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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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29. Juli 2014

Effektive Antiemese - essentieller Baustein einer erfolgreichen Tumortherapie

Die Diagnose Krebs stellt für die Betroffenen eine existentielle Bedrohung dar. Sowohl Krankheit als auch Therapie beeinflussen das gesamte Leben. Zunächst steht zwar der Kampf gegen die Erkrankung im Mittelpunkt, aber aus Patientensicht ist enorm wichtig, dass die Krankheit und die Behandlung das gewohnte Leben möglichst wenig beeinträchtigen.

Dazu gehören vor allem das Vermeiden von Nebenwirkungen der Therapie und der Erhalt der Lebensqualität der Patienten während der Behandlung. Ein essentieller Schritt hierzu ist der ausreichende Schutz vor Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen (CINV). Bei einem Satellitensymposium im Rahmen des BNGO-Kongresses diskutierten Experten die Bedeutung der Lebensqualität für Krebspatienten, mögliche Wege zu ihrem Erhalt und deren Umsetzung im klinischen Alltag.

Prof. Dr. med. Diana Lüftner von der Charité Berlin gab zunächst einen Überblick über mögliche Nebenwirkungen, wie sie bei Tumorpatienten im Rahmen einer Chemotherapie sowie einer Therapie mit Biologicals, verdeutlicht am Beispiel Bevacizumab, auftreten können. "Wir müssen unsere Patienten, und vor allem bereits vorbelastete Patienten mit Begleiterkrankungen, genau auf mögliche Nebenwirkungen wie arterielle Hypertonie, Thrombosen, Blutungen und Durchfälle hin überwachen", betonte Lüftner, die auch notwendige Maßnahmen zum Nebenwirkungsmanagement am Beispiel der Therapie mit Bevacizumab vorstellte.

Zu den einfachen, aber hilfreichen Maßnahmen bei Stomatitis beispielsweise gehören eine sorgfältige Mundhygiene und das Benutzen einer sehr weichen Zahnbürste sowie alkoholfreie Mundspülungen mit Kochsalz oder Salbei. Säurehaltige Getränke sollten vermieden werden. Das Lutschen von Eiswürfeln und gefrorenen Ananasstücken, die aufgrund des Enzyms Bromelain entzündungshemmend wirken, hätten sich in der Praxis bewährt, so Lüftner. Bei Diarrhöen seien Exsikkosen durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unbedingt zu vermeiden, sie empfiehlt die prophylaktische Gabe von Loperamid, vor allem bei gleichzeitig vorliegenden Zytopenien.

Erhalt der Lebensqualität trägt zum Behandlungserfolg bei

Einen besonderen Stellenwert für den Erhalt der Lebensqualität hat der Schutz vor Übelkeit und Erbrechen durch eine effektive prophylaktische Antiemese. "Ein ausreichender Schutz vor Übelkeit und Erbrechen ist nicht nur für das Allgemeinbefinden der Patienten enorm wichtig, sondern beeinflusst auch ihre Wahrnehmung, wie erfolgreich die Therapie ist - daran werden wir als Ärzte von den Patienten gemessen", stellte Dr. med. Jörg Schilling, Onkologische Schwerpunktpraxis Berlin, fest. Dass Überleben und Lebensqualität bei onkologischen Therapien in Zusammenhang stehen, erläuterte Professorin Dr. med. Petra Feyer vom Vivantes Klinikum Berlin. "Man sollte sich der Lebensqualität nicht nur unter dem Aspekt des Wohlbefindens des Patienten, sondern auch unter dem Aspekt "Survival“ widmen", sagte die Strahlentherapeutin und verwies auf eine Arbeit von Gralla et al., die gezeigt hatte, dass Lungenkrebspatienten mit einer besseren Lebensqualität auch ein längeres Überleben aufwiesen (Gralla RJ et al. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr 8087)).

