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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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16. Juni 2014

Niedergelassene Onkologen: "Lange Wartezeiten? Nicht mit uns"

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hat in einer Telefonstichprobe bei Fachärzten teils monatelange Wartezeiten ermittelt. Zudem erhielten Privatpatienten bevorzugt Termine. Hätten die Journalisten niedergelassene Krebsspezialisten kontaktiert, wäre das Ergebnis anders ausgefallen: Auch ohne gesetzliche Regelung wartet kein Patient länger als vier Wochen auf einen Termin. Die allermeisten Patienten bekommen ihren Termin innerhalb von Tagen.

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Die Journalisten der FAS hatten für ihren Artikel in der Ausgabe vom 8. Juni 2014 in zehn Städten in Deutschland niedergelassene Fachärzte unterschiedlicher Fachrichtungen teilweise mehrfach angerufen und um einen Termin gebeten. Dabei gelang es den Anrufern in vier von zehn Fällen nicht, innerhalb von vier Wochen einen Termin zu bekommen. Gaben sich die Anrufer als Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu erkennen, erhielten sie in nicht einmal der Hälfte der Fälle einen Termin innerhalb von vier Wochen. Hintergrund der Telefonaktion ist eine aktuelle Gesetzesinitiative. Mit ihr will das Bundesgesundheitsministerium die niedergelassenen Fachärzte dazu verpflichten, künftig Termine innerhalb von maximal vier Wochen zu vergeben. Niedergelassene Hämatologen und Onkologen wurden bei der Telefonaktion nicht kontaktiert.

Niedergelassene Krebsspezialisten: Patienten sind hoch zufrieden

Differenzierung tut not: Weder ist Termin gleich Termin noch ist Facharzt gleich Facharzt. Im Gegensatz zur nicht wissenschaftlichen Befragung der FAS verfügen die niedergelassenen Krebsspezialisten in Deutschland über ein eigenes wissenschaftliches Institut (WINHO), das über 11.000 Patienten in mehr als 250 Praxen befragt hat. Die Ergebnisse zeichnen ein deutlich anderes Bild als die FAS-Telefonaktion. Nicht nur sind lange Wartezeiten bei niedergelassenen Krebsspezialisten kein Thema. Es gibt auch überhaupt keine Hinweise darauf, dass Privatpatienten gegenüber gesetzlich krankenversicherten Patienten bevorzugt würden. Insgesamt wurden über 11.000 Patienten befragt. Von jenen Patienten, die in der GKV versichert sind, waren 92% mit der Terminvergabe und 79% mit den Wartezeiten hoch zufrieden. Diese Quoten liegen sogar geringfügig höher als bei Privatpatienten, bei denen 91% bzw. 77% mit Terminvergabe bzw. Wartezeiten zufrieden waren.

Gut versorgt und emotional unterstützt

"Niedergelassene Krebsspezialisten versorgen in Deutschland pro Jahr gut 600.000 Krebspatienten wohnortnah und ganz individuell. Kein Patient wartet länger als vier Wochen auf einen Termin", betont Prof. Dr. Stephan Schmitz, Vorsitzender des Berufsverbands der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland - BNHO e.V.. "Wir betreiben auch keine Zweiklassenmedizin, sondern behandeln jeden Patienten mit gleicher Dringlichkeit und nach den aktuellsten medizinisch-wissenschaftlichen Standards." Die hohen Zufriedenheitswerte in der Erhebung des WINHO zeigen, dass die Patienten dieses Engagement zu schätzen wissen. Sie fühlen sich nicht nur medizinisch gut versorgt, sondern auch emotional unterstützt.

Patienten schätzen das deutsche ambulante Facharztsystem

"Eine so persönliche und kontinuierliche Betreuung von Patienten können Krankenhausambulanzen nicht ansatzweise bieten. Schon deswegen sollten niedergelassene Fachärzte besser gesundheitspolitisch gestärkt als durch fragwürdige Gesetzesvorhaben drangsaliert werden", so Schmitz.

Die Kampagne zur Wartezeitproblematik, die auch von der FAS unkritisch übernommen und publiziert worden ist, hat einen spezifischen Hintergrund. Seit Jahren wird unter dem Kampfbegriff der "doppelten Facharztschiene" von bestimmten politischen Richtungen suggeriert, dass Krankenhäuser die meisten fachärztlichen Patienten selbst versorgen könnten, und dass die Medizin dadurch viel Geld sparen würde. Dies gilt für Krebspatienten und die niedergelassenen Krebsspezialisten definitiv nicht.

Es gibt überhaupt keinen Anhalt dafür, dass eine Austrocknung der ambulanten fachärztlichen Versorgung das deutsche Gesundheitswesen billiger machen würde. Wer das deutsche ambulante Facharztsystem erhalten will, sollte die freiberuflichen Fachärzte politisch stärken und nicht versuchen, durch ein Wartezeitengesetz an Symptomen herumzudoktern.

Quelle: Stellungnahme des BNHO e.V. zum Artikel "Fünf Wochen auf den Arzt warten" in der FAS vom 8. Juni 2014
 
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