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01. April 2014

Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs: Wann lohnt ein HPV-Test?

Frauenärzte bieten Tests an, mit denen sich feststellen lässt, ob sich eine Patientin mit Humanen Papillomviren (HPV) infiziert hat. Diese Erreger können Gebärmutterhalskrebs auslösen. Allerdings kommen für den sogenannten HPV-Test nicht die Krankenkassen auf - zwischen 35 und 70 Euro werden dafür fällig, die die Patientin als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) aus der eigenen Tasche zu zahlen hat. Lohnt es sich, das Geld dafür auszugeben, um das eigene Krebsrisiko besser einschätzen zu können?

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"Bei gesunden Frauen ersetzt ein HPV-Test bisher nicht die klassische Früherkennungsmethode", sagt Birgit Hiller vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. "Mit dem Test kann man eine Infektion nachweisen, aber nicht, ob diese bereits zu einer andauernden Zellveränderung geführt hat", erklärt die Biologin. Kurz: Ein HPV-Test ist kein Krebstest.

Zellveränderungen in der Gebärmutterschleimhaut spüren Mediziner in Deutschland seit mehr als 40 Jahren mit dem sogenannten Pap-Test auf. Dabei werden mit Hilfe eines Holzspatels oder Wattestäbchens Zellen von der Oberfläche des Gebärmutterhalses entnommen, angefärbt und unter dem Mikroskop begutachtet. Seit 1971 können Frauen ab 20 Jahren im Rahmen der von den gesetzlichen Krankenkassen übernommenen Krebsfrüherkennung einmal jährlich eine solche Untersuchung in Anspruch nehmen. Die Methode gilt als Erfolgsgeschichte: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin sterben heute in Deutschland mit rund 1500 bis 1600 Frauen nur noch halb so viele Frauen an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) wie vor 30 Jahren.

Eine Infektion mit Humanen Papillomviren ist zwar die erste Voraussetzung dafür, dass überhaupt Gebärmutterhalskrebs entstehen kann. Eine bloße HPV-Infektion ist allerdings allein noch kein Grund für schlaflose Nächte: Die Viren sind so weit verbreitet, dass der Kontakt mit ihnen für sexuell aktive Frauen - und Männer - fast unvermeidbar ist. Schätzungen zufolge ist die Hälfte aller Frauen zwischen 20 und 30 Jahren infiziert.

"In 98% der Fälle heilt die Infektion völlig folgenlos wieder aus", erklärt Susanna Kramarz, Sprecherin des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Der Verband rät daher vom HPV-Test als Früherkennungsmethode ab - er empfiehlt den jährlichen Pap-Test. Und wenn die Frau dabei einen auffälligen Befund hat, werde der HPV-Test zur weiteren Diagnose auf Kassenkosten durchgeführt.

Schaffen es die Abwehrmechanismen des Körpers jedoch über Jahre hinweg nicht, die Viren wieder loszuwerden, besteht tatsächlich die Gefahr, dass sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut verändern. Im Laufe der Jahre können sie zu Krebszellen werden. Für ältere Frauen, die insgesamt deutlich seltener infiziert sind als jüngere, kann ein zusätzlicher HPV-Test daher durchaus sinnvoll sein: "Es gibt Hinweise, dass der HPV-Test in Kombination mit der üblichen Früherkennung doch einen Vorteil bieten könnte", sagt Birgit Hiller vom Krebsinformationsdienst. "Vor allem Frauen über 30 Jahre könnten dann bei negativem Testergebnis und unauffälligem Untersuchungsbefund eventuell seltener zur Früherkennung gehen als bisher vorgesehen. Wie hoch der Nutzen wäre, dazu sind noch Fragen offen."

Als Treuetest für Frauen in langjährigen Partnerschaften eigne sich ein HPV-Test übrigens nicht, erklärt Birgit Hiller. Oft wollten Anrufer vom Krebsinformationsdienst wissen, ob ihre Frau fremdgegangen ist. "Hat beispielsweise eine Frau eine diagnostizierte Veränderung am Gebärmutterhals, so kann man praktisch sicher davon ausgehen, dass auch ihr Partner infiziert ist - wer wen zuerst angesteckt hat, lässt sich im Nachhinein nicht klären." Denkbar sei, dass sich die Partner sogar immer wieder wechselseitig neu anstecken. "Das ist ein Ping-Pong-Effekt."

Möglicherweise werden aber in Zukunft viel mehr Frauen als bisher bei der Krebsfrüherkennung mit HPV-Tests in Berührung kommen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), in dem Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen festlegen, was Kassenleistungen sind, hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beauftragt, den Nutzen solcher Tests für die Krebsfrüherkennung erneut zu überprüfen. Nach Ansicht vieler Experten bietet die Kombination der klassischen Abstrichmethode mit modernen molekularbiologischen Verfahren wie HPV-Tests und der seit 2007 empfohlenen HPV-Impfung die Chance, Gebärmutterhalskrebs besser zu bekämpfen.

Die gegenwärtige Zahl der Neuerkrankungen - 2010 bekamen laut RKI rund 4.700 Frauen die Diagnose Gebärmutterhalskrebs - könnte so wahrscheinlich auf Dauer verringert werden. Weiteres Indiz für eine in Kürze anstehende Reform: Eine Beraterkommission der US-Arzneimittelbehörde FDA empfahl Mitte März einen HPV-Test als alleiniges Mittel zur Identifizierung von Frauen mit erhöhtem Krebsrisiko.

 
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