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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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01. August 2014

Forschung zum Wohle der Patienten

Der Rückgang der Sterberate ist ein deutliches Zeichen für den Fortschritt in der Krebstherapie. Seit 1998 ist die Sterberate in Deutschland bei Frauen und noch mehr bei Männern zurückgegangen. Die 5-Jahres-Überlebensraten steigen in Europa bei verschiedenen Tumoren wie beispielsweise dem Mamma- und dem Kolonkarzinom stetig an (1). Durch zukünftige Innovationen besteht zudem berechtigte Hoffnung, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt. Prof. Dr. Christof von Kalle, Sprecher des Direktoriums des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) und Leiter der Abteilung Translationale Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg, erläuterte die vergangene und aktuelle Entwicklung in der Krebstherapie kürzlich bei einem Pressegespräch der Roche Pharma AG in Köln.

Ihren Anfang hatte die Krebsmedizin, Professor von Kalle zufolge, in den 40iger Jahren mit der ersten Anwendung der Zytostatika. Seither gab es auf verschiedenen Ebenen vielfältige Fortschritte in der Onkologie – sowohl in der Prävention und der Früherkennung als auch in der operativen Behandlung, der Strahlentherapie und der medikamentösen Krebstherapie. Der Rückgang der Sterblichkeit, der bei verschiedenen Tumorentitäten beobachtet wird, beruht nach Angaben des Wissenschaftlers wesentlich auch auf dem neuen Konzept der "Targeted Therapy" (1).

Personalisierte Medizin - Goldstandard in der modernen Onkologie

Antikörper und niedermolekulare Inhibitoren greifen gezielt in die gestörte Regulation von Signalwegen ein oder blockieren Wachstumssignale. Dieses Prinzip einer zielgerichteten Therapie, die sich am molekularen Defekt orientiert, ist die Basis der personalisierten Medizin. Sie richtet sich an der im individuellen Fall vorherrschenden Tumorbiologie aus. "Die personalisierte Medizin ist in der Onkologie in einigen Indikationen definitiv längst zum Goldstandard geworden", so Prof. von Kalle. Als Beispiel für einen derartigen Fortschritt nannte er Herceptin® (Trastuzumab) zur Behandlung des HER2-positiven Mammakarzinoms. Der Antikörper hat die Prognose von Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs entscheidend verbessert (2). Studien belegen eindrucksvoll, dass dieser Wirkstoff sowohl in der Behandlung des fortgeschrittenen Brustkrebses als auch im adjuvanten Setting wirksam ist: Die behandelten Patientinnen bleiben länger krankheitsfrei als nach einer alleinigen Chemotherapie (3). Prof. von Kalle: "Bei mehr als 27.000 Frauen der fünf größten Länder Europas wird ein Rückfall der Krankheit durch Herceptin verhindert, so aktuelle Schätzungen"(4).

Innovationen - die Basis für Therapieerfolge

Daneben sorgen mit Pertuzumab (Perjeta®) und Trastuzumab Emtansin (T-DM1; Kadcyla®) weitere innovative Wirkstoffe für Fortschritte in der Behandlung des HER2-positiven Mammakarzinoms. Pertuzumab verhindert nach der Bindung an den HER2-Rezeptor die Dimerisierung des Rezeptors mit anderen Mitgliedern der HER-Rezeptorfamilie und verlängert in Kombination mit Trastuzumab und einer Chemotherapie das Gesamtüberleben der Frauen (5). T-DM1 ist das erste Antikörper-Wirkstoff-Konjugat gegen Brustkrebs. Es kombiniert zwei Wirkstoffe miteinander und ist so doppelt effektiv: Das Zytotoxin Emtansin, an Trastuzumab gekoppelt, wird direkt in die Tumorzelle geschleust (6). Erst dort lösen sich Chemotherapie und Antikörper voneinander und das Zellgift zerstört die Krebszellen zielgerichtet von innen heraus.

Auch bei anderen Indikationen sind der "Targeted Therapy" Fortschritte zu verdanken. Beispiele sind der monoklonale Antikörper MabThera® (Rituximab), der das Überleben von Lymphompatienten erheblich verlängert sowie der Anti-VEGF-Antikörper (Vascular Endothelial Growth Factor) Bevacizumab (Avastin®), der als Angiogenesehemmer bei verschiedenen Tumorentitäten eingesetzt wird.

Als Therapiedurchbruch gilt die Identifizierung der BRAF V600E-Mutation beim malignen Melanom, so Prof. von Kalle. Mit dem BRAF-Kinase-Inhibitor Vemurafenib lässt sich das Progressionsrisiko und das Mortalitätsrisiko senken (7). Das maligne Melanom ist damit zugleich ein exzellentes Beispiel für die hohe Relevanz der personalisierten Therapie.

Immun-Checkpoints blockieren: Neue Säule der Krebsbehandlung

Als neue Therapiestrategie, die sich rasch zu einer weiteren Säule der Tumorbehandlung entwickeln könnte, nannte der Wissenschaftler die Immuntherapie. "Wir haben in den vergangenen Jahren gelernt, dass die Immunabwehr des Körpers von den Tumorzellen unterdrückt werden kann", so der Heidelberger Forscher. "Der Tumor tarnt sich quasi vor der körpereigenen Abwehr." Diese Strategie zu durchkreuzen, die Tumorzellen zu "enttarnen" und für das Immunsystem wieder erkennbar zu machen, ist Ziel der Immuntherapie. Die neuen Wirkstoffe blockieren gezielt Immun-Checkpoints, über die Tumore für eine Immunsupprimierung sorgen (8).

Ein Beispiel für diese Strategie ist die Blockade des PD-1-Rezeptors (Programmed Death-1-Rezeptor) und seines Liganden PD-L1. Wird die Interaktion von PD-L1 und PD-1 blockiert, werden die Tumorzellen wieder anfälliger gegenüber der körpereigenen Immunabwehr. Hinweise auf eine Wirksamkeit der Immuntherapie gibt es laut Prof. von Kalle beim malignen Melanom, beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom und beim Nierenzellkarzinom. Beim refraktären Blasenkarzinom hat sich die Anti-PD-L1-Strategie ersten Studien zufolge als so wirksam erwiesen, dass dem Wirkstoff von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA der Status einer "Breakthrough-Therapy" zuerkannt wurde (9).

Literaturhinweise:
(1) De Angelis R et al., Lancet Oncol 2014; 15: 23-34
(2) Marty M et al., J Clin Oncol 2005; 23: 4265-4274
(3) Perez EA et al., J Clin Oncol 2011; 29 (34): 4491-4497
(4) Weisgerber-Kriegl U et al., J Clin Oncol 2008; 26: 6589
(5) Baselga J et al., N Engl J Med 2012; 366: 109-119
(6) Verma S et al., N Engl J Med 2012; 367: 1783-1791
(7) Chapman PB et al., N Engl J Med 2011; 364: 2507-2516
(8) Chen DS, Mellman I, Immunity 2013; 39: 1-10
(9) Powles T et al., Abstract 5011, ASCO 2014
 

 
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