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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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13. April 2017 Seite 1/2

Hochdurchsatz-Sequenzierung in der Neuropathologie

Rund 8.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an Hirntumoren. Unter den hirneigenen Tumoren sind die von den Stützzellen des Gehirns ausgehenden Gliome mit sechs Erkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr am häufigsten. Bei ungefähr der Hälfte dieser Patienten wird dabei ein Glioblastom festgestellt. Hoffnung geben neue molekularpathologische Verfahren, mit denen Hirntumoren viel genauer diagnostiziert und individuell für Patienten gezielte Therapieansätze identifiziert werden können. Große Fortschritte wurden in den letzten Jahren durch neue Erkenntnisse zu den molekularen Veränderungen erzielt, die für die Entstehung und das Wachstum von verschiedenen Hirntumorarten verantwortlich sind. Unterschiedliche Hirntumoren zeigen dabei verschiedene Modifikationen. Diese können im Tumorgewebe durch neuartige molekularpathologische Methoden bestimmt werden und als Biomarker die Diagnosestellung erheblich verbessern. Außerdem können sie das Ansprechen auf bestimmte therapeutische Wirkstoffe vorhersagen und somit zu einer gezielteren Behandlung des einzelnen Patienten genutzt werden.
 
„Bösartige Gliome wie das Glioblastom haben die Eigenschaft, diffus in das angrenzende Gehirngewebe einzuwachsen. Dadurch ist eine vollständige chirurgische Entfernung sämtlicher Tumorzellen meist nicht möglich“, erklärt Prof. Dr. med. Guido Reifenberger vom Institut für Neuropathologie der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf. „Im Anschluss an die Operation ist daher eine Strahlen- und Chemotherapie notwendig, um die verbliebenen Tumorzellen zu bekämpfen. Allerdings können auch dadurch meist nicht alle Tumorzellen abgetötet werden und der Tumor entwickelt sich erneut, das heißt es kommt zu einem Tumorrezidiv.“

Molekulare Biomarker verbessern die Diagnostik von Hirntumoren
„Die molekulare Diagnostik hat inzwischen eine wesentliche Bedeutung bei der Klassifikation von Hirntumoren erlangt. Einer der zentralen Tests für Gliome bezieht sich auf den Nachweis von Mutationen in den Genen Isozitratdehydrogenase 1 und 2. Hierdurch werden biologisch und prognostisch unterschiedliche Arten von Gliomen zuverlässig unterschieden“, betont Prof. Reifenberger. „Bei der Bildung von Hirntumoren kommt es durch mutierte Proteine zu zahlreichen Veränderungen in den Zellprozessen, die das Zellwachstum fördern oder die gegen den Tumor gerichtete Immunabwehr hemmen. Die molekulare Diagnostik liefert ein breites Spektrum an Informationen, über die wir unterschiedliche Hirntumoren genauer voneinander abgrenzen können. Je nach Mutation können dann gegebenenfalls gezielt Medikamente eingesetzt und eben auch präzisere Vorhersagen über die Entwicklung des Tumors gemacht werden.“

Die molekularen Verfahren erlauben zudem Aussagen, wie einzelne Tumoren auf Strahlen- oder Chemotherapie ansprechen. In der Regel erhalten Patienten mit einem Glioblastom eine Kombination beider Therapieformen. Insbesondere bei älteren Patienten ist diese Kombination aber manchmal zu belastend. Hier kann dann ein bestimmter Biomarker, der sogenannte MGMT-Test, vorhersagen, ob bei dem Patienten eher eine Strahlentherapie oder eine Chemotherapie wirksam ist.
 
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