Sonntag, 17. Dezember 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren
Zentren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
16. Dezember 2015

Mangelernährung beeinträchtigt onkologische Therapie

Die Auswirkungen einer frühzeitigen Ernährungstherapie bei Tumorpatienten werden nach wie vor unterschätzt. Welche positiven Aspekte die Therapie für die onkologischen Patienten mit sich bringt, wie die aktuelle Datenlage aussieht und welche ökonomischen Vorteile das Einbinden von ernährungstherapeutischen Elementen bietet, erläuterte PD Dr. med. Ingolf Schiefke, Leipzig, im Rahmen des 2. Münchener Forum Onkologie für die Praxis am 24. Oktober 2015 im Klinikum Großhadern.

Anzeige:
 
 

Studien belegen, dass sich die Anzahl der mangelernährten Klinikpatienten in den vergangenen Jahren keineswegs reduziert hat. Während eine Multi-Center-Studie (1) der Fachgesellschaft für Ernährungsmedizin 2004 herausfand, dass eine Mangelernährung bei 26% der Patienten in deutschen Krankenhäusern vorlag, zeigt ein Screening (2) in der Uniklinik Frankfurt 7 Jahre später, dass 31,6% der Patienten im gesamten Klinikum (n=10.371) einen Nutrition-Risk-Score (NRS) von ≥ 3 Punkten vorweisen, also mangelernährt sind. Die Gründe für die unverändert hohe Rate sieht Schiefke insbesondere bei dem geringen Stellenwert, den das Thema Ernährung in vielen Kliniken in Deutschland hat.

Wie kommt es zur Mangelernährung?

Die Mangelernährung bei Tumorpatienten ergibt sich aus einem krankheitsbedingten, erhöhten Nährstoffbedarf und einer gleichzeitigen, verringerten Nährstoffzufuhr. Abhängig von der Tumorerkrankung leiden Patienten häufig unter anderem an Durchfällen, Blutungen, Fieber, Infektionen, Entzündungen, Nebenwirkungen von Medikamenten und Begleiterkrankungen wie beispielsweise endokrinologischen Problemen. Parallel stellt sich bei vielen Patienten eine Appetitlosigkeit ein, zudem leiden sie an Kau- und Schluckstörungen, Schmerzen nach der Nahrungsaufnahme, Übelkeit und Erbrechen. Die multifaktoriellen Ursachen verstärken sich dabei gegenseitig: Eine reduzierte Nahrungsaufnahme führt zu Gewichtsverlust, dieser führt zu Immunschwäche und Infekten, die wiederum eine reduzierte körperliche Aktivität zur Folge haben. Daraus resultiert ein Muskelverlust, der in ein Fatigue-Syndrom übergehen kann (3). Die Mangelernährung bei Tumorpatienten führt zu einer höheren Rate von Komplikationen. Die Studie von Sorensen (2008) zeigt, dass mangelernährte Patienten fast dreimal so viele Komplikationen haben wie Patienten ohne Mangelernährung (4). Die Leistungsfähigkeit der Patienten sinkt, ebenso die Toleranz für Chemo- und Radiotherapie, Operationen werden verzögert, der Therapieverlauf behindert und die Lebensqualität der Patienten sinkt.

