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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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10. Dezember 2013

Multiprofessionelle Supportivtherapie bei Krebspatienten: Präventive Konzepte gegen Nebenwirkungen können den Therapieerfolg der Chemotherapie sichern

Nebenwirkungen einer Chemotherapie können zu Dosisreduktion oder Abbruch zwingen und damit insbesondere in der kurativen Situation den möglichen Therapieerfolg gefährden. Eine umfassende supportive Therapie in enger Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegekräften sollte daher von Anfang an immer mit zum Therapiekonzept gehören.

Ist das Therapieziel die Heilung, wie bei adjuvanter Chemotherapie des Mammakarzinoms, so ist die Verbesserung der Therapietoleranz bei Erhalt der Lebensqualität vorrangiges Ziel der Supportivtherapie, sagte PD. Dr. Gülten Oskay-Özcelik, Fachärztin für gynäkologische Onkologie aus Berlin. Anders ist die Situation dagegen im palliativen Setting: Hier steht der Erhalt der Lebensqualität durch Linderung krankheits- und therapiebedingter Symptome im Vordergrund.

Viele Nebenwirkungen der Chemotherapeutika lassen sich von vornherein absehen und es stehen entsprechende präventive Konzepte zur Verfügung. Dazu gehört das rechtzeitige Erkennen und Behandeln einer Anämie, die zu Fatigue beitragen kann. Mehr als 50% der Tumorpatienten entwickeln eine Fatigue, die viele als besonders belastend empfinden. Bluttransfusionen bieten in dieser Situation zwar eine schnelle Anämiekorrektur, sind aber immer auch mit Risiken verbunden. Bei einer Anämie unter Chemotherapie mit einem Abfall des Hämoglobin-Werts unter 9-11 g/dl wird der Einsatz von Erythropoese-stimulierenden Wachstumsfaktoren (ESA) empfohlen, ggf. in Verbindung mit einer intravenösen Eisensubstitution. Die orale Gabe von Eisen ist bei Krebspatienten nicht sinnvoll.

Wachstumsfaktoren zur Prophylaxe der febrilen Neutropenie

Auch die febrile Neutropenie ist eine gefürchtete Nebenwirkung, die lebensbedrohliche Infektionen nach sich ziehen kann und die häufiger zu Dosisreduktionen und Zyklusverschiebungen führt. Die prophylaktische Behandlung mit G-CSF (Granulocyte colony stimulating factor) gehört bei bestimmten Chemotherapie-Regimen mit besonders hohem Risiko (> 20%) von Anfang an zum Therapiekonzept. Aber auch bei geringerem Risiko und Vorliegen weiterer Risikofaktoren wie hohes Alter, schlechter Allgemein- und Ernährungszustand, erhebliche Vortherapien, Bestrahlung, fehlende Tumorkontrolle oder Komorbiditäten kann eine G-CSF-Prophylaxe indiziert sein.

Antiemetische Konzepte konsequent umsetzen

Übelkeit und Erbrechen sind trotz der heute zur Verfügung stehenden potenten  antiemetischen Medikamente immer noch eine sehr häufige Symptomatik. Neben Medikamenten mit bekanntem emotogenen Potential tragen auch hier individuelle Faktoren zum Risiko bei. Hier nannte die Onkologin z.B. späte Tumorstadien mit Metastasierung, weibliches Geschlecht, jüngeres Alter (< 50 Jahre), nur geringe Alkoholerfahrung, Schlafdefizit und vor allem auch negative Erfahrungen bei Vortherapien. Bei einem hohen Gesamtrisiko sollte bereits ab dem ersten Zyklus routinemäßig eine bestmögliche  Prophylaxe durchgeführt werden, um Übelkeit und Erbrechen von Beginn an vorzubeugen. Bei Patienten mit hohem Risiko für Erbrechen und Übelkeit empfiehlt sie in der Akutsituation (Tag 1) eine Dreierkombination aus 5-HT3-Rezeptor-Antagonist (bevorzugt Palonosetron, Aloxi®), NK1-Rezeptorantagonist (Aprepitant 125 mg) und Dexamethason (12 mg).  Palonosetron weist eine deutliche höhere Bindungsaffinität zum 5-HT3-Rezeptor und eine längere Halbwertzeit als ältere 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten auf. An den Tagen 2 und 3 wird die Behandlung mit Aprepitant (80 mg)  und Dexamethason (8 mg) fortgesetzt. Bei antizipatorischem Erbrechen, bei dem es sich um einen erlernten Reflex handelt und die Patienten schon ohne die Gabe eines Chemotherapeutikums z.B. bei bestimmten Gerüchen oder beim Anblick der Praxis erbrechen müssen, haben sich niedrig dosierte Benzodiazepin-Gaben (z.B. Lorazepam) am Vorabend und psychologische Maßnahmen wie progressive Muskelentspannung oder systemische Desensibilisierung bewährt.

Regelmäßige Kontrolle der Mundhöhle

Ein weiteres, sehr häufiges Problem sind Stomatitis und Mukositis, die mit erheblichen Schmerzen und Beschwerden beim Schlucken, Sprechen und Essen einhergehen. Auch hier sollten vorbeugende Maßnahmen wie die Gabe von gekochten, weichen Speisen, Verzicht auf Saures, Salziges oder scharfe Gewürze, gründliche Mundhygiene (weiche Zahnbürste, keine scharfen Mundspülungen) und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin im Vordergrund stehen. Wichtigste Maßnahme sowohl zur Prophylaxe als auch zur Therapie sind häufige Mundspülungen (dreimal täglich z.B. mit Wasser, Salbeitee oder alkoholfreien Mundspülungen).

Den Pflegekräften kommt in der Supportivtherapie eine wichtige Rolle zu, wie Uwe vom Hagen, Berlin, Fachkrankenpfleger in der Onkologie, betonte. Sie überwachen den Verlauf der Chemotherapie und haben engen Kontakt zu den Patienten. Daher können sie beginnende Nebenwirkungen früh erkennen und geeignete Maßnahmen einleiten. Auch die Aufklärung über Behandlungsmöglichkeiten und die Anleitung zur Prophylaxe liegen häufig in der Hand der Pflegenden. Neben der ärztlich verordneten Prophylaxe können durch zahlreiche komplementäre zusätzliche Maßnahmen wie Ernährungstipps (z.B. Babykost aus Gläschen bei Stomatitis, Ingwertee bei Übelkeit), Spülungen (z.B. Salbeitee bei Mukositis), Einreibungen oder Entspannungsbäder (z.B. Lavendel zur Entspannung) die Beschwerden der Patienten gemildert werden. Stehen psychische Probleme wie mangelnde Krankheitsbewältigung oder Depressionen im Vordergrund, sollte ein Psychoonkologe hinzugezogen werden. 

Maria Weiß, Berlin

Quelle: KOK-Jahreskongress 2013, Satelliten-Workshop "Multiprofessionelle Supportivtherapie in der täglichen Praxis", 21. September 2013, Berlin
 
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