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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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11. Juni 2016

Eisenchelations-Therapie: Multidisziplinäre Überwachung erhöht Sicherheit und Adhärenz

EHA 2016

Eine Eisenüberladung ist bei Patienten, die regelmäßigen Erythrozytentransfusionen bekommen müssen, häufig und auf lange Frist mit Schäden an Organen wie Leber und Herz verbunden. Dafür, dass eine Eisenchelations-Therapie mit Deferasirox in verschiedenen Situationen in der täglichen Praxis hilfreich und praktikabel ist, gab es beim 21. Kongress der European Hematology Association Belege aus mehreren Beobachtungsstudien.
Die Transfusion roter Blutkörperchen ist ein wichtiger Pfeiler der Supportivtherapie bei den meist älteren Patienten mit myelodysplastischen Syndromen. Um die drohende Eisenüberladung bei transfusionsabhängigen Patienten, die ein unabhängiger negativer Prognosefaktor ist, zu verhindern oder abzumildern, wird in den Leitlinien eine Eisenchelations-Therapie für alle Patienten empfohlen, die ein IPSS-Risiko von „niedrig“ oder „intermediär 1“ und eine Lebenserwartung von mehr als einem Jahr haben und bei denen eine Eisenüberladung, ein Serum-Ferritinwert von mindestens 1.000 µg/l oder die Gabe von mindestens 20 Erythrozyten-Einheiten dokumentiert ist. In einer multizentrischen italienischen Studie wurde retrospektiv der Verlauf einer Therapie von 44 solchen MDS-Patienten mit Deferasirox im Hinblick auf Sicherheit und Wirksamkeit untersucht, wie Lisette del Corso, Genua, in Kopenhagen berichtete. Die Patienten konnten in zwei Gruppen unterteilt werden: 26 wurden in der normalen hämatologischen Ambulanz behandelt (Gruppe A), während den übrigen 18 eine multidisziplinäre Betreuung durch Hämatologen, Internisten, Nephrologen und Immun-Hämatologen zuteil wurde (Gruppe B). Das umfasste u.a. eine Analyse bestehender Komorbiditäten und die Evaluation eventueller weiterer Therapien und ihrer möglichen Interaktion mit Deferasirox, insbesondere der Gabe von potenziell nephrotoxischen Medikamenten.

Die medianen Serum-Ferritinwerte zu Beginn lagen in Gruppe A bei 1.125,5 µg/l, in Gruppe B bei 1.317,0 µg/l. Eine Abnahme des Serumferritins um mindestens 20% konnte nach drei Monaten Deferasirox bei 29% der Patienten in Gruppe A und bei 31% in Gruppe beobachtet werden, nach sechs Monaten lagen die entsprechenden Werte bei 17% in Gruppe A, in Gruppe B hingegen mit 36% etwa doppelt so hoch. Nach einem Jahr hatte sich der Abstand mit 22% versus 58% noch vergrößert; dieser Unterschied war grenzwertig signifikant (p=0,06).

Nebenwirkungen wurden nach drei Monaten bei 11%, nach sechs Monaten bei 29% und nach zwölf Monaten bei 16% der Patienten registriert, am häufigsten Diarrhö und ein Anstieg des Serum-Kreatinins. Ein hämatologisches Ansprechen war bei 16% der Patienten nach sechs und bei 20% nach zwölf Monaten zu beobachten.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine multidisziplinäre Betreuung Sicherheit und Adhärenz gegenüber einer Eisenchelations-Therapie erhöhen und so möglicherweise ihre Wirksamkeit verstärken kann. Ein früher Beginn der Therapie mit Deferasirox bei zunächst niedrigen Dosierungen, so Frau del Corso, kann sinnvoll sein, ebenso die Beibehaltung der Dosierung für einige Monate, um eine zu schnelle Eisenausschwemmung zu vermeiden. Ebenso müssen klinische und Laborparameter regelmäßig überwacht werden, um beispielsweise nierentoxische Einflüsse rechtzeitig erkennen und managen zu können, ohne dass deshalb die Deferasirox-Behandlung unterbrochen werden muss.
jg
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