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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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10. Oktober 2012

Multiples Myelom: Patienten profitieren von Therapie mit Stammzelltransplantation und Medikamenten, die individuelle Genveränderungen in den Krebszellen berücksichtigt

Vor 20 Jahren wurde an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg der erste Heidelberger Patient mit Multiplem Myelom, einer seltenen Krebserkrankung des blutbildenden Knochenmarks, mit Stammzellen aus dem eigenen Blut erfolgreich behandelt. Diese sogenannte autologe Stammzelltransplantation, der eine Hochdosischemotherapie vorausgeht, ist heute die wirksamste Behandlungsform und bietet die Chance auf langfristige Krankheitskontrolle der bislang unheilbaren Erkrankung. Heute ist das Heidelberger Myelomzentrum die weltweit drittgrößte Einrichtung dieser Art und mit mehr als 1.400 Patienten und 170 Stammzelltransplantationen bei der Myelomerkrankung pro Jahr führend in Deutschland.

Anlässlich des Jubiläums informierten Heidelberger und internationale Experten jetzt vor mehr als 200 Patienten, Angehörigen, Vertretern von Selbsthilfegruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie über 100 Ärzten und Wissenschaftlern über aktuelle Ergebnisse aus Klinik und Forschung. So richtet sich die sogenannte risikoadaptierte Therapie nicht nur nach Symptomatik, Stadium der Erkrankung, Alter und Allgemeinzustand des Patienten, sondern auch nach Veränderungen im Erbgut der Krebszellen.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass Patienten auf diese individualisierte Therapie besser ansprechen und länger überleben“, sagt Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, Leiter des Myelomzentrums der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen NCT. So ergab eine aktuelle Studie aus Heidelberg, dass Patienten, deren Knochenmarkszellen bestimmte Veränderungen im Erbgut aufweisen, besonders von einer Therapie mit dem Krebsmedikament Bortezomib vor und nach der Stammzelltransplantation profitieren.

Rund 3.500 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu am Multiplen Myelom. Dank intensiver Forschung und den daraus resultierenden Fortschritten in der Therapie hat sich die durchschnittliche Überlebenszeit der Patienten in den letzten beiden Jahrzehnten von drei auf ca. sechs Jahre verlängert.

Erfolgsrezept: Hohe Qualität in Therapie und Begleitforschung

Im Heidelberger Myelomzentrum werden Patienten aus ganz Deutschland und dem Ausland untersucht und interdisziplinär, überwiegend in Studien behandelt: Ca. 350 Patienten stellen sich jährlich neu in der Sektion Multiples Myelom vor, mehr als 1.400 Patienten werden jedes Jahr hier betreut. Bereits am 7. Dezember 2010 wurde die 2000. autologe Stammzelltransplantation in Heidelberg durchgeführt. Die vor 20 Jahren ins Leben gerufene Heidelberger Myelomgruppe und die 2005 daraus hervorgegangene Sektion Multiples Myelom erforscht die molekularen Hintergründe der bislang unheilbaren Krebserkrankung, um Diagnostik und Therapie nachhaltig zu verbessern. Das Myelomzentrum arbeitet eng mit Patientenvertretern zusammen, wie der Plasmozytom-Selbsthilfegruppe Rhein/Main, der Selbsthilfegruppe Multiples Myelom Kurpfalz, der Arbeitsgemeinschaft Plasmozytom/Multiples Myelom (APMM), Myeloma Patients Europe (MPE), der Deutschen Leukämie- und Lymphomhilfe (DLH) und der International Myeloma Foundation (IMF).

Die Stammzellforschung hat an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg eine lange Tradition: 1983 transplantierte das Team der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie erstmals Knochenmark, 1985 als eines der ersten Teams weltweit patienteneigene, aus dem Blut gewonnene Stammzellen (autologe Transplantation). Seit 1997 wird auch die Transplantation von Geschwister- oder Fremdspenderzellen (allogene Transplantation) erfolgreich durchgeführt. Für Patienten mit Leukämien, Lymphdrüsenkrebs, Knochenmarkkrebs (Multiplem Myelom) und anderen Krebsarten ist diese Therapie häufig die einzige Chance auf Linderung bzw. Heilung. Seit 2010 wird ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) zur Stammzellforschung an der Universität Heidelberg, koordiniert von der Medizinischen Fakultät (Sprecher Professor Dr. Anthony D. Ho), von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 9,3 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren gefördert.

Literaturhinweise:
Sonneveld P, Schmidt-Wolf IGH, Goldschmidt H (2012).
Bortezomib induction and maintenance treatment in patients with newly diagnosed multiple myeloma: results of the randomized phase III HOVON-65/GMMG-HD4 Trial. J Clin Oncol. 2012 Aug 20;30(24):2946-55. Epub 2012 Jul 16.

Neben K, Lokhorst HM, Jauch A, Goldschmidt H. (2012).
Administration of bortezomib before and after autologous stem cell transplantation improves outcome in multiple myeloma patients with deletion 17p. Blood. 2012 Jan 26;119(4):940-8. Epub 2011 Dec 8.

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg
 
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