Dienstag, 22. August 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
29. März 2016

Bessere Lebensqualität durch Dreifach-Antiemese unter Carboplatin-haltiger Kombinationschemotherapie

Die Erhaltung der Lebensqualität während und nach der Therapie ist für das Wohlbefinden von Tumorpatienten von herausragender Bedeutung und hat zudem einen positiven Einfluss auf das Überleben, betonten Experten bei einem Satellitensymposium der Firma MSD im Rahmen des Deutschen Krebskongresses (DKK) in Berlin. Allerdings werde die Lebensqualität der Patienten in hohem Maße durch therapiebedingte Nebenwirkungen beeinträchtigt. Übelkeit und Erbrechen galten jahrelang als die Nebenwirkungen, die die Patienten am stärksten belasteten. Diesen kann heute durch eine leitliniengemäße Antiemese weitgehend vorgebeugt werden. Allerdings gibt es immer noch Sonderfälle, in denen die Antiemese noch optimiert werden kann und muss.

Anzeige:
 
 

Eine solche Sonderstellung erhielt nun das Carboplatin in den 2016 aktualisierten gemeinsamen Leitlinien der MASCC (Multinational Association of Supportive Care in Cancer) und der ESMO (European Society of Medical Oncology) (1). Obwohl Carboplatin nach wie vor als moderat emetogen (MEC) klassifiziert ist, erhält es eine Sonderstellung und es wird eine Dreifachantiemese aus NK1-Rezeptorantagonist, 5-HT3-Rezeptorantagonist und Dexamethason empfohlen. Dieses Vorgehen kann die Lebensqualität der Patienten weiter verbessern, so Prof. Dr. Jens-Uwe Blohmer, Berlin. Dies gelte insbesondere in der gynäkologischen Onkologie, wo Carboplatin-haltige Regime häufig eingesetzt werden – nicht nur beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom, sondern zunehmend auch in der Neoadjuvanz beim tripelnegativen Mammakarzinom.

Der Erhalt ihrer Lebensqualität ist für Patienten, die an einer Krebserkrankung leiden, ein eminent wichtiges Therapieziel. Dies ergab eine britische Umfrage bei 202 Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom und 66 gynäkologischen Onkologen (2). Wie Prof. Dr. Christian Witt, Leiter des Arbeitsbereichs Pneumologische Onkologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin am Campus Charité Mitte, im Rahmen der Veranstaltung betonte, hat gute Lebensqualität dabei für die Patientinnen oberste Priorität – noch vor der Lebensverlängerung. Gleichzeitig offenbarte die Befragung aber auch, dass die Wünsche der Patientinnen nach einer guten Lebensqualität sich nicht unmittelbar in der klinischen Realität widerspiegeln. Jede zweite Frau gab an, nach dem ersten Chemotherapiezyklus an Übelkeit und Erbrechen (CINV) zu leiden (2). Witt betonte, dass gerade die verzögerte Übelkeit, die bis zu 120 Stunden nach der Chemotherapie auftreten kann, für Tumorpatienten nach wie vor ein großes Problem darstellt. Diese Form der CINV, die in der Regel auftritt, wenn die Patienten zu Hause sind und sich damit „außerhalb des Blickfelds des Arztes befinden“ (Witt), wird in ihrer Bedeutung von Ärzten und Pflegepersonal deutlich unterschätzt. Das zeigt eine Untersuchung aus dem Jahr 2004 (3). Kerstin Paradies, Hamburg, Vorsitzende der Konferenz der Onkologischen Krankenpflege und Kinderkrankenpflege (KOK), einer Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft, zeigte sich jedoch überzeugt, dass gerade das onkologische Pflegepersonal sich heute über die Problematik von verzögerter Übelkeit und Erbrechen wesentlich besser im Klaren ist als vor 10 Jahren. Paradies und Witt wiesen gleichermaßen auf die Bedeutung einer leitliniengerechten Antiemese hin, die unmittelbar der Lebensqualität der Patienten zugutekomme.

