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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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13. Juni 2016

Akute Myeloische Leukämie: 11 Untergruppen für personalisierte Therapie definiert

Eine internationale Forschergruppe um den Ulmer Leukämieforscher Prof. Hartmut Döhner hat in einer wegweisenden Studie 11 Untergruppen der Akuten Myeloischen Leukämie (AML) aufgrund von genetischen Veränderungen identifiziert. In "New England Journal of Medicine" zeigen die Wissenschaftler, dass diese individuellen genetischen Veränderungen unterschiedliche Krankheitsverläufe und Behandlungserfolge erklären können. Die Klassifikation der häufigsten akuten Blutkrebserkrankung im Erwachsenenalter ist ein weiterer Schritt in Richtung personalisierte Krebsmedizin.
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Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist die häufigste akute Blutkrebserkrankung im Erwachsenenalter. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine einheitliche Erkrankung: Eine internationale Forschergruppe um Prof. Hartmut Döhner, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III, hat in einer bahnbrechenden Studie aufgrund von genetischen Veränderungen 11 AML-Unterformen definiert, deren Prognose sich erheblich unterscheidet. Die neue, in NEJM veröffentlichte Klassifikation ist das Ergebnis einer Untersuchung von über 1.500 Patienten, die im Rahmen von klinischen Studien der Deutsch-Österreichischen AML-Studiengruppe behandelt wurden.

Bei der Akuten Myeloischen Leukämie gerät die Vermehrung von Blutzellen außer Kontrolle: Anstelle von gesunden reifen Blutkörperchen entstehen unreife „myeloische Blasten“, die die Blutbildung im Knochenmark stören und dadurch lebensbedrohliche Infektionen und Blutungen verursachen können. Die Patienten werden mit einer Chemotherapie und gegebenenfalls einer Stammzelltransplantation behandelt, doch die Heilungschancen variieren sehr stark.

Bei der Entstehung einer AML spielen erworbene genetische Mutationen („Driver Mutationen“) in den Zellen des Knochenmarks eine entscheidende Rolle. In Proben von 1.540 AML-Patienten (18-84 Jahre) aus drei klinischen Untersuchungen der Deutsch-Österreichischen AML-Studiengruppe haben die Forscher nach solchen Mutationen in 111 „Krebsgenen“ gesucht. Anschließend wurden die Ergebnisse der genetischen Sequenzierung – insgesamt haben die Forscher über 5.200 Driver-Mutationen identifiziert – mit dem Ansprechen auf Chemotherapie und der Überlebensrate verglichen.

Die Resultate der bisher umfassendsten Studie ihrer Art erlauben eine Klassifikation der AML-Fälle anhand der gefundenen Mutationsmuster: „Neben den klassendefinierenden Merkmalen beeinflussen aber auch Co-Mutationen und die daraus folgenden komplexen Gen-Geninteraktionen den Krankheitsverlauf erheblich. Die Leukämie-Unterformen auf Basis genetischer Veränderungen sind ein weiterer Schritt in Richtung personalisierte Krebsmedizin“, sagt Prof. Hartmut Döhner, Leiter der Deutsch-Österreichischen AML-Studiengruppe. Die Ergebnisse der molekulargenetischen Untersuchung seien ein „Meilenstein“ in der Klassifikation, Diagnose und Therapie der Akuten Myeloischen Leukämie.

Die individuellen genetischen Veränderungen der Patienten erklären unterschiedliche Krankheitsverläufe und Behandlungserfolge. In klinischen Studien kann nun nach den jeweils passendsten Therapien für die Subgruppen gesucht werden: „Auf den ersten Blick scheinen zwei Patienten die gleiche Blutkrebserkrankung zu haben, doch auf genetischer Ebene können sich diese Leukämien erheblich unterscheiden. Diese Unterschiede begründen, warum ein Patient geheilt wird und der zweite bei gleicher Behandlung verstirbt“, erklärt Co-Studienleiter Dr. Peter Campbell vom Wellcome Trust Sanger Institute in Cambridge (UK).

Vertiefende Studien und entsprechende Untersuchungen zu anderen Leukämien sind in Planung. „Zum ersten Mal haben wir die genetische Komplexität der meisten AML-Krebsgenome entschlüsselt und unterschiedliche Wege identifiziert, die zur Entstehung einer Akuten Myeloischen Leukämie führen. Ein tieferes Verständnis dieser Wege führt zu geeigneteren Therapien für den einzelnen AML-Patienten“, resümiert Erstautorin Dr. Elli Papaemmanuil vom Sanger Institute und dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (USA).

Das Forschungsprojekt unter Federführung der Universität Ulm und des Sanger Institute in Cambridge wurde unter anderem vom Wellcome Trust, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt.

Mehr: https://www.cto-im3.de/amlsg/

 
Universität Ulm
Literatur:
Papaemmanuil E, Gerstung M, Bullinger L et al. (2016). Genomic classification and prognosis in acute myeloid leukemia.  N Engl J Med 2016; 374:2209-2221June 9, 2016.
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1516192#t=article
 
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