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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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18. März 2015

Lenvatinib, ein Tyrosinkinasehemmer beim Radiojod-refraktären differenzierten Schilddrüsenkarzinom von Nutzen

Der orale Tyrosinkinasehemmer Lenvatinib wurde in der Phase-III-Studie SELECT an 261 Patienten mit Radiojod (RJ)-refraktären, fortgeschrittenen differenzierten Schilddrüsenkarzinomen (gemäß Response Evaluation Criteria In Solid Tumors (RECIST, 1.1) innerhalb von 12 Monaten nach RJ) im Vergleich zu 131 Patienten unter Placebo getestet. Lenvatinib verlängerte die progressionsfreie Überlebenszeit, wenn auch mit vermehrten Nebenwirkungen.

Lenvatinib bindet an die Rezeptoren 1,2 und 3 des Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), an Rezeptor 1 bis 4 des Fibroblastenwachstumsfaktors (FGF), an den Rezeptor alpha des Platelet Derived Growth Factor (PDGF), RET und KIT. Der primäre Endpunkt war progressionsfreies Überleben, die sekundären Endpunkte beinhalteten Therapieansprechen, Gesamtüberleben und Sicherheit. Das mittlere progressionsfreie Überleben betrug unter Lenvatinib 18,3 Monate, gegenüber 3,5 Monaten unter Plazebo, was die Aggressivität des Tumors anzeigt. 65% der Lenvatinib-Gruppe sprachen auf die Therapie an (4 komplett und 165 partiell), unter Plazebo nur 1,5%. Unter Lenvatinib traten aber in >40% Nebenwirkungen auf, angeführt von Hypertonie in 68%, Durchfällen in 60% sowie Fatigue oder Asthenie in ebenfalls 60%. Auf Grund der von Nebenwirkungen brachen in der Levantinib-Gruppe 14,2% der Patienten die Therapie ab, bei Plazebo 2,3%. Die Gesamtzahl der Todesfälle betrug während der Behandlungszeit 20, davon wurden 6 als durch Levatinib verursacht angesehen.

Kommentar: In der Onkologie werden heute zunehmend höhere Nebenwirkungsraten in Kauf genommen, zumal man diese durch bessere Maßnahmen lindern kann. Für Levantinib erscheint das Nebenwirkungsprofil zwar hoch, aber der Erfolg dieser onkologischen Therapie ist mit 18,3 Monaten progressionsfreiem Überleben gegenüber 3,5 Monaten bei Plazebo sehr ausgeprägt. Bisher hat man beim RJ-refraktären, progredienten Schilddrüsenkarzinom nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Von der FDA und der EMA ist der Multikinaseinhibitor Sorafenib (Nexavar) von Bayer Health Care und Onyx Pharmaceuticals zugelassen, im Vergleich zu Levantanib, mit dessen Zulassung in Deutschland im Sommer 2015 gerechnet wird, ist der Therapieerfolg jedoch geringer. Mit Sorafenib wurde in der zulassungsrelevanten Phase III-Studie eine mittlere Verbesserung des progressionsfreien Überlebens von nur 5 Monaten erzielt. Im DGE-Blogbeitrag vom 25. Februar 2013 wurde auch über eine kleine proof of principle-Studie mit Selumetinib berichtet, einen Hemmer der MAPK-Kinase, wodurch eine Redifferenzierung von Schilddrüsenkarzinomzellen soweit erzielt werden konnte, dass diese wieder auf radioaktives Jod (Jod-124) ansprachen. In der Onkologie tut sich also viel auf diesem Gebiet. Freilich bedürfen die Patienten wegen der doch hohen Nebenwirkungsrate der neuen Medikamente einer engmaschigen Kontrolle durch Spezialisten, am besten durch Endokrinologen mit onkologischem Schwerpunkt.

Quelle: Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (Mediensprecher: Prof. Helmut Schatz, Bochum)
 
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