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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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10. November 2016

Pathogenese-Verständnis und Supportivtherapie als tragende Säulen moderner Tumortherapien

Im Rahmen eines Media-Dialogs anlässlich des DGHO ging Prof. Michael Geißler, Esslingen, auf die Heterogenität beim Kolorektalkarzinom ein, die eine retrospektive Analyse der Studien FIRE-3 und CRYSTAL bei RAS-Wiltyp gerade erneut bestätigt hat (1): Rechts- oder Linksseitigkeit des Tumors sind wichtige Prognosefaktoren, die die bereits definierten molekularen Konsensus-Subgruppen CMS1-4 (2) ergänzen.
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Auch PRIME- und PEAK-Studie weisen in die Richtung, dass mit Panitumumab + FOLFOX bei linksseitigen Tumoren mit RAS-WT das höchste Gesamtüberleben erzielt werden kann (3), während rechtsseitige Tumoren weniger profitieren, sagte er. "Da die RAS-WT-Tumorpopulation jedoch eine inhomogene Gruppe ist, müssen erst weitere Biomarker gefunden werden, bevor man aufgrund der Rechtsseitigkeit eines Tumors eine valide Therapieentscheidung treffen kann", sagte Geißler.

"Bei linksseitigen RAS- und BRAF-Wildtyp-Kolorektalkarzinomen wird man künftig Chemotherapie mit antiEGFR-Target-Therapie einsetzen. Ich gehe außerdem auch davon aus, dass künftige Studien für BRAF-mutierte Karzinome zeigen werden, dass diese von Immuntherapie firstline stärker profitieren als von Chemotherapie, weil BRAF-mutierte Tumoren meist dem Subtyp CMS 1 – mit dem Charakteristikum immunogener und mikrosatelliteninstabiler Tumor – zuzuordnen sind. "Je weiter das Verständnis der Pathogenese voranschreitet, desto besser wird man therapieren können", schloss er.

Supportivtherapie tragende Säule jeder Tumortherapie

Dem Thema Supportivtherapie widmete Prof. Hartmut Link, Kaiserslautern, seinen Vortrag; zur Osteoprotektion und als fester Bestandteil jeder Tumortherapie werde die Leitlinie noch zu wenig umgesetzt. "Wenn der Patient mit neudiagnostizierter Tumorerkrankung mit der Behandlung beginnt, redet der Arzt mit ihm bei den ersten beiden Terminen über die Therapie – und bei den nächsten 8 Terminen reden sie über Nebenwirkungen." Die Supportivtherapie ist eine tragende Säule zum Erhalt der Lebensqualität des Patienten unter Therapie. So treten bei Knochenmetastasen häufig Brüche (SREs) oder sogar Kompressionen des Rückenmarks auf, die zur – auch notfallmäßigen – Hospitalisierung führen.

Auch Knochenschmerzen beeinträchtigen das Befinden der Patienten deutlich, sagte Link. Eine antiresorptive Therapie bei Knochenmetastasen soll Komplikationen verzögern oder möglichst verhindern; dabei hat sich RANKL-Inhibitor Denosumab gegenüber Zoledronsäure bezüglich der Zeit bis zur ersten SRE (4) und bis zur Schmerzprogression (5) überlegen gezeigt. Eine retrospektive Analyse bei Patienten mit Prostata-, Urothelkarzinom oder RCC sowie Knochenmetastasen, die Zoledronsäure erhielten, hat gezeigt, dass sich die Nierenfunktion derjenigen, die auf Densosumab umgestellt wurden, innerhalb von 3 Monaten signifikant verbesserte (Kreatinin-Clearance: 40,9 ml/min vs. 47,5 ml/min) (6).

Für den Einsatz einer Neutropenieprophylaxe gelte es ebenfalls, so Link, die Leitlinien einzuhalten, um das Risiko febriler Neutropenien (FN) gering zu halten: Das Risiko muss vor jedem Chemotherapiezyklus neu beurteilt werden und bei >20% FN-Wahrscheinlichkeit muss eine G-CSF-Prophylaxe erfolgen, sagte er. Zur Risiko-Beurteilung des Chemotherapie-Regimes kommen patientenbezogene Risiken wie höheres Alter, weibliches Geschlecht, Anämie, Kachexie oder Infektionen. "Eine von uns durchgeführte Umfrage bei Patienten mit Lungen- oder Mammakarzinom (7) hat gezeigt, dass im Vergleich mit dem Jahr 2012 die EORTC-Leitlinie  bei Lungenkarzinompatienten mit hohem FN-Risiko zwar deutlich besser eingehalten wird (47,8% in 2015 vs. 15,4% in 2012), dass im Umkehrschluss aber immer noch bei 52,2% der Patienten der Standard nicht erfüllt werde, sagte Link. Ganz anders sei die Situation beim Mammakarzinom, hier würden wie in 2012 auch in 2015 über 85% der Patientinnen, die ein Chemotherapie-Regime mit hohem FN-Risiko erhalten, leitliniengerecht behandelt. Nimmt man beide Entitäten zusammen und differenziert nach zertifizierten und nicht zertifizierten Zentren, wird klar, dass die von OnkoZert, DGHO oder CCC zertifizierten Zentren mit 80,3% die Empfehlungen bei hohem FN-Risiko einhalten, während dies bei nicht zertifizierten Zentren immerhin bei 72,4% der Fall ist.

"Eine febrile Neutropenie führt zur Hospitalisierung, zur Dosisreduktion oder Zyklusverschiebung der Chemotherapie und damit zu einer verringerten Überlebensrate. Die Einhaltung der Prophylaxe-Empfehlungen ist gegenüber 2012 zwar deutlich besser geworden, doch gerade beim Lungenkarzinom zeigt sich ein Optimierungsbedarf", schloss Link.

ab
Amgen MediaDialog "Bereit für die Zukunft; Hämatologie & Onkologie", anlässlich des DGHO, Leipzig, 14.10.2016
Literatur:
(1) Guinney J et al. Colorectal Cancer Subtyping Consortium (CRCSC) identification of a consensus of molecular subtypes. Nature Medicine (2015) doi:10.1038/nm.3967
(2) Tejpar Set al. Prognostic and Predictive Relevance of Primary Tumor Location in Patients With RAS Wild-Type Metastatic Colorectal Cancer, Retrospective Analyses of the CRYSTAL and FIRE-3 Trials
(3) Boeckx N et al. Ann Oncol 2016;27(Suppl 6):#89P
(4) Lipton A et al. Eur J Cancer 2012;48:3082-92
(5) Cleeland CS et al. Ann Oncol 2010,21(Suppl 15):viii379 (#1248P)
(6) Yamasaki M et al. Int J Clin Oncol 2016: doi: 10.1007/s10147-016-1019-4
(7) Link H et al, SCC 2016, P948
 
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