Verschiedene Studien zeigten, dass die CINV bzw. ihre Prophylaxe der Faktor mit dem größten Einfluss auf die Lebensqualität und Therapietreue der Patienten sei, für die behandelnden Ärzte quasi die Königsdisziplin, so Feyer weiter. Ein Problem bei der praktischen Umsetzung einer adäquaten Antiemese ist die Disparität zwischen der Einschätzung von Ärzten und Pflegepersonal bezüglich der zu erwartenden Übelkeit und Erbrechen und den von den Patienten tatsächlich erlebten Symptomen (Basch E. N Eng J Med 2010;362(10):865-9). "Während die Einführung der 5-HT3-Rezeptorantagonisten der erste große Durchbruch in der Antiemese war, geben uns heute die NK1-Rezeptorantagonisten (NK1-RA) eine zusätzliche Option, die Prophylaxe adäquat zu betreiben", sagte Feyer. Nationale und internationale Leitlinien empfehlen die Tripeltherapie mit NK1-RA bei hoch emetogenen (HEC) und AC-basierten Chemotherapien, wobei 2 Applikationsformen zur Verfügung stehen: das orale Aprepitant und das intravenöse Fosaprepitant, bei dem die einmalige Gabe an Tag 1 ausreichend ist. Molassiotis et al. zeigten in einer aktuellen Metaanalyse mit fast 2000 Patienten, dass die antiemetische Dreifachtherapie mit Aprepitant, Ondansetron und Dexamethason die Lebensqualität im Vergleich zur Zweierkombination mit Ondansetron und Dexamethason bei hoch und moderat emetogener Chemotherapie (MEC) signifikant verbessert (Molassiotis A et al. Future Oncol 2013 Oct;9(10):1443-50). Bei bestimmten Risikokonstellationen sei Aprepitant jedoch auch bei moderat emetogener Chemotherapie sinnvoll, erklärte Feyer und verwies darauf, dass NCCN (National Comprehensive Cancer Network) und ONS (Oncology Nursing Society) diese Tripelantiemese auch bei ausgewählten Patienten mit speziellen Risikofaktoren bei MEC empfehlen. Auch die aktuellen ASCO-Guidelines schlagen vor, den Einsatz von Aprepitant im Rahmen der Tripelprophylaxe auch bei MEC zu erwägen, wenn bestimmte Risiken vorliegen. Hinzu kommt, dass gerade Carboplatin und Oxaliplatin unter den moderat emetogenen Chemotherapien am oberen Ende der Emetogenität stehen. Zugelassen ist der Aprepitant sowohl bei HEC als auch bei MEC.

Umsetzung der antiemetischen Leitlinien in gynäko-onkologischen Praxen wird besser

Dass diese Leitlinien und Empfehlungen bereits Einzug in die gynäko-onkologische Praxis genommen haben, stellte Dr. Jörg Schilling, stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbands Niedergelassener Gynäkologischer Onkologen Deutschlands (BNGO) e.V. dar. Zwischen Oktober 2012 und August 2013 erfasste eine online-Dokumentation in gynäko-onkologischen Praxen des BNGO die Bekanntheit von antiemetischen Leitlinien und deren tatsächliche Umsetzung bei Mammakarzinompatientinnen, die eine AC-basierte (neo)adjuvante Chemotherapie erhalten. "Die zentrale Fragestellung unserer Datenerhebung ist, ob die mit der 2011 erfolgten Neueinstufung von AC als HEC verbundene Leitlinienänderung zur Empfehlung der Tripelantiemese mit NK1-RA bekannt ist und auch tatsächlich umgesetzt wird", erklärte Schilling. 94% der befragten Ärzte war die Leitlinienänderung bekannt, 84% gaben an, diese umsetzen zu wollen und auch schon vorher die Tripelantiemese eingesetzt zu haben.

Zum Zeitpunkt der letzten Zwischenauswertung im September 2013 hatten 246 Patientinnen die Zyklen 1-3 ihrer AC-basierten Chemotherapie erhalten. Von ihnen wurden aber, im Gegensatz zu den Absichtsbekundungen der Ärzte, im ersten Zyklus nur 33% mit der empfohlenen Tripelantiemese behandelt, im dritten Zyklus waren es 35%. Bei der aktuellen Datenerfassung hatten hingegen bereits 47% der 250 Patientinnen eine Antiemese mit dem empfohlenen NK1-RA erhalten. "Diese Erhebung zeigt, wie wichtig die Versorgungsforschung ist, die uns einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht und die Realität in der antiemetischen Versorgung unserer Patienten abbilden kann", sagte Schilling und erklärte abschließend: "Wir alle sollten die Leitlinien verinnerlichen und eine Antiemese auf dem neuesten Stand der Forschung anwenden, zumal wir mit der Tripelkombination mit Aprepitant auf der sicheren Seite sind."

Mascha Pömmerl

Quelle: Satellitensymposium der MSD Sharp & Dohme Symposium "Die Bedeutung der Lebensqualität bei Krebskranken im klinischen Alltag" im Rahmen des 2. BNGO-Kongress vom 20.-21. Juni in Berlin
 
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