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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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06. März 2013

Lungenkrebs: Gezielte Therapie von metastasierenden Zellen

Die Übertragung von Erkenntnissen der Genomforschung in neue Therapien beim Lungenkrebs ist Ziel eines Forschungsvorhabens am Universitätsklinikum Münster. Lungenkrebs ist eine der häufigsten Tumorerkrankungen und noch immer schwierig zu behandeln. Insbesondere das Auftreten von Metastasen bedeutet für die Patienten ein hohes Risiko. Chemotherapien können diesen Prozess heutzutage nur zum Teil verhindern. Prof. Dr. Carsten Müller-Tidow und Dr. Sebastian Bäumer suchen daher nach einem Weg, mithilfe von Antikörpern in den Tumorzellen diejenigen Gene stillzulegen, die für die Metastasierung verantwortlich sind. Erste Forschungsergebnisse lassen hoffen.

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Abb.: Ein künstlich erzeugter Antikörper trägt eine inhibitorische RNA gezielt zu einer Tumorzelle. Mit der Aufnahme der RNA verändern sich die Eigenschaften der Zelle. Gene, die die Metastasierung voran treiben, werden stillgelegt. (Universitätsklinikum Münster, Abt. C. Müller-Tidow und Grafikbüro remote-controlled.de)

Die besten Aussichten auf eine Heilung haben Lungenkrebs-Patienten, bei denen zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung der Tumor durch eine Operation entfernt wird. Trotz Operation kommt es bei einem Teil der Patienten zu einem erneuten Auftreten des Tumors oder zu Tochtergeschwülsten (Metastasen). Daher ist es wichtig, gezieltere Therapien zu entwickeln, die spezifisch den Prozess der Metastasierung verhindern. Solche Therapien sind neuartig und bisher nicht genügend entwickelt.

Ziel des Projektes der Münsteraner Forscher um Prof. Dr. Carsten Müller-Tidow und Dr. Sebastian Bäumer an der Medizinischen Klinik A unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Berdel ist es, diejenigen molekularen Schaltstellen zu identifizieren, die Metastasierung auslösen. „Wir wollen diese Metastasierungsgene gezielt in den betroffenen Zellen stilllegen“, erläutert Müller-Tidow.

Dafür setzen die Forscher sogenannte inhibitorische RNA-Moleküle (siRNAs) ein, die mithilfe von Antikörpern durch den Blutstrom ausschließlich zu den betroffenen Zellen geleitet werden. An den Tumorzellen angekommen, binden die Antikörper an ein bestimmtes Molekül der Zelloberfläche und werden dadurch in die Zelle aufgenommen. Die Antikörper tragen quasi als „Trojanische Pferde“ die inhibitorische RNA mit in die Zelle. Dort ist sie in der Lage, die gefährlichen Eigenschaften einer metastasierenden Zelle abzustellen. Das macht die Tumorzelle dann für klassische Chemotherapie verwundbar.

Die Wirksamkeit dieser Gentherapie konnten die Forscher bereits an Tumorzellen in der Petrischale wie auch an krebskranken Mäusen nachweisen: In der Zellkultur gelang es mit diesem Verfahren einzelne Gene gezielt auszuschalten. Diese Stilllegung milderte die bösartigen Eigenschaften der Tumorzellen stark ab. Auch im lebenden Organismus zeigte die Strategie Erfolg: Mäuse, die schnell wachsende Tumoren trugen, wurden mit der Antikörper-siRNA behandelt und zeigten daraufhin ein deutlich reduziertes Tumorwachstum.

Bestärkt durch die bisherigen Erfolge nehmen Müller-Tidow und Bäumer nun weitere Gene unter die Lupe. Die Wirkung der Gentherapie an diesen molekulare Schaltstellen gegen die Metastasierung soll auch in der Kombination mit der klassischen Chemotherapie erprobt werden. Müller-Tidow erläutert die Motivation: „Vielleicht können wir die gefährlichen Tumorzellen, die sich zum Teil jahrelang in Ruhestadien befinden, ihrer Deckung berauben und sie so angreifbar machen.“

Quelle: Wilhelm Sander-Stiftung
 
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