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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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01. September 2015

7.000 Jahre: Ältester Leukämie-Fund - Prähistorisches Skelett zeigt Anzeichen der Krebserkrankung

Wissenschaftler des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment und der Universität Tübingen haben den wahrscheinlich ältesten bisher bekannten Fall von Leukämie gefunden. In einem etwa 7.000 Jahre alten Skelett einer 30- bis 40-jährigen Frau konnten sie mithilfe von hochauflösender Computer-Tomographie Hinweise auf die Krebserkrankung feststellen. Andere, ähnliche Krankheitsbilder wurden ausgeschlossen.

Das Leben in der Jungsteinzeit war nicht einfach: Die landwirtschaftliche Arbeit kräftezehrend und die medizinische Versorgung aus heutiger Sicht mangelhaft. Diese harten Lebensumstände wirkten sich auch auf die Gesundheit der Menschen aus – Infektionskrankheiten, Mangelerscheinungen und degenerative Veränderungen waren keine Seltenheit. „Von all diesen Erkrankungen, abgesehen von Entzündungen im Mund- und Kieferraum und von Karies, war das ‚Individuum G61‘ allerdings nicht betroffen – ein weibliches Skelett aus dem neolithischen Gräberfeld Stuttgart-Mühlhausen“, erzählt Dr. Heike Scherf vom Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoenvironment an der Universität Tübingen.

An dem Skelett der damals 30- bis 40-jährigen Frau hat die Forscherin gemeinsam mit ihren Kollegen aber Hinweise auf eine Leukämie-Erkrankung entdeckt. „Wir haben verschiedene Knochen des Skeletts mit Hilfe unseres hochauflösenden Computer-Tomographen untersucht und im rechten, oberen Oberarmknochen und dem Brustbein eine ungewöhnliche Auflockerung des inneren Knochengewebes, der Spongiosa, festgestellt“, ergänzt Scherf.

In den Enden des Oberarmknochens, im Brustbein, wie auch in den Wirbeln, den Rippen, dem Schädel, dem Becken und den Enden des Oberschenkels finden sich bei Erwachsenen blutbildende Stammzellen. An diesen Orten kann es zu einer Leukämie, umgangssprachlich Blutkrebs, kommen.

Das Wissenschaftlerteam rund um die Paläoanthropologin Scherf verglich den Oberarmknochen der 7.000 Jahre alten „Patientin“ mit Oberarmknochen von 11 Individuen, die von derselben Fundstelle im Süden Deutschlands stammen und dort zwischen 1982 und 1993 geborgen wurden.

„Kein anderes Individuum zeigte dieses signifikante Muster“, erläutert Scherf und fügt hinzu: „Obwohl sie von derselben Fundstelle stammen und der gleichen Altersgruppe angehören.“

Andere Krankheiten, die ähnliche Erscheinungen hervorrufen, schließt die Tübinger Wissenschaftlerin aus: „Das biologische Alter und die Begrenzung der Funde auf Oberarmknochen und Brustbein sprechen gegen Osteoporose. Hyperparathyreoidismus, eine Überfunktion der Nebenschilddrüse, kann aufgrund des Fehlens von typischen Merkmalen an anderen Skelettelementen, wie dem Schädel und den Fingerknochen, ausgeschlossen werden.“
Die Ergebnisse deuten daher, laut der Wissenschaftlerin, sehr stark auf eine Leukämieerkrankung bei ‚Individuum G61‘ hin. Dies wäre damit der bisher älteste Nachweis einer Leukämie. „Ob die Frau an der Erkrankung auch gestorben ist, können wir aber nicht feststellen“, fasst Scherf zusammen.

Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
 
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