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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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14. April 2014

Mammakarzinom: Aktuelle AGO-Empfehlung - Doppelplus für Perjeta und Kadcyla

Interview mit Prof. Wolfgang Janni, Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm.

Prof. Wolfgang Janni, Ulm.

JOURNAL ONKOLOGIE: In ihren aktuellen Leitlinien (1) bestätigt die AGO die Doppelplus-Bewertung (++) für die duale HER2-Blockade mit Herceptin (Trastuzumab, Roche) und Perjeta (Pertuzumab) als 1st-line-Behandlung für Patientinnen mit HER2-positivem metastasierten Mammakarzinom. Was bedeutet das für die Versorgung der Patientinnen?

Janni: Eine (++)-Bewertung vergibt die AGO, wenn eine Behandlung als Standard-of-Care anzusehen ist. Die duale HER2-Blockade mit Perjeta und Herceptin plus Taxan-haltige Chemotherapie ist derzeit die effektivste Therapie für die 1st-line-Situation und sollte keiner Patientin vorenthalten werden, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Das gilt unabhängig vom Hormonrezeptorstatus und einer eventuellen adjuvanten Vorbehandlung.

JOURNAL ONKOLOGIE: Worauf stützt sich die (++)-Bewertung?

Janni: In der Zulassungsstudie CLEOPATRA (2) hat sich die duale HER2-Blockade in Kombination mit Docetaxel als sehr wirksam und gut verträglich erwiesen: Gegenüber der alleinigen Behandlung mit Trastuzumab und Docetaxel wurde das Sterberisiko der Patientinnen signifikant um 34% reduziert (p=0,0008). Auch hinsichtlich der objektiven Ansprechrate (p=0,0011) und des progressionsfreien Überlebens (p<0,001) erwies sich das Behandlungsregime als signifikant überlegen.

JOURNAL ONKOLOGIE: Inwieweit bestätigen Ihre eigenen klinischen Erfahrungen diese Ergebnisse?

Janni: Die hohe Wirksamkeit der dualen HER2-Blockade spiegelt sich auch im klinischen Alltag wider. Zudem bestätigt sich, dass die zusätzliche Behandlung mit Perjeta das Nebenwirkungsspektrum nicht klinisch relevant erhöht: Wir sehen keine erhöhte Kardiotoxizität. Febrile Neutropenien sind etwas häufiger, lassen sich aber klinisch gut handhaben.

JOURNAL ONKOLOGIE: Seit November 2013 ist das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Kadcyla (T-DM1) für die 2nd-line-Behandlung von Patientinnen mit HER2-positivem metastasierten Mammakarzinom zugelassen, die bereits mit Trastuzumab vorbehandelt sind. Auch hier hat die AGO mit der (++)-Bewertung den höchsten Empfehlungsgrad für diese Indikation ausgesprochen. Was sind die Hintergründe?

Janni: Die Empfehlung basiert auf den Daten der Zulassungsstudie EMILIA (3), in der Kadcyla der 2nd-line-Behandlung mit Capecitabin/Lapatinib klar überlegen war. Kadcyla erreichte nicht nur einen statistisch signifikanten und klinisch hoch relevanten Überlebensvorteil von fast einem halben Jahr (p<0,0006), sondern war auch deutlich besser verträglich. Speziell schwerere Nebenwirkungen (Grad 3-4) waren deutlich seltener, was auf den innovativen Wirkmechanismus des Antikörper-Wirkstoff-Konjugates zurückzuführen ist. Die hohe Wirksamkeit und geringe systemische Belastung spiegelten sich auch in der Lebensqualitätsanalyse wider, die ebenfalls zugunsten der Behandlung mit Kadcyla ausfiel (4).

JOURNAL ONKOLOGIE: Welchen Stellenwert hat die Zulassung für die klinische Praxis?

Janni: Die Kombination aus hoher Effektivität und guter Verträglichkeit ist in der fortgeschrittenen metastasierten Situation ein wichtiges Argument für den Einsatz der neuen Substanz. Wir haben mit Kadcyla zweifellos eine neue Standardtherapie für die 2nd-line-Behandlung von Patientinnen mit HER2-positivem metastasierten Mammakarzinom, die bereits mit Herceptin vorbehandelt sind. Die AGO hat dies mit der (++)-Bewertung eindeutig zum Ausdruck gebracht.

JOURNAL ONKOLOGIE: Kadcyla wird in den aktuellen Leitlinien der AGO auch für spätere Therapielinien mit einer (++)-Empfehlung bewertet. Für welche Patientinnen?

Janni: Die EMILIA-Studie hat gezeigt, dass auch Patientinnen in späteren Therapielinien von Kadcyla profitieren. Zudem bestätigen die Ergebnisse der Phase-III-Studie TH3RESA [5] die hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit der Substanz bei Patientinnen, die zuvor bereits mindestens zwei anti-HER2-gerichtete Therapien gegen die HER2-positive metastasierte Erkrankung erhalten hatten. Die AGO-Empfehlung richtet sich damit z.B. an jene Patientinnen, die Kadcyla nicht im Rahmen der 2nd-line-Behandlung erhalten konnten. Die primäre Indikation von Kadcyla ist aber die 2nd-line-Therapie.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie sollte die optimale Therapiesequenz unter Berücksichtigung der aktuellen AGO-Empfehlung beim HER2-positiven metastasierten Mammakarzinom aussehen?

Janni: Die AGO hat eine (++)-Bewertung für die 1st-line-Behandlung mit Perjeta und Herceptin plus Taxan sowie für die 2nd-line-Behandlung mit Kadcyla nach Vorbehandlung mit Herceptin vergeben. Auch wenn heute noch keine Daten zum Einsatz von Kadcyla nach dualer HER2-Blockade vorliegen, ergibt sich daraus eine Therapiesequenz, die man im klinischen Alltag in Erwägung ziehen sollte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Birgit-Kristin Pohlmann

Literaturhinweise:
(1) www.ago-online.de
(2) Swain S et al., Lancet Oncology 2013, 14: 461-71.
(3) Verma S et al., NEJM 2012, 367 (19): 1783-91.
(4) Welslau M et al., Cancer 2014; 120: 642-51
(5) Wildiers H et al., ECCO 2013, LBA #15.

 
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