Mit einfachen Mitteln zum Erfolg

„Wir haben an unserem Klinikum St. Georg in Leipzig ein Screening-Verfahren eingeführt, das bei der administrativen Aufnahme des Patienten durchgeführt wird“, erläuterte Schiefke das Vorgehen des Leipziger Klinikums. Hierbei werden Fragen hinsichtlich des aktuellen BMIs beantwortet, ob der Patient einen Gewichtsverlust hatte, wie sich das Gewicht in den letzten Wochen entwickelt hat und ob der Patient schwer krank ist. Wenn alle oder einige dieser Fragen positiv beantwortet werden, wird das Haupt-Screening durchgeführt. „Man muss jeden Patienten screenen, um zu einem möglichst frühen Zeitpunkt den Faktor Mangelernährung zu erkennen“, betonte Schiefke. Je nach Bedarf wird das Screening nach einer Woche wiederholt, und es können Entscheidungen über die weitere ernährungstherapeutische Behandlung getroffen werden. Wichtig sei, so Schiefke, dass ein bereits mangelernährter Patient nicht gleich mit voller Last, sondern defizitär ernährt wird. Hierdurch kann ein so genanntes Refeeding-Syndrom verhindert werden. „Wenn man einen Patienten gar nicht erst in eine Mangelernährung hineinrutschen lässt, reicht in den meisten Fällen eine Ernährungsberatung oder die Zugabe von oralen Supplementen“, sagte er und machte damit die Notwendigkeit schnellen Handelns deutlich. Während vor ein paar Jahren die Ernährungslösungen in einem aufwändigen Compounding-Verfahren hergestellt wurden, gibt es inzwischen industriell konfektionierte Beutel-Systeme, die in 90% der Behandlungen gut passen. „Mit dem 3-Kammer-Beutel beispielsweise kann man einen mangelernährten Patienten einfach und sicher parenteral ernähren. Er versorgt den Patienten mit allen notwendigen Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen.“ Studien belegen, dass die Einführung von Screening-Programmen, gefolgt von geeigneten ernährungstherapeutischen Maßnahmen, die Rate der betroffenen Patienten innerhalb von 6 Monaten um 15% verbessert hat (5). „Auch wenn wir uns hier auf einem relativ niedrigen Niveau bewegen, sollte deutlich werden, dass man mit sehr einfachen Mitteln, nämlich einem Screening-System und der nötigen Aufmerksamkeit, die Lebensqualität seiner Patienten deutlich verbessern kann“, kommentiert Schiefke die Evidenzsituation. „Ich würde mir wünschen, dass sich die bisherigen Leuchttürme, also die wenigen Kliniken, die Ernährungstherapie für Tumorpatienten einsetzen, über ganz Deutschland verbreiten und es schon bald eine flächendeckende Versorgung für alle Krebspatienten gibt.“

Mangelernährung: Ein ökonomisch bedeutendes Problem für das Gesundheitssystem

Auch aus Kostensicht ist ein schnelles Handeln bei mangelernährten Tumorpatienten sinnvoll. Die durch die Mangelernährung hervorgerufenen Komplikationen, beispielsweise eine schlechte Wundheilung, müssen aufwändig behandelt werden. Schiefke machte deutlich: „Es gibt Abschätzungen, dass sich die zusätzlichen Kosten durch krankheitsbedingte Mangelernährung bis zum Jahr 2020 auf 11 Milliarden Euro belaufen. Dieses Geld kann sicherlich anders, zu einem früheren Zeitpunkt, für ein Screening und für die frühzeitige ernährungstherapeutische Behandlung eingesetzt werden.“

Baxter
Literatur:

(1) Pirlich M. DGEM Studie 2004.
(2) Marienfeld S, Wojzischke J, Zeuzem S et al. Erfassung krankheitsbedingter Mangelernährung und Abbildung der Nebendiagnose Mangelernährung im DRG-System. Ernährungsmanagement am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfuhrt am Main. Aktuel Ernahrungsmed 2013;38:18-23.
(3) vgl. auch Arends J. Frauenheilkunde up2date5; 2013:331-348.
(4) Sorensen J, Kondrup J, Prokopowicz J et al. An international, multicentre study to implement nutritional risk screening and evaluate clinical outcome. Clin Nutr 2008; 27:340-349.
(5) Ockenga J, Freudenreich M, Zakonsky R et al. Nutritional assessment and management in hospitalized patients: Implication for DRG-based reimbursement and health care quality. Clin Nutr 2005; 24:913-9.

 
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!



Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
CML
CUP
NET
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs
 
ASH 2017