Rolle von Carboplatin in der gynäkologischen Onkologie

Carboplatin-haltige Behandlungsregime haben gerade in der gynäkologischen Onkologie eine große Bedeutung, betonte Prof. Dr. Jens-Uwe Blohmer, Direktor der Klinik für Gynäkologie Universitätsmedizin Berlin am Campus Charité Mitte und Leiter des Brustzentrums der Charité. Dies gelte vor allem für das fortgeschrittene Ovarialkarzinom, wo die Kombination aus Carboplatin und Paclitaxel seit fast zwei Jahrzehnten die Standardchemotherapie in der Erstlinienbehandlung darstellt (4). Auch beim kleinen frühen Ovarialkarzinom ist die adjuvante Therapie mit Carboplatin als Monotherapie laut Blohmer Standard.

Beim tripelnegativen Mammakarzinom (TNBC) erhärten sich ebenfalls die Hinweise auf Vorteile einer platinhaltigen Chemotherapie. In der von Gunther von Minckwitz beim San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2015 präsentierten Analyse der GeparSixto-Studie ging es unter anderem um die Frage, ob bei Patientinnen mit einem Hochrisiko-Mammakarzinom, z.B. mit TNBC, die Hinzunahme einer Platinverbindung zur Anthrazyklin- und Taxan-basierten Chemotherapie im neoadjuvanten Setting Vorteile bringt. Dabei zeigte sich, dass sich der Anteil an pathologischen Komplettremissionen (pCR) bei diesen Patientinnen durch Carboplatin deutlich steigern lässt – ein Vorteil, der sich auch in einem verbesserten krankheitsfreien Überleben niederschlägt . Bei den mit Carboplatin behandelten Patientinnen mit tripelnegativen Tumoren sah man einen Vorteil im krankheitsfreien Überleben nach 3 Jahren mit einem absoluten Unterschied von knapp 10% (85,8 vs. 76,1%) (5). Das entspricht einer fast 40%igen relativen Reduktion von Rezidiven und Metastasen beim TNBC durch Carboplatin. Ob Patientinnen mit oder ohne BRCA1/2-Mutation gleichermaßen von Carboplatin profitierten, kann anhand der Daten nicht abschließend beurteilt werden.

Sonderstellung von Carboplatin in den neuen Antiemese-Leitlinien

Die Emetogenität der Chemotherapie ist entscheidend für die Häufigkeit und die Ausprägung von Übelkeit und Erbrechen, betonte Blohmer. Es gelte, sowohl die akute als auch die verzögerte CINV von Anfang an durch eine ausreichende und leitliniengerechte Antiemese zu verhindern, um so auch der Entwicklung einer schwer behandelbaren antizipatorischen CINV – Folge einer klassischen Konditionierung – vorzubeugen. Wie der Berliner Gynäkologe weiter ausführte, haben MASCC/ESMO in ihren aktualisierten Antiemese-Leitlinien dem Carboplatin eine Sonderstellung innerhalb der moderat emetogenen Zytostatika eingeräumt. Demnach wird bei einer Carboplatin-basierten Chemotherapie ab sofort eine antiemetische Dreifachprophylaxe unter Einbeziehung eines NK1-RA empfohlen.

Die Empfehlung geht laut Blohmer im Wesentlichen auf eine große Phase-III-Studie von Weinstein et al. zurück, die im Jahr 2015 publiziert wurde . Eine eintägige Dreifachprophylaxe mit dem intravenösen NK1-RA Fosaprepitant (Ivemend®), Ondansetron und Dexamethason hatte sich in der Studie bei 1.000 Patienten mit überwiegend gynäkologischen Tumoren unter verschiedenen moderat emetogenen Chemotherapien als signifikant wirksamer als eine dreitägige Prophylaxe mit der Zweierkombination Ondansetron und Dexamethason erwiesen. Das in beiden Studienarmen am häufigsten eingesetzte Zytostatikum war Carboplatin (53%). Die Einmalgabe von Fosaprepitant (150 mg. i.v.) in Kombination mit Ondansetron und Dexamethason verbesserte die antiemetische Prophylaxe gegenüber der Antiemese mit Ondansetron und Dexamethason signifikant über 5 Tage. Beim kompletten Ansprechen (kein Erbrechen, keine Notfallmedikation) in der verzögerten Phase, dem primären Endpunkt der Studie, wurde ein signifikanter und klinisch relevanter Unterschied von rund 10% zwischen den Studienarmen beobachtet (78,9 vs. 68,5%; p<0,001). Das eintägige Dreifachregime mit dem intravenösen NK1-RA war sowohl in der verzögerten Phase (25-120 h nach der Chemotherapie) als auch im gesamten Risikozeitraum (0-120 h nach der Chemotherapie) signifikant wirksamer (jeweils p<0,001) als das dreitägige Prophylaxeregime mit Ondansetron und Dexamethason. Diesen Daten trug die MASCC laut Blohmer mit ihrer Neueinstufung von Carboplatin Rechnung.

