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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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13. April 2012

Die Mistel – unentbehrlicher Baustein in der komplementären Krebstherapie

Welchen Stellenwert hat die Mistel in der Behandlung von Brustkrebs? Diese Frage stand bei einer Podiumsdiskussion im Mittelpunkt, die am Vortag des Kongresses „Integrative Therapie des Mammakarzinoms“ Anfang Februar in Berlin stattfand (1). Dabei wurde deutlich, dass komplementäre Maßnahmen wie beispielsweise die anthroposophische Misteltherapie aus der Onkologie nicht mehr wegzudenken sind. Die Devise heißt: mit gemeinsamen Kräften individuell behandeln.
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Operation, Chemo- und/oder Strahlentherapie sind mit teils starken Nebenwirkungen verbunden und mindern die Lebensqualität der Brustkrebspatientinnen oft erheblich. So gewinnt die ergänzende Behandlung mit Mistelpräparaten (z.B. Iscador®) zunehmend an Bedeutung. „Der Schlaf verbessert sich, ebenso die Stimmung. Die Patientinnen fühlen sich durch die Misteltherapie auch ‚durchwärmter‘. Denn Menschen, die an Krebs erkrankt sind, frieren häufig“, betont Frau Dr. Daniela Paepke von der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar der TU München. Ein schneller Therapiebeginn mit der Mistel ist ideal, weiß Dr. Christian Büttner von der Arcadia Praxisklinik in Kassel. „Sie führt schnell aus dem Schock heraus, den die Diagnose Krebs auslöst. Zudem bekommen die Patientinnen etwas, das sie sich selbst verabreichen können. In der Behandlung von Krebs ist alles wichtig, was die eigene Aktivität fördert.“

Chemo- und Misteltherapie sind gut kombinierbar

Vorbehalte gegen eine kombinierte Behandlung sind unbegründet. Es gibt keine Untersuchung, die zeigt, dass eine Misteltherapie eine konventionelle Behandlungsmethode abschwächt oder anderweitig beeinflusst. Frau Dr. Anette Voigt, leitende Frauenärztin der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Gemeinschafskrankenhaus Herdecke, meint dazu: „Unter Chemotherapie kommt es nicht selten zu Leukopenien. Wenn durch eine Mistelbehandlung eine dadurch induzierte Intervallverlängerung oder Dosisreduktion vermieden werden kann, ist dies ein deutlicher Zusatznutzen.“ Und Dr. Thomas Kuhn, Facharzt für Frauenheilkunde und Ärztlicher Leiter des Brustzentrums am Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart, ergänzt: „Das Fatigue-Syndrom gehört zu den häufigen Nebenwirkungen der Chemotherapie. Bei Patientinnen mit schlechter Konstitution sind diese Erschöpfungszustände spürbar weniger, wenn zusätzlich mit Mistel therapiert wird.“

Studien sind wichtig, aber auch die Erfahrung zählt

Die Mistel zählt zu den am besten untersuchten Arzneimitteln in der komplementären Behandlung von onkologischen Erkrankungen. Insgesamt liegen derzeit 123 klinische Studien vor, 79 davon wurden mit Iscador® durchgeführt. Im Ergebnis zeigen fast alle Studien einen Vorteil für die Misteltherapie. Exemplarisch sei eine prospektive, randomisierte, offene Pilotstudie zur Lebensqualität und Neutropenie bei 95 Patientinnen mit Mammakarzinom nach Operation angeführt, die in drei Gruppen randomisiert wurden. (2) Alle erhielten sechs dreiwöchige Zyklen mit Cyclophosphamid, Adriamycin und 5-Fluoruracil. Eine Gruppe erhielt zusätzlich Iscador M® spezial, eine weitere ein anderes Mistelpräparat. Die Lebensqualität wurde mittels EORTC-Fragebogen (European Organization for Research and Treatment of Cancer) erfasst. Zusätzlich wurde das Auftreten von Neutropenien innerhalb der Gruppen verglichen. Das Ergebnis: In der Iscador®-Gruppe wurde zum Studienende eine bessere Lebensqualität festgestellt. Bei zwölf Scores zeigte sich ein signifikanter Unterschied (p < 0,02), der in neun Scores auch klinisch relevant war. Insgesamt wurde die Therapie gut vertragen. Studienergebnisse sind jedoch nur ein Teil dessen, was im Hinblick auf die Wirksamkeit eines Präparats oder des Stoffgemisches einer Pflanze zu berücksichtigen ist. „Nur was ich mit gutem Willen mache, wirkt auch gut“, so Dr. Büttner. „Häufig fehlen schlichtweg die Teilnehmer für bestimmte Studien“, meint Frau Dr. Voigt, „denn die Patienten sind nicht dumm. Wer lässt sich freiwillig randomisieren und sich über viele Jahre Placebo spritzen, wenn er weiß, was er gewinnen kann, wenn er die Mistel spritzt?“ Kritisch sieht auch Dr. Kuhn das Thema Studiengläubigkeit: „Wir messen heute Studien mehr Wert zu als einer Erfahrungsmedizin, die wir schon seit Jahrzehnten erfolgreich durchführen.“

Anthroposophische Medizin – schrittweise auf dem Vormarsch

Dr. Büttner formuliert es so: „Schön, dass das Instrumentarium der Anthroposophischen Medizin jeder Patientin etwas speziell für sie Geeignetes bieten kann. Die Frau ist die Chefin, wir sind die Dienstleister, die der Patientin die Unterstützung geben können, die sie vor allem zu Beginn dringend braucht.“ Schulmediziner Dr. Kuhn kam wie Saulus zum Paulus zur Misteltherapie: „Eine erste ‚zwanghafte‘, von der Patientin geforderte Anwendung hat mich neugierig gemacht. Die psychische Verfassung sowie die Schlafstörungen verbesserten sich sehr schnell, weil die Betroffene selbst aktiv zu ihrer Genesung beitragen musste und konnte. Allgemein ist die Misteltherapie eine Therapie der Hinwendung zum Patienten, des Beobachtens und des Wahrnehmens. Die Verlaufskontrolle findet u.a. durch das persönliche Gespräch statt.“ „Nur Beharrlichkeit führt zum Erfolg“, so der Appell von Frau Dr. Paepke, „denn Ärzte, die die Anthroposophische Medizin ablehnen, tun dies oft lediglich aus Unwissenheit heraus“. Wie soll sich die integrative Onkologie entwickeln? In dieser Frage sind die Antworten der Teilnehmer einheitlich: Die Offenheit für Erfahrungsmedizin sollte in der Ärzteschaft zunehmen und es sollte mehr anthroposophisch tätige Ärzte geben, damit der Integrationsgedanke stetig vorangetrieben wird. Denn es ist höchste Zeit, dass alle Ärzte sich mehr austauschen und zusammenarbeiten, um dem Patienten die bestmögliche individuelle Lösung anbieten zu können.

Literaturhinweise:
(1) An der Podiumsdiskussion von Weleda im Hotel Ellington, Berlin, nahmen teil: Dr. med. Christian Büttner, Facharzt für Allgemeinmedizin, Arcadia- Praxisklinik Kassel, Dr. med. Anette Voigt, Leitende Ärztin der Frauenklinik am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, Dr. med. Daniela Paepke, Ärztin in der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar der TU München und Dr. med. Thomas Kuhn, Ärztlicher Leiter des Brustzentrums, Karl-Olga- Krankenhaus Stuttgart.
(2) Tröger W et al.: Quality of Life and Neutropenia in Patients with early stage Breast Cancer: A randomized Pilot Study comparing Additional Treatment with Mistletoe Extract to Chemotherapy alone. Breast Cancer – Basic and Clinical Research 3, 35 – 45 (2009)
Quelle: Podiumsdiskussion des ersten Kongresses zur Integrativen Onkologie bei Brustkrebs in Berlin; Weleda
 
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