Sonntag, 17. Dezember 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren
Zentren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
17. September 2014

Hirnmetastasen beim Melanom - Herausforderung und Perspektiven

Das Melanom metastasiert am häufigsten ins Gehirn, und die Inzidenz von Hirnmetastasen bei Melanompatienten steigt. Dafür gibt es mehrere Gründe, wie die Neurologin Ghazaleh Tabatabai, Zürich, ausführte. Gründe für die steigende Inzidenz sind ua. die Alterspyramide, die sehr effektiv gewordene zielgerichtete Therapie, die verbesserte Bildgebung, Escapemechanismen wie Effluxsysteme, durch die Tumorzellen geschützt bleiben und nicht zuletzt die interdisziplinäre Evaluation, durch die neurologische Symptome früher erkannt werden.

Die ZNS-Metastasierung ist ein mehrstufiger Prozess. Ein spezifischer Schritt ist möglicherweise die Kolonisation bzw. das Wachstum von Metastasen im ZNS-Milieu. So sei es denkbar, dass durch Ausnutzung lokaler Strukturen ein Wachstumsvorteil für die Tumorzelle im ZNS entsteht. So würden beispielsweise Astrozyten das Überleben und die Resistenz von Melanomzellen fördern. Ein besseres Verständnis der "Ausstattung der Nische" ist erforderlich, um neue therapeutische Ansätze aufzeigen zu können, so die Schlussfolgerung von Tabatabai.
Die Operation ist eine der drei wesentlichen Säulen der Therapieoptionen bei Hirnmetastasen.

Für die richtige Therapieentscheidung sind Prognosefaktoren und Scores wichtig, betonte Prof. Gabriele Schackert, Dresden. Indikationen für eine Operation sind: singuläre/solitäre Hirnmetastase, große Hirnmetastasen > 4 cm (reduziert den Hirndruck und verbessert neurologische Ausfälle), eingeblutete Metastasen wegen deren hohen Raumforderung sowie Metastasen in der Nähe eloquenter Areale. Doch auch die Metastasenreduktion bei multiplen Metastasen stellt eine OP-Indikation dar, ergänzte Schackert. Die Metastasenchirurgie hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Wichtig war die Erkenntnis, dass auch Metastasen - ähnlich wie Gliome - eine Infiltrationszone aufweisen, deren Größe vom Primärtumor abhängig ist.

Inzwischen wird bei der Exzision von Hirnmetastasen ein Sicherheitsrand von 0,5 cm gefordert. Auch sollten die Metastasen en bloc reseziert werden, wodurch Lokalrezidive verhindert werden können. Bei ungünstiger Prognose wird eine Ganzhirnbestrahlung (WBRT= whole brain radiotherapy) empfohlen, bei multiplen Hirnmetastasen "führt kein Weg daran vorbei", so Schackert. Allerdings ist die WBRT wegen des Risikos der Demenz durch Leukenzephalopathie (1) in Frage gestellt worden. Die stereotaktische Strahlentherapie ist eine Weiterentwicklung, mit der man höhere Einzeldosen zielgenau applizieren kann.

Eine stereotaktische Strahlentherapie plus Operation führt zu vergleichbaren Überlebensraten wie eine Ganzhirnbestrahlung plus Operation. Allerdings wird durch die WBRT eine bessere lokale Kontrolle erzielt, berichtete der Radiologe Steffen Appold, Dresden. Eine Frage der Zukunft ist laut Appold, ob eine Immuntherapie mit Ipilimumab plus stereotaktische Strahlentherapie die WBRT ersetzen kann. Eine neue Therapieoption ist die Bestrahlung mit Photonen, bei der in einer bestimmten, energieabhängigen Einstrahltiefe die gesamte Dosis auf einmal abgegeben und dadurch das umliegende Gewebe geschützt wird.

Die systemische Therapie von Hirnmetastasen ist eine weitere Option, die in der S3-Leitlinie Melanom empfohlen wird. Mit einer Chemotherapie lassen sich Ansprechraten von rund 7% erzielen (Temozolomid 7%, Fotemustin 7,4%). Höhere Ansprechraten sind zu erwarten auf eine Immuntherapie mit Ipilimumab. In einer Phase-II-Studie mit 72 Patienten lagen sie bei 24% (asymptomatische Hirnmetastasen) und 10% (symptomatische Hirnmetastasen). Das mediane Überleben der Patienten betrug 7 bzw. 3 Monate. Mit dem BRAF-Inhibitor Dabrafenib (150 mg bid) konnten in der Phase-II-Studie BREAK-MB bei nicht vorbehandelten Patienten mit Hirnmetastasen eine objektive intrakraniale Ansprechrate, OIRR, von 39% und bei vorbehandelten eine OIRR von 31% erreicht werden. Die Krankheitskontrollrate betrug 83 und 80% bei einem medianen Gesamtüberleben von 7-8 Monaten. Hierbei handelt es sich um die größte internationale Studie zur Systemtherapie von Patienten mit BRAF V600E/K Mutation und Hirnmetastasen. Ähnliche Ansprech- und Überlebensraten wurden in einer Phase-II-Studie mit Vemurafenib erzielt. Die Ansprechraten lagen in Abhängigkeit von Vorbehandlung oder keiner Vorbehandlung bei 18-20%, das Gesamtüberleben bei 6,41 und 6,47 Monaten.

Insgesamt zeigen die Studien, dass das Ansprechen von ZNS-Metastasen auf Immuntherapie und zielgerichtete Therapie schlechter ist als bei extrazerebralen Metastasen. Mögliche Ursachen sind hirnspezifische Resistenzmechanismen. Friedegund Meier, Tübingen, wies darauf hin, dass der AKT-Signalweg bei Melanom-Hirnmetastasen hyperaktiviert ist und PI3K/AKT-Inhibitoren eine zukünftige systemische Therapieoption sein könnten. as

Literaturhinweis:
(1) Chang EL, Wefel, Hess KR
Neurocognition in patients with brain metastases treated with radiosurgery or radiosurgery plus whole-brain irradiation: a randomised controlled trial. Lancet Oncol. 2009 Nov;10(11):1037-44. doi: 10.1016/S1470-2045(09)70263-3. Epub 2009 Oct 2.

Quelle: Symposium Hirnmetastasen beim Melanom - Herausforderung und Perspektiven, ADO 2014, Frankfurt, 12.9.2014
 
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
STICHWÖRTER:



Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
CML
CUP
NET
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs
 
ASH 2017