroxyurea nach sich ziehen, denn eine Dosisreduktion ist dann keine Alternative“, betonte Prof. Griesshammer. Beinulzera und Hautkrebs bzw. Hautkrebsvorstufen wie auch andere schwere Toxizitäten, z.B. mukokutane oder gastrointestinale Nebenwirkungen, unter der HU-Therapie entsprechen den Kriterien einer HU-Intoleranz (2).

Ruxolitinib ist bei HU-Intoleranz wirksam

Zugelassen für die Therapie bei HU-refraktärer oder HU-intoleranter PV ist der Januskinase(JAK)1/2-Inhibitor Jakavi® (Ruxolitinib) (3). Ruxolitinib ermöglicht eine lang anhaltende Hämatokrit-Kontrolle, senkt das Risiko thromboembolischer Ereignisse, reduziert deutlich die Symptomlast und trägt damit zu einer gesteigerten Lebensqualität von PV-Patienten bei (9). Insbesondere belastende Symptome wie Juckreiz, Fatigue und Schlafstörungen werden anhaltend reduziert (10). Behandlungsabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen sind mit 4,5% selten (10).

Therapie mit HU erfordert Hautmonitoring

Die Experten forderten in Minden von betreuenden Hämatoonkologen wie von Dermatologen eine erhöhte Aufmerksamkeit für kutane Nebenwirkungen der HU-Therapie und eine regelmäßige Hautkontrolle der PV-Patienten, die mit HU behandelt werden. „Bei den onkologischen Kontrolluntersuchungen sollte man sich immer auch die Beine anschauen“, empfahl Prof. Dr. Michael Koenigsmann, niedergelassener Hämatoonkologe aus Hannover. Patienten sollten zudem die Hautkrebsfrüherkennungs-Untersuchung beim Dermatologen wahrnehmen, über mögliche Nebenwirkungen von HU an der Haut informiert sein und auf eine geeignete Hautpflege und ausreichenden Sonnenschutz hingewiesen werden, so das Expertenpanel. Dr. Attila Stephan Antal, niedergelassener Dermatologe aus Mühldorf am Inn, regte eine engere Zusammenarbeit zwischen Hämatoonkologen und Dermatologen an, um die Betreuung der Patienten mit PV auf Facharztniveau zu gewährleisten.

Die retrospektiv in Minden und Ulm gewonnenen Daten zur Hauttoxizität unter der Therapie mit HU werden derzeit um prospektive ergänzt, um die Validität der Daten zu erhöhen.
Novartis
Literatur:
(1) Griesshammer M, Stegelmann F, Schauer S et al.: Hydroxyurea significantly increases skin toxicity in patients with myeloproliferative neoplasms: Results of a non-interventional observational trial of 110 MPN patients. Oncol Res Treat 2014; 37(suppl 5):Abstract V617.
(2) Barbui T, Barosi G, Birgegard G et al.: Philadelphia-Negative Classical Myeloproliferative Neoplasms: Critical Concepts and Management Recommendations From European LeukemiaNet. J Clin Oncol 2011; 29:761-770.
(3) Fachinformation Jakavi®. Stand Oktober 2015.
(4) Expertenpanel „Hämatologisch-Dermatologische Fragestellungen bei Polycythaemia vera“ am 16. März 2016 in Minden.
(5) Lengfelder E, Baerlocher GM, Gisslinger H et al.: DGHO-Leitlinie „Polycythaemia Vera (PV)“. Stand März 2016. Online verfügbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/polycythaemia-vera-pv/@@view/pdf/index.pdf?filename=polycythaemia-vera-pv.pdf. Letzter Zugriff: 14. April 2016.
(6) Weinfeld A, Swollin B, Westin J: Acute leukaemia after hydroxyurea therapy in polycythaemia vera and allied disorders: prospective study of efficacy and leukaemogenicity with therapeutic implications. Eur J Haematol 1994; 52:134-139.
(7) Latagliata R, Spadea A, Cedrone M et al.: Symptomatic mucocutaneous toxicity of hydroxyurea in Philadelphia chromosome-negative myeloproliferative neoplasms: the Mister Hyde face of a safe drug. Cancer 2012; 188:404-409.
(8) Antar A, Ishak RS, Otrock ZK et al.: Successful treatment of hydroxyurea-associated chronic leg ulcers associated with squamous cell carcinoma. Hematol Onco Stem Cell Ther 2014; 7:166-169.
(9) Vannucchi AM, Kiladjian JJ, Griesshammer M et al.: Ruxolitinib versus standard therapy for the treatment of polycythemia vera. N Engl J Med 2015; 372:426-435.
(10) Kiladjian JJ, Vannucci AM, Griesshammer M et al.: Ruxolitinib versus Best Available Therapy in Patients with Polycythemia Vera: 80-week Follow-up from the RESPONSE Trial. 20th Congress of the European Hematology Association (EHA) Vienna, Austria, 2015:Abstract S447.
 
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