Weitere Neuerungen in den MASCC/ESMO Leitlinien

Weitere Neuerungen in den MASCC/ESMO-Antiemese-Leitlinien sind laut Blohmer die Neueinstufung von Anthrazyklin-/Cyclophosphamid (AC)-Kombinationen als hoch emetogen, was in den ASCO- und NCCN-Guidelines bereits früher schon erfolgt war (7, 8). Eine weitere wichtige Neuerung ist die Empfehlung von Aprepitant bei Mehrtagestherapien mit Cisplatin sowie bei Hochdosis-Chemotherapien im Zusammenhang mit Stammzelltransplantationen. Bei pädiatrischen Chemotherapiepatienten empfehlen die Leitlinien zur Prävention von Übelkeit und Erbrechen bei HEC exklusiv Aprepitant im Rahmen einer Dreifachantiemese, so der Berliner Hämatologe. Aprepitant ist in der EU bei pädiatrischen Chemotherapiepatienten ab 12 Jahren zur Prävention von Übelkeit und Erbrechen bei HEC und MEC zugelassen (9).

Dr. Claudia Schöllmann, Grasbrunn
Satellitensymposium des Krebsforums „ÜberLEBENsqualität in der Onkologie?!“ der MSD Sharp & Dohme GmbH am 25. Februar 2016 im Rahmen des 32. Deutschen Krebskongresses in Berlin
Literatur:

(1) MASCC/ESMO antiemetic guidelines 2016; http://www.mascc.org/assets/Guidelines-Tools/mascc_antiemetic_guidelines_english_2016_v.1.0.pdf
(2) Jenkins V et al. Patients' and oncologists' views on the treatment and care of advanced ovarian cancer in the U.K.: results from the ADVOCATE study. Br J Cancer 2013;108:2264-71
(3) Grunberg SM et al. Incidence of chemotherapy-induced nausea and emesis after modern antiemetics. Cancer 2004;100:2261-68
(4) Du Bois A et al. A randomized clinical trial of cisplatin/paclitaxel versus carboplatin/paclitaxel as first-line treatment of ovarian cancer. J Natl Cancer Inst. 2003;95(17):1320-9.
(5) von Minckwitz G et al. Nab-paclitaxel at a dose of 125 mg/m2 weekly is more efficacious but less toxic than at 150 mg/m2. Results from the neoadjuvant randomized GeparSepto study (GBG 69). SABCS 2015. Abstract P1-14-11
(6) Weinstein C et al. Single-dose fosaprepitant for the prevention of chemotherapy-induced nausea and vomiting associated with moderately emetogenic chemotherapy: results of a randomized, double-blind phase III trial. Ann Oncol 2016;27:172-8
(7) Hesketh PJ et al. Antiemetics: American Society of Clinical Oncology Focused Guideline Update. J Clin Oncol. 2016 Feb 1;34(4):381-6
(8) National Cancer Comprehensive Network (NCCN). Clinical Practice Guidelines in Oncology. Antiemesis. v 2.2015. www.nccn.org. Accessed September 2014
(9) Fachinformation EMEND®, Stand Dezember 2015

 
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!



Anzeige:
Zur Fachinformation
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
CML
NET
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs
 
EHA 2017