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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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24. Februar 2014

BNHO: "Kümmermedizin statt Konzernmedizin!"

Zehn Jahre nach Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante onkologische Versorgung zieht der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland - BNHO e.V. eine kritische Bilanz und warnt vor einem ungebremsten Ausbau ambulanter medizinscher Angebote durch mächtige Gesundheitskonzerne. Die persönliche, kontinuierliche und qualitativ hochwertige Betreuung in Onkologischen Schwerpunktpraxen entspricht den Bedürfnissen der Krebspatienten.

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Bei einem Symposium des BNHO auf dem 31. Deutschen Krebskongress wurde die Zukunft der ambulanten Onkologie in Deutschland kontrovers diskutiert. "Zehn Jahre nach dem GKV-Modernisierungsgesetz aus dem Jahr 2004 existieren heute in der onkologischen Versorgung zwei konkurrierende Versorgungssysteme", betonte der BNHO-Vorsitzende Prof. Dr. Stephan Schmitz. Auf der einen Seite stehen niedergelassene Vertragsärzte, die als freiberufliche Krebsspezialisten Patienten innerhalb regionaler Netzwerke versorgen. Auf der anderen Seite versuchen einige profitorientierte Gesundheitskonzerne, sich als medizinische "Full-Service-Provider" zu positionieren und das komplette Versorgungsspektrum aus einer Hand anzubieten. Der BNHO fordert deshalb dringend eine politische Diskussion über die Entwicklungen in der ambulanten Onkologie. "Auf jeden Fall brauchen wir einen einheitlichen, fairen Wettbewerbsrahmen für Krankenhauskonzerne und niedergelassene spezialisierte Fachärzte", erklärte Schmitz.

Ambulante Krebsspezialisten: Kompetent und patientennah

"Die zentrale Frage ist, welches der beiden Systeme das bessere für die Patienten und die Solidargemeinschaft ist", so Schmitz. Aus Sicht des BNHO fällt die Antwort eindeutig aus: Untersuchungen belegen, dass die deutschen Krankenhäuser im europäischen Vergleich nicht die preiswertesten Anbieter onkologischer Versorgung sind. "Zudem müssen börsennotierte Gesundheitskonzerne auch noch erhebliche Gewinne erwirtschaften. Auf lange Sicht kann das die Versorgung nicht kostengünstiger machen", ergänzte Schmitz.

Vor allem aber werden Patientenbedürfnisse von niedergelassenen Krebsspezialisten besser erfüllt: "Die Mehrheit der Patienten will nicht in Gesundheitskonzernen behandelt werden, in denen Shareholder Value an erster Stelle steht", so Schmitz. Ambulante Hämatologen und Onkologen bieten nicht nur eine onkologische Versorgung auf qualitativ höchstem Niveau. "Sie sind auch langfristige und engagierte Kümmerer, die auch die Familie und den Hausarzt des Patienten kennen und die deswegen die komplexe Versorgung optimal koordinieren können", erläuterte Schmitz.

Niedergelassene Ärzte sind weiterhin in starker Position

Skeptisch zu einem ungezügelten Wettbewerb im Gesundheitswesen äußerte sich auch der Vorstandsvorsitzende der KV Hamburg, Walter Plassmann. Ein wichtiger Grund dafür, warum das deutsche Gesundheitssystem in internationalen Vergleichen regelmäßig Top-Positionen einnehme, sei der offene Zugang zu niedergelassenen Ärzten. "Das bleibt aber nur dann so, wenn überzogener Wettbewerb außen vor gehalten wird", so Plassmann. Niedergelassene Krebsspezialisten sieht er dennoch im Vorteil: "Sie haben das Vertrauen der Patienten."

Durch die maßgeblich vom BNHO mit vorangetriebene ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) sieht Plassmann die niedergelassenen Krebsspezialisten gestärkt. "Die bisherigen Verhandlungen sind im Sinne der niedergelassenen Ärzte gelaufen. Und auch die Gespräche über die Honorierung gehen in die richtige Richtung." Insgesamt sei die ambulante Medizin auch zehn Jahre nach Ulla Schmidt weiterhin in einer starken Position: "Selbst der unfair angelegte §116b in seiner alten Fassung hat es nicht geschafft, die niedergelassenen Ärzte an den Rand zu drängen."

Versorgungsbedarf in der Onkologie steigt

Für die Krankenkassen erinnerte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Thomas Ballast, an den durch medizinischen Fortschritt und demographischen Wandel bedingten steigenden Versorgungsbedarf in der Onkologie: "Krebserkrankungen werden eher mehr als weniger. Deswegen sollten wir uns vor allem darüber Gedanken machen, wie wir gemeinsam die Versorgungslast schultern können." Aus Sicht der Krankenkassen gibt es genügend Platz, um mehr ambulante Versorgung durch die Krankenhäuser zuzulassen: "Das 'Geschäftsmodell' Onkologie ist zukunftsfähig", so Ballast, der die ASV ebenfalls als "richtigen Schritt" bezeichnete.

Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft, warnte davor, ambulante und stationäre Medizin gegeneinander auszuspielen. Bei ambulanten Angeboten der Krankenhäuser gehe es nicht nur um die Wertschöpfungskette, sondern auch um Wahlfreiheit. An der Sicherstellung der ambulanten Versorgung seien Krankenhäuser ohnehin längst beteiligt: "Ohne Krankenhäuser könnte die ambulante Notfallversorgung nicht aufrecht erhalten werden." Es gebe daher "keine Strategie zur Okkupation des niedergelassenen Systems", weil die Summen, um die es dabei gehe, gemessen am Gesamtumsatz der Krankenhäuser überschaubar seien.

Gemeinsam wappnen für eine schwierige Zukunft

Abschließend stellte Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung die Diskussion um eine Neujustierung der onkologischen Versorgung in Deutschland in einen makroökonomischen Kontext. Die derzeit günstige finanzielle Situation für die Sozialsysteme mit niedriger Arbeitslosigkeit, sprudelnden Steuereinnahmen und hohen Überschüssen der Sozialversicherungen werde nicht anhalten, so der Experte. Spätestens, wenn in einigen Jahren die ersten Babyboomer in Rente gehen, stehe das Gesundheitswesen vor härteren Jahrzehnten.

Die Sektorengrenzen werden laut Augurzky an Bedeutung verlieren. Wenn das Thema Rationierung im nächsten Jahrzehnt an Bedeutung gewinnt, müsse man über Mittel und Wege diskutieren, um für alle Menschen eine Versorgung auf hohem Niveau zu gewährleisten.

Quelle: BNHO
 
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