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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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10. August 2016

Neue Standards in Erstlinien- und Rezidivtherapie des Mantelzell-Lymphoms etabliert

Mithilfe von europaweiten Studien konnten in jüngster Zeit neue Standards sowohl in der Erstlinientherapie als auch in der Rezidivtherapie des Mantelzell-Lymphoms etabliert werden. Geplant und durchgeführt wurden die Studien vom Europäischen Mantelzell-Lymphom Netzwerk (EMCLN) unter der Federführung von Prof. Martin Dreyling, der in der Medizinischen Klinik III des Klinikums der Universität München die Forschungsgruppe mit dem Schwerpunkt Lymphome leitet.
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In Deutschland erhalten jährlich etwa 20.000 Menschen die Diagnose "Malignes Lymphom“: Sie leiden an einer Krebserkrankung des lymphatischen Systems, das als Teil des Immunsystems normalerweise der Abwehr von Krankheitserregern dient. Maligne Lymphome sind eine Gruppe von Erkrankungen, die rund 40 Unterarten umfasst. Dazu gehört auch das Mantelzell-Lymphom (MCL), das zu den hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen gezählt wird: Bösartig veränderte Mantelzell-Lymphomzellen häufen sich in den Lymphknoten und anderen lymphatischen Organen bzw. Geweben wie dem Knochenmark an und verdrängen gesunde Zellen; bei bis zu 6 von 10 Patienten dringen Zellen des Mantelzell-Lymphoms auch in den Magen-Darm-Trakt ein. Die Krankheit ist meist durch einen aggressiven Verlauf gekennzeichnet: Bei rund 80% der Patienten schreitet die Erkrankung so rasch voran, dass sie innerhalb von 3 bis 5 Jahren zum Tod führt.

Methode der Wahl ist die Hochdosistherapie mit Stammzelltransplantation, allerdings kommt sie wegen der großen körperlichen Belastung für viele Patienten nicht in Frage. Grundlage der meisten alternativen Therapieansätze sind chemotherapeutische Wirkstoffe, die in unterschiedlicher Kombination und Dosierung eingesetzt werden. Die Medizinische Klinik III des LMU-Klinikums mit ihren Schwerpunkten Hämatologie und Onkologie gehört zu den Initiatoren eines europaweiten Netzwerks, das mithilfe von groß angelegten Studien verifiziert, welches Therapiekonzept im Einzelfall das bestmögliche Behandlungsergebnis verspricht bzw. welche neuen Therapiestandards noch bessere Voraussetzungen für eine risiko-, alters- und stadienangepasste Behandlungsstrategie bieten.

„Mithilfe der klinischen Therapiestudien hat sich die Behandlung eines Mantelzell-Lymphoms in den letzten Jahren stetig verbessert. In vielen Fällen gelingt es heute, das Voranschreiten der Erkrankung über einen längeren Zeitraum zurück­zudrängen“, sagt Prof. Dreyling. Als Koordinator des Europäischen Mantelzell-Lymphom Netzwerks, für das sich Ärzte und Wissenschaftler in insgesamt 15 europäische Studiengruppen zusammengeschlossen haben, ist Prof. Dreyling an der Planung und Durchführung der Studien federführend beteiligt.

Bessere Prognose durch neue Therapieansätze

Gerade hat das Europäische MCL Netzwerk im Fachblatt Lancet das Ergebnis seiner jüngsten Phase-III-Studie veröffentlicht, wonach Patienten mit neu diagnostiziertem Mantelzell-Lymphom, die jünger als 65 Jahre sind, eine bessere Prognose haben, wenn sie vor der autologen Stammzell-Transplantation zunächst mit hochdosiertem Cytarabin zur Immunchemotherapie behandelt werden. Dabei war die Zeit bis zum Therapieversagen bei Zugabe von Cytarabin mit 9,1 Jahren im Median signifikant länger als in der Kontrollgruppe mit 3,9 Jahren. Insgesamt lag das Ansprechen in der Studie mit 497 Patienten bei 94%. „Die Studie bestätigt, dass diese Patientengruppe erheblich davon profitiert, wenn die Erstlinientherapie durch die Hinzunahme von Cytarabin intensiviert wird“, so Prof. Dreyling.  

Auch für die Rezidivtherapie konnten mithilfe einer Studie wegweisende Erkenntnisse für die Etablierung neuer Therapiestandards gewonnen werden. „Leider gehört es zum Wesen eines MCL, dass viele Patienten relativ früh einen Rückfall mit entsprechend schlechter Prognose erleiden“, erklärt Prof. Dreyling. Deshalb führten die Mediziner um Dreyling in Zusammenarbeit mit dem Europäischen MCL Netzwerk eine Phase-III-Studie durch, bei der die beiden Medikamente Ibrutinib und Temsirolimus gegeneinander getestet wurden. Dabei erwies sich Ibrutinib als deutlich effektiver und zudem als besser verträglich. „Mit Ibrutinib haben wir jetzt eine Monotherapie als Option in der Behandlung dieser Patientengruppe“, sagt Prof. Dreyling.

Dass sich weiterhin möglichst viele Patienten in Studien behandeln lassen, ist auch für die Überprüfung und Etablierung künftiger Behandlungsstrategien des Mantelzell-Lymphoms von großer Bedeutung. „Diese Patienten können zudem sicher sein, dass sie nach dem neuesten Stand des Wissens behandelt werden und ihr Krankheitsverlauf engmaschig von Fachleuten kontrolliert wird“, betont Prof. Dreyling.

Die Medizinische Klinik III ist eine der größten nationalen Abteilungen für Hämatologie und Onkologie. Speziell werden große nationale (GLSG: Deutsche Studiengruppe für niedrig maligne Lymphome) und internationale Studiengruppen (Europäisches MCL-Netzwerk) von der Medizinischen Klinik III geleitet. Darüber hinaus sind Mitarbeiter der Klinik federführend an nationalen (Oncopedia der DGHO: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie) und europäischen Guidelines (ESMO: European Society of Medical Oncology) für follikuläre und Mantelzelllymphome beteiligt und koordinieren die Ausarbeitung einer S3-Richtlinie für follikuläre Lymphome.
Klinikum der Universität München, Medizinische Klinik III Campus Großhadern
Literatur:
 
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