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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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17. Juni 2018

CAR-T-Zellen: Lebensqualität von Kindern und jungen Erwachsenen der ELIANA-Studie verbessert sich „dramatisch“

Bei Kindern und bei jungen Erwachsenen, die zur Behandlung therapierefraktärer oder rezidivierender akuter lymphoblastischer Leukämien (r/rALL) CAR-T-Zellen erhalten und darauf angesprochen haben, verbessert sich die Lebensqualität sukzessive nach Therapie. In der ELIANA-Studie wird Tisagenlecleucel (CTL019) untersucht. „Die Verbesserungen sind bei Patienten mit kompletter Remission klinisch bedeutend, sie sind als "dramatisch" zu bezeichnen“, resümiert das Studienteam, das die Daten bei der 23. Jahrestagung der European Hematology Association (EHA) vorgestellt hat, die derzeit in Stockholm stattfindet.
Die ELIANA-Studie (Phase 2) ist eine der ersten größeren, globalen klinischen Studien, in denen eine hohe Effektivität von CAR-T-Zellen (chimeric antigen receptor)-T-Zellen bei schwer behandelbaren hämatologischen Malignomen nachgewiesen wurde. 25 Zentren in 11 Ländern beteiligen sich, inklusive Deutschland. Für 75 von 92 eingeschlossenen Patienten mit r/rALL lagen zur Jahrestagung der EHA Daten vor, die Patienten waren zum Zeitpunkt der Diagnose 3-23 Jahre alt.

3 Monate nach Therapie mit Tisagenlecleucel wurde eine Rate kompletter Remissionen (CR/iCR; ohne minimale Restererkrankung) von 81% erreicht (1-3). Von den 75 Patienten, die median mehr als 13 Monate beobachtet wurden, beantworteten 58 im Alter von mindestens 8 Jahren die Fragen zur Lebensqualität. Verwendet wurden der standardisierte EuroQol-5 Dimension (EQ-5D für Erwachsene) Fragebogen mit den Bereichen Mobilität, Selbständigkeit, Alltagsaktivitäten, Schmerzen oder andere Beschwerden und Ängstlichlkeit/Depressivität. Der Score hat einen Bereich von 0 (schlechteste denkbare Lebensqualität) bis 100 (best mögliche körperliche und seelische Gesundheit). Werte zwischen 83 und 86 gelten als normal. Der EQ-5D schließt eine visuelle Analog-Skala (VAS) für die 5 Bereiche ein. Für Kinder wurde die Methode entsprechend angepasst (PedsQL).

Lebensqualität ist auch bei Kindern unter CAR-T-Zelltherapie gut
48 der 58 Patienten, die die Fragen komplett beantworteten, waren Responder (83%). Die durchschnittlichen Lebensqualitätswerte vor Therapie lagen für Nonresponder (n=10) bei 60 für Kinder (PedQL) und 63 für Erwachsene (EQ-5D), bei Respondern betrugen die Basiswerte 58 bei den Kindern und 68 bei Erwachsenen. 1, 3, 6, 9 und 12 Monate nach Infusion der CAR-T-Zellen wurden die Patienten wieder befragt.

Nach 1 Monat waren die VAS-Werte bei Respondern (CR/iCR) bereits klinisch relevant angestiegen: um durchschnittlich 6 VAS-Punkte auf der PedQL bei Kindern und um 11 VAS-Punkteauf der EQ-5D bei Erwachsenen. Die VAS-Werte verbesserten sich weiter im Verlauf: Der Unterschied zum Ausgangswert war nach 9 Monaten auf 19 bei Kindern und 18 bei Erwachsenen angestiegen (PedQL: 77; EQ-5D: 86), nach 12 Monaten betrug die Differenz der VAS-Werte + 27 bei den Kindern und + 25 bei den Erwachsenen. Bei den pädiatrischen Patienten hatten 64% ein Jahr nach einer CAR-T-Zell-Infusion einen Punktwert von mindestens 83 der 100 möglichen Punkte und 64% der Erwachsenen einen Wert von mindestens 86 der 100 möglichen Punkte, also normale Werte. „Die anhaltende Verbesserung der Lebensqualität ist ein sehr wichtiges und praxisrelevantes Ergebnis“, resümieren die Forscher.

CAR-T-Zellen sind „scharf gemachte“ T-Lymphozyten

CAR-T-Zellen sind „scharf gemachte“ T-Lymphozyten des Patienten – nach allogener Stammzelltransplantation können es auch solche des Spenders sein. Nach Leukapherese werden die T-Zellen des Patienten in vitro gentechnisch so verändert, dass sie sich an Antigene auf der Population der Krebszellen binden. Bei Tisagenlecleucel ist es das B-Lymphozytenantigen CD19. Zusätzlich zu den bindungsspezifischen Genabschnitten (Antikörperfragmente) werden solche für die Kostimulation übertragen. Die entsprechenden Proteine bewirken, dass die CAR-T-Zellen nach Bindung an CD19 MHC-unabhängig aktiviert werden und Effektorfunktionen wie Zytotoxizität leichter entfalten als physiologische, unveränderte Lymphozyten. In den USA ist Tisagenlecleucel seit August 2017 als Kymriah (R) zur Therapie der r/rALL zugelassen, in diesem Jahr folgte eine Indikationsweiterung für Non-Hodgkin-Lymphome (diffus großzellige B-Zell-Lymphome) und bestimmte follikuläre Lymphome. In Europa ist eine Zulassung beantragt und wird noch für dieses Jahr erwartet.

Nebenwirkungen sind vor allem kurz nach CAR-T-Zell-Infusion häufig, können aber bei stärkerer Ausprägung mit Steroiden oder mit dem anti-inflammatorisch wirkenden Antikörper Tocilizumab (Anti-IL-6R) im Allgemeinen kontrolliert werden und gingen in der ELIANA-Studie meist innerhalb von wenigen Wochen zurück. Für keinen Patienten war die Behandlung tödlich.

nsi
Quelle: EHA 2018, Thema: CAR-T-Zellen_ELIANA_Studie, Freitag, Baruchel A, Abstr. PF181
Literatur:
1. Baruchel A, Grupp SA, Bader P, et al.: Improvement of patient-reported quality of life following Tisagenlecleucel infusion in pediatric and young adult patients with relapsed/refractory B-cellacute lymphoblastic leukemia. 23. Jahrestagung der European Hematology Association, 15.06.2018 in Stockholm; Abstr. PF181
2. Maude SL, Laetsch TW, Buechner J, et al.: Tisagenlecleucel in children and young adults with B-cell lymphoblastic leukemia. N Engl J Med 2018; 378: 439-48.
3. Cope S, Ayers D, Shih T, et al.: Expert elicitation of long-term-survival for pediatric ALL patients receiving CTL019 in the ELIANA Phase II study. 59. Jahrestagung der Ameri- can Society of Hematology (ASH) vom 9.-12. Dezember 2017 in Atlanta; Abstr. 3377.
   
 
 
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