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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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05. September 2017

Impfstoff gegen das Neuroblastom

In den letzten Jahren hat sich die kinderonkologische Abteilung der Universitätsmedizin Greifswald als eines der führenden Zentren im Bereich der Neuroblastom-Behandlung etabliert. Jetzt gibt es für die kleinen schwerkranken Kinder und die Jugendlichen gleich mehrere gute Nachrichten. Vor kurzem erhielt das Wiener Biotech-Unternehmen Apeiron AG erstmals die europäische Zulassung für die Immuntherapie zur Behandlung des tückischen Krebses. Eine wichtige Voraussetzung dafür waren mehrere klinische Studien an der Kinder- und Jugendmedizin Greifswald, an der junge Patienten aus aller Welt teilgenommen haben. Zudem erhält das Team um Klinikdirektor Prof. Holger Lode und Dr. Nikolai Siebert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die kommenden zwei Jahre eine weitere Zuwendung in Höhe von 265.000 Euro. Mit dem Geld soll die kombinierte Immuntherapie weiterentwickelt und ein Impfstoff getestet werden.
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„Die Marktzulassung für die Immuntherapie ist ein riesiger Meilenstein in unserer inzwischen fast 25-jährigen Neuroblastom-Forschung“, zeigte sich der Kinderonkologe Prof. Holger Lode erleichtert. „Es gibt den betroffenen Familien und uns als Klinik Sicherheit für die Behandlung und Finanzierung. Die jahrelange Arbeit hat sich damit für uns ausgezahlt und kann mit Rückenwind fortgesetzt werden.“

Rund 100 Kinder aus aller Welt mit einem Neuroblastom sind bereits nach Greifswald gekommen, um die Krebserkrankung als letzte Möglichkeit mit einer speziellen Immuntherapie zu bekämpfen, die nur an wenigen Zentren angeboten wird. Das Neuroblastom ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern. Sie machen fast 8% aller Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter aus. Patienten mit dieser Erkrankung haben mit konventionellen Methoden immer noch eine sehr ungünstige Prognose.

An Neuroblastomen erkrankte Kinder ohne Metastasen haben im Allgemeinen gute Heilungschancen von 70 bis 90%. Sind bereits Metastasen vorhanden und tritt der Tumor sehr aggressiv auf, dann ist er wesentlich schwieriger zu behandeln, die langfristige Überlebenschance ist deutlich geringer und liegt bei 30 bis 50%. Die Greifswalder Kinderonkologen haben in den letzten Jahren die spezielle Immuntherapie für Kinder mit einem Neuroblastom bis zum klinischen Einsatz weiter entwickelt. Die Behandlung beruht derzeit auf einem Antikörper, der die Krebszellen als körperfremd markiert und so für das Immunsystem zur Bekämpfung sichtbar macht. Die Entwicklung der neuen Therapieform geschah in einem internationalen Netzwerk und einer deutschen Gruppe an der Universitätsmedizin Greifswald unter Leitung von Prof. Holger Lode. Im Jahr 2011 erwarb Apeiron die kommerziellen Rechte an dem Projekt und führte ab dann die Arbeiten zur Zulassung in Zusammenarbeit mit den internationalen akademischen Gruppen an. Im Zuge der bisherigen Studien konnten bereits mehr als 1.000 Patienten mit dem Medikament behandelt werden.

Die Krebszellen dauerhaft mit einem Impfstoff bekämpfen

Aber auch nach diesen Erfolgen ist es weiterhin das Ziel der Greifswalder Forschungsgruppe, neue und noch wirkungsvollere Therapiemodalitäten zu erarbeiten und somit die Heilungschancen der jungen Patienten nachhaltig zu verbessern. Dafür erhielt das Team erneut eine Bewilligung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Höhe von 265.000 Euro. Bereits 2015 hatte die Forschungsgruppe erstmalig eine Zuwendung von der DFG von 300.000 Euro erhalten. „Für unsere sehr aufwändige Arbeit an dieser komplexen Behandlungsmethode ist die Förderung eine großartige Unterstützung“, betonte Lode.

„Bei einem neuen Verfahren soll künftig ein dauerhafter Schutz gegen den Rückfall der Erkrankung mittels eines Impfstoffes erreicht werden“, erläuterte Dr. Nikolai Siebert (Foto), Leiter der Forschungsabteilung. „Unser Ziel ist es, einen Impfstoff gegen das Neuroblastom zu entwickeln, welcher das Immunsystem nicht nur stärker, sondern auch dauerhaft auf die Tumorzellen aufmerksam macht und so die natürliche Abwehr der Kinder gegen den Krebs ermöglicht. Durch einen solchen Impfstoff wäre es möglich, den Schutz gegen diesen aggressiven Tumor auch für mehrere Jahre nach der Behandlung, im besten Fall sogar lebenslang, aufrecht zu erhalten und die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls zu verringern. Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere neusten Forschungsergebnisse zur Initiierung einer neuen kombinierten Immuntherapie in der Klinik beigetragen haben und setzen auf weitere Fortschritte in der Therapie. Auf der Station der Kinderonkologie können wir direkt den Erfolg unserer Arbeit sehen“, so Siebert. Insgesamt hat sich die Lebenserwartung durch neue medizinische Verfahren in den letzten 20 Jahren verdoppelt.

Zur Kinderonkologie im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin gehören eine Station, eine Tagesklinik sowie eine Ambulanz mit zwei Oberärzten, drei Assistenzärzten, 15 Pflegefachkräften, einer Sozialarbeiterin und einem Erzieher. Für die Eltern der jungen Langzeitpatienten stehen zwei Dolmetscher und Unterkünfte vor Ort zur Verfügung. In Greifswald werden jedes Jahr rund 500 Kinder und Jugendliche mit einer Krebserkrankung betreut. Das Forschungsteam, bestehend aus vier Wissenschaftlern, vier Technischen Assistenten, einer Studiendokumentarin und medizinischen Doktoranden, ist teilweise von der Universität, aber überwiegend aus Drittmitteln finanziert.
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
 
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