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04. Oktober 2017

CLL: Protein NFAT2 kann Übergang in aggressives Lymphom verhindern

Forscher am Universitätsklinikum Tübingen konnten das Protein NFAT2 als einen entscheidenden Faktor für den Verlauf der Chronisch-Lymphatische Leukämie (CLL) identifizieren.
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Die Chronisch-Lymphatische Leukämie ist die häufigste Leukämieform in den westlichen Industrieländern. Meistens verläuft die Krankheit sehr langsam, chronisch und über viele Jahre ist keine Therapie nötig. Bei einem Teil der Betroffenen nimmt die Erkrankung jedoch einen viel aggressiveren Verlauf. Diese Patienten benötigen deutlich früher eine tumorspezifische Therapie. Bis zu 10% der CLL-Patienten entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung ein Richter-Syndrom, bei dem aus der niedrigmalignen CLL ein hochmalignes Lymphom entsteht. Diese Patienten stellen im klinischen Alltag eine besondere Herausforderung dar und sind durch eine besonders schlechte Prognose gekennzeichnet.

Martin Müller aus der Abteilung für Onkologie, Hämatologie, Immunologie, Rheumatologie und Pulmonologie am Tübinger Universitätsklinikum konnte mit seiner Arbeitsgruppe das Protein NFAT2, welches in gesunden Zellen an der Regulation der Immunantwort beteiligt ist, als einen entscheidenden Faktor für den Verlauf der CLL identifizieren.

Dies untersuchten die Wissenschaftler an einem Mausmodell sowie an menschlichen Zellproben: Das Ausschalten von NFAT2 in den Leukämiezellen der Maus führte zu einem deutlich beschleunigten Krankheitsverlauf mit wichtigen Merkmalen des Richter-Syndroms beim Menschen. Die Tiere entwickeln ein aggressives Lymphom und zeigen eine deutlich kürzere Lebenserwartung. Leukämiezellen von Patienten mit einem langsamen klinischen Verlauf zeigen eine große Menge des Proteins NFAT2, während die Produktion bei Patienten mit aggressiver Verlaufsform erheblich reduziert ist. Beim Richter-Syndrom kommt die Produktion von NFAT2 in den Tumorzellen sogar völlig zum Erliegen.

Die Studie demonstriert weiter, dass das Protein NFAT2 in den Leukämiezellen für die Anergie verantwortlich ist. Der Verlust dieses Ruhezustandes führt hingegen zu einem aggressiveren Verlauf der Leukämie und zu einer deutlich schlechteren Prognose.

Oberarzt Müller und seine Mitarbeiter sind überzeugt, dass der entdeckte Mechanismus in absehbarer Zukunft auch therapeutisch genutzt werden könnte. „Insbesondere für Patienten mit Richter-Syndrom, für die es bislang nur wenig effektive Behandlungsmöglichkeiten gibt, birgt dieser Ansatz erhebliches Potenzial“, so die Einschätzung von Müller.
Quelle: Universitätsklinikum Tübingen
Literatur:
Melanie Märklin, Jonas S. Heitmann, Alexander R. Fuchs et al.
NFAT2 is a critical regulator of the anergic phenotype in chronic lymphocytic leukaemia.
Nature Communications 8, Article number: 755 (2017); DOI: 10.1038/s41467-017-00830-y
https://www.nature.com/articles/s41467-017-00830-y